Zurück zu den Wurzeln: Ex-Union-Profi kickt wieder im Amateurfußball

Im Juli gab es nochmal ein Wiedersehen. Der 1. FC Union Berlin steckte mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison, war gerade im Trainingslager in Herzogenaurach und nutzte die räumliche Nähe für ein Testspiel bei Zweitligist SpVgg Greuther Fürth. Die Fürther Verantwortlichen nutzten diese Gelegenheit wiederum, um ihren ehemaligen Spieler Niko Gießelmann offiziell zu verabschieden. Dessen Vertrag war Ende der vergangenen Saison ausgelaufen und einen besseren Rahmen als beim Testspiel gegen Union – Gießelmanns vorletzten Verein – hätte es kaum geben können.

Ein paar Worte sprach er in Richtung beider Fanlager ins Stadionmikrofon, von allen Seiten gab es Applaus. Seinerzeit war noch nicht klar, wie es mit der Karriere des gebürtigen Hannoveraners weitergehen würde. Jetzt schon. Niko Gießelmann läuft ab sofort wieder für seinen Jugendverein TSV Godshorn auf. Die Mannschaft, die momentan in der Landesliga Hannover den elften Platz belegt, durfte den prominenten Neuen schon im Training begrüßen.

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Für den 34-Jährigen schließt sich mit dem Sprung in den Amateurfußball ein Kreis. 2005, da war Gießelmann gerade 13 Jahre alt, war er aus Godshorn in die Jugendabteilung des SC Langenhagen gewechselt. Von dort gelang ihm später der Sprung in den Nachwuchs von Hannover 96. Für die Profis kam er dort zwar nie zum Einsatz, dafür feierte er später in Fürth sein Profidebüt. Es folgten Stationen bei Fortuna Düsseldorf und Union, ehe er in Fürth auch sein letztes Profispiel absolvierte.

„Die letzte Saison war heftig für uns alle. Es geht nur gemeinsam, dass man aus solchen Situationen herauskommt. Deswegen denkt immer an diese Worte: Nur gemeinsam könnt ihr alle Ziele erreichen“, sagte er rund um seinen Abschied beim Testspiel-Duell seiner ehemaligen Kollegen. Fürth hatte im Mai gerade so den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga geschafft.

Gießelmann qualifizierte sich mit Union für die Königsklasse

Dass er selbst in dieser Saison keinen weiteren Anlauf mehr im Profifußball nehmen würde, hatte auch mit wiederkehrenden Verletzungsproblemen zu tun. Im Amateurbereich wird der eigene Körper nicht ganz so intensiv gefordert. Im Rückblick auf seine Jahre im bezahlten Fußball wird ihm sicher auch immer wieder die erfolgreiche Zeit in Köpenick durch den Kopf schießen. Gießelmann war Teil der Mannschaft, die sich im Mai 2023 sensationell für die Champions League qualifizierte. Schon zuvor stand er für Union in der Conference und Europa League auf dem Rasen.

Am Sonntag (15 Uhr) dürften all die schönen Bilder und Erinnerungen aber gänzlich Nebensache sein. Da geht es für den TSV Godshorn im Auswärtsspiel beim STK Eilvese um wichtige Punkte im Kampf um den Klassenverbleib. Womöglich mit Niko Gießelmann auf dem Platz.


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