500.000 Autos und tiefe Risse: Die Chronik der Tesla-Fabrik Grünheide |
Vier Jahre nach der Eröffnung ist Tesla in Grünheide längst mehr als eine Autofabrik: Das Werk steht wie kaum ein anderes Projekt für Aufbruch, Konflikt und Industriepolitik in Ostdeutschland. Die Gigafactory ist ein massiver wirtschaftlicher Impulsgeber und war ein zentraler Treiber für Brandenburgs zeitweise bundesweit höchste Wachstumsraten. Doch der Preis für diesen Fortschritt wird bis heute hitzig diskutiert. Ein chronologischer Rückblick auf vier Jahre Hochlauf, harte Konflikte und ehrgeizige Zukunftspläne.
Jahr 1 (2022): Startschuss und rasanter Start
Am 22. März 2022 ist es so weit: Unter den Augen von Bundeskanzler Olaf Scholz und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) übergibt Elon Musk beim feierlichen „Delivery Day“ die ersten Model Y aus Grünheider Produktion an Kunden.
Der Produktionshochlauf der neuen Fabrik ist vielversprechend. Bereits im Juni rollen 1000 Fahrzeuge pro Woche vom Band. Bis zum Jahresende kann diese Taktung durch erweiterte Schichtmodelle auf 3000 Autos wöchentlich gesteigert werden. Das enorme Tempo in den Werkshallen, in denen eine agile, auf Effizienz ausgelegte amerikanische Unternehmenskultur auf deutsche Mitbestimmungsstrukturen trifft, fordert jedoch früh erste Anpassungsprozesse.
Ein prägnantes Beispiel dafür ist die erste Betriebsratswahl im Februar 2022, also noch vor dem Produktionsstart: Da zu diesem Zeitpunkt erst rund ein Sechstel der später geplanten Belegschaft eingestellt ist, kritisiert die IG Metall das Gremium als nur begrenzt........