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Vorwurf der Einschüchterung: Gewerkschaft greift Tesla-Chef Elon Musk an

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26.03.2026

Die Auseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft IG Metall und dem US-Elektroautobauer Tesla erreicht in Brandenburg eine neue Eskalationsstufe. Wie am Mittwoch, dem 25. März 2026, bekannt wurde, geht die IG Metall juristisch gegen die kürzlich durchgeführte Betriebsratswahl im Werk Grünheide vor und hat beim Arbeitsgericht Frankfurt (Oder) einen Beschlussantrag auf Feststellung der Unwirksamkeit eingereicht. Sollte das Gericht dem Antrag nach Paragraf 19 des Betriebsverfassungsgesetzes stattgeben, müsste der erst Anfang März neu gewählte Betriebsrat nach Rechtskraft aufgelöst und eine Neuwahl angesetzt werden.

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Vorwürfe der unzulässigen Wahlbeeinflussung

Hintergrund der Wahlanfechtung sind massive Vorwürfe gegen das Tesla-Management. Die Gewerkschaft spricht von einem Wahlkampf, der durch Drohungen, gezielte Einschüchterungsversuche und ungleiche Behandlung seitens des Unternehmens geprägt gewesen sei. Vorgesetzte sollen Mitarbeiter unter Druck gesetzt und mit Aussagen wie „Ich kann Euch nur raten, nicht die rote Liste zu wählen“ beeinflusst haben. Zudem wird kritisiert, dass nur einer anderen Liste Privilegien eingeräumt wurden, die der IG Metall verwehrt blieben, wie etwa eine großflächige Leuchtwerbung an der Werksfassade.

Jan Otto, der Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen der IG Metall, betonte in einer Stellungnahme, dass die Geschäftsführung sowie Tesla-Chef Elon Musk all ihre Macht eingesetzt hätten, um das Wahlergebnis in ihrem Sinne zu steuern. Musk hatte im Vorfeld der Wahl vor dem Einfluss externer Organisationen gewarnt und angedeutet, dass eine Werkserweiterung in einem solchen Fall realistisch nicht stattfinden werde.

Gewerkschaftsunabhängige Liste bleibt stärkste Kraft

Bei der Betriebsratswahl in der Gigafactory vor den Toren Berlins, zu der 10.703 Wahlberechtigte aufgerufen waren, war die IG-Metall-Liste auf den zweiten Platz verwiesen worden. Sie sicherte sich 31,1 Prozent der Stimmen und damit 13 der 37 Sitze. Als Siegerin ging die gewerkschaftsunabhängige Liste Giga United hervor, die rund 40,4 Prozent auf sich vereinen konnte und 16 Sitze stellt. Insgesamt gingen nach dem vorläufigen Ergebnis 24 der 37 Sitze im Gremium an Listen ohne Gewerkschaftsbindung, die von der IG Metall teils als arbeitgebernah kritisiert werden.

Das Unternehmen selbst reagierte zunächst abwartend auf den juristischen Vorstoß. Tesla erklärte auf Nachfrage, man habe von der Anfechtung bislang nur aus den Medien erfahren. Man werde nun den rechtsstaatlichen Gang des Verfahrens abwarten, da dem Unternehmen die offiziellen Unterlagen noch nicht vorlägen.

Forderung nach schärferen Gesetzen

Neben der gerichtlichen Aufarbeitung des Falls in Grünheide sieht die Gewerkschaftsseite auch die Politik in der Pflicht. Die IG Metall und der Deutsche Gewerkschaftsbund fordern ein noch wirksameres gesetzliches Vorgehen gegen sogenanntes Union Busting, also die gezielte Behinderung von Gewerkschaftsarbeit. Es brauche eine klarere gesetzliche Verpflichtung zur strikten Neutralität von Arbeitgebern bei Betriebsratswahlen, um das Aushöhlen demokratischer Prozesse in Betrieben künftig zu unterbinden.

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© Berliner Zeitung