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Ausstellung über die Germanen: Gab es sie überhaupt?

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16.09.2020

BerlinDer Germane an und für sich trug barbarisch einengende Hosen, oft fest um die Schenkel gebunden, und hipsterbuschigen Bart im Gegensatz zu den meist glatt rasierten Römern. Auf deren Reliefs wehen die Germanen-Haare gerne wild bewegt und frei, schwellen die Muskeln an Armen und Brust. Gefährliche Zeitgenossen offenbar, erzählen diese Kunstwerke, kaum unterzukriegen, aber ohne verfeinerte Kultur. Wir kennen zwar nur diese Skulpturen als bildliche Darstellungen jener von Caesar in seinem Kriegsbericht aus Gallien erstmals als Germanen bezeichneten Menschen, die auf der nördlichen Seite von Rhein und Donau lebten. Aber man kann wohl als sicher annehmen: Germanien war kein Land der Schneider oder der Barbiere und wohl auch nicht das einer eleganteren Lebenskultur.

Aber gab es „die Germanen“ überhaupt oder sind sie nur eine Projektion von Ängsten und Zivilisationskritik der Römer, die in der Renaissance und dann vor allem im 19. Jahrhundert reanimiert wurde, um ein deutsches Nationalgefühl zu konstruieren? Das ist eine der beiden Kernfragen, denen die wirklich sehenswerte, aber nicht leicht verdauliche Ausstellung „Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme“ in der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel nachspürt. Die andere Frage ist: Was wissen wir inzwischen über „die Germanen“? Etwa, dass die Behauptung, sie lebten vor allem in Wäldern, Unsinn ist. Selbst in Brandenburg........

© Berliner Zeitung


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