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Rettet die Hasenheide: Wie ein Berliner Park unter dem Klimawandel leidet

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14.05.2022

Berlin - Rummel, Gras und Messerstechereien: Die Berliner Zeitung wollte hin, wo’s wehtut und erlebte Überraschendes - die Neuköllner Hasenheide ist ein funkelnder Mikrokosmos der Diversität und hat für jeden und jede was zu bieten. Wir haben unsere Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Volkspark im Herzen der Stadt zusammengetragen.

Wir sind mit dem Fahrrad unterwegs, Hasenheide, Neukölln, der erste heiße Tag des Jahres. Michaela Hecht will die Stelle zeigen, wo vor ein paar Monaten noch eine bestimmte Buche stand. Als wir anhalten, zückt sie ihr Smartphone und sagt: „So etwas hatten wir noch nie gesehen – und die auch nicht.“ Die, das sind die Kollegen vom Pflanzenschutzamt Berlin, die sich genauso wenig erklären konnten, warum ein eigentlich auf totes Holz spezialisierter Pilz plötzlich einen gesunden Baum befiel.

Michaela Hecht ist zuständig für die Pflege und den Unterhalt der Grünflächen in Nordneukölln. Die 50 Hektar große Hasenheide ist ihre wichtigste Außendienststelle. Hier kennt sie jeden Busch und Baum beim Namen, mit machen scheint sie per Du zu sein. Wenn Parknutzer silbrige Schleier sichten und Eichenprozessionsspinner (gefährlich) melden, weiß sie, dass hier nur Gespinnsmotten (harmlos) am Werk waren.

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„Hier“, sagt Hecht und zeigt ein Bild von der Buche, die es nun nicht mehr gibt. „Hier sieht man die Zellstruktur: alles tot.“ Erst platzte die Rinde auf, ein weißes Pulver bildete sich, wurde schwarz, zuletzt trug der Baum rote Pusteln wie ein Mensch mit Windpocken. „Und dann war es vorbei.“ Der Todeskampf dauerte nur wenige Wochen. Eine Buche ist massiv, selbst im gefällten Zustand noch schwer. Doch als Hecht und ihre Kollegen sie wegtragen wollten, war sie leicht und zersplitterte in den Händen.

Bäume haben es eigentlich nicht so eilig mit dem Leben. Sie haben viel mehr Zeit als wir, Jahrtausende manchmal, um alt zu werden. Und ganz am Ende sterben sie auch noch langsam. Ihr Todeskampf, er ist für die meisten von uns nicht mal sichtbar. Vielleicht merken erst die klimaängstlichen Enkelkinder, was den klimasündigen Großeltern verborgen geblieben war. Dass die Baumkrone sich noch weiter zurückgezogen hat etwa, mit jedem Frühjahr lichter geworden ist, in den Sommermonaten immer........

© Berliner Zeitung


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