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Alkohol vs. alkoholfrei: Was trinken die Berliner der Zukunft am Abend?

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11.06.2021

Berlin - Das Glas ist wieder halbvoll. Mindestens. Nach Monaten des Verzichts treffen sich die Berliner wieder in Restaurants, Bars oder Parks, genießen ihren Feierabenddrink. Die Frage ist lediglich: Was kommt in diesem Sommer ins Glas? Alkohol? Oder doch eher alkoholfrei? Zwei Berliner Manufakturen, die in ihrer Produktausrichtung unterschiedlicher nicht sein könnten, klären über das aktuelle Trinkbewusstsein ihrer Kunden auf.

Die Manufaktur Mampe wurde 1831 gegründet, ist damit Berlins ältester Spirituosenhersteller. Tom Inden-Lohmar, 58, ist Geschäftsführer und konzentriert sich mit seinem Produktionsleiter Danny Krüger, 31, während der Pandemie weiterhin auf die eigenen Wurzeln: Bitterliköre, Gin und Schnaps.

Die gesellschaftliche Bewegung des „Mindful Drinking“ dagegen hat Alexander Meister, 32, Nicolas van de Sandt, 36, und Milan Esser, 31, inspiriert. Seit der Corona-Krise setzen die beiden BWL-Studenten und der Lebensmitteltechnologe mit ihrer Marke Easip auf alkoholfreie Destillate. Diese sollen nicht nur schmecken, sondern auch für ein bewussteres Trinkverhalten stehen, mit geringem oder gar keinem Alkoholanteil.

Kann ein alkoholfreies Destillat geschmacklich an einen Drink mit Alkohol herankommen? Ist ein Preis von über 20 Euro für eine Flasche ohne Alkohol gerechtfertigt? Und wo steht die Gesellschaft in Sachen Alkohol? In der Manufaktur von Mampe im Bergmannkiez diskutierten Easip und Mampe darüber in einem offenen Gespräch.

Herr Inden-Lohmar, viele jüngere Menschen entscheiden sich mittlerweile für einen bewussteren Lebensstil. Wie passt Alkohol da rein?

Inden-Lohmar: Grundsätzlich muss man sagen, dass der Alkoholmarkt seit Jahrzehnten stagniert. Der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt, seitdem ich mich beruflich mit Alkohol beschäftige. Es finden in der Regel nur noch Verschiebungen innerhalb des Marktes statt, beispielweise wenn die eine Spirituose der anderen Spirituose Marktanteile abnimmt. Der Trend zu den alkoholfreien Destillaten ist, glaube ich, eine Generationenfrage. Ein Beispiel: Wenn wir vor 10 Jahren Promotion-Personal gesucht haben, kamen wir nicht auf die Idee, beim Vorstellungsgespräch zu fragen, ob es überhaupt Alkohol trinkt. Es war eher die Ausnahme, dass jemand keinen Alkohol getrunken hat. Heute sehen wir: Ein großer Prozentsatz der jüngeren Leute, die sich für Promotion bei uns bewerben, trinkt keinen oder ganz wenig Alkohol. Ich glaube, dass das alkoholfreie Bewusstsein eher in dieser Zielgruppe stattfindet als dass wir den 56-jährigen Weinliebhaber bekehren.

Herr Meister, an welchem Punkt steht die Gesellschaft in Sachen Alkohol aus Ihrer Sicht?

Meister: Wir beobachten ohne Frage die Entwicklung einer neuen Trinkkultur. In Berlin gibt........

© Berliner Zeitung


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