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„Ein regelrechter Krieg der Roboter“: Militär-Experte Reisner zur Frontlage in der Ukraine

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29.03.2026

Der Ukraine-Krieg gerät fast schon in Vergessenheit. Der Krieg im Iran bestimmt das geopolitische Geschehen dieser Tage. Dabei geht der Krieg in Osteuropa ungemindert weiter. Kleine Einheiten, Drohnen und strategische Verschiebungen prägen die Lage an der Donbass-Front. Während die Aufmerksamkeit der USA zunehmend durch den Konflikt im Nahen Osten gebunden ist, profitiert Russland wirtschaftlich und militärisch. Oberst Markus Reisner analysiert im Interview mit der Berliner Zeitung, warum sich die Kräfteverhältnisse verändern und welche Folgen das für die Ukraine und Europa hat.

Herr Reisner, wie beurteilen Sie aktuell die Lage im Ukraine-Krieg – insbesondere an der Donbass-Front?Ich bewerte den Kriegsverlauf grundsätzlich immer auf drei Ebenen: strategisch, operativ und taktisch. Und aktuell hat sich vor allem auf der strategischen Ebene etwas verändert, das unmittelbare Auswirkungen auf das Gefechtsfeld hat.

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Sie meinen den Angriff Israels und der USA auf den Iran? Ganz genau. Dieser Konflikt bindet zunehmend die Aufmerksamkeit und auch militärischen Ressourcen der USA, etwa Flugabwehrsysteme, Raketen oder Luft-Boden-Munition. Das führt dazu, dass die Ukraine auf der Prioritätenliste nach hinten rückt. Präsident Wolodymyr Selenskyj versucht zwar gegenzusteuern, aber faktisch ist diese Verschiebung bereits sichtbar. Die Ukraine versucht ihrerseits, daraus Nutzen zu ziehen, indem sie ihre Expertise – etwa bei der Drohnenabwehr – aktiv anbietet. Die Idee der Ukrainer ist: Man unterstützt die Verbündeten in einem anderen Krieg und erhofft sich dadurch eine Gegenleistung, beispielsweise durch Zugang zu bestimmten Waffensystemen.

Welche konkreten Auswirkungen hat das auf die militärische Unterstützung?Man sieht das sehr deutlich am Ressourcenverbrauch. Es gibt Schätzungen, dass im Nahen Osten innerhalb der vergangenen drei Wochen bis zu 1000 Patriot-Abfangraketen eingesetzt wurden. Das ist mehr, als die Ukraine in den vergangenen Jahren insgesamt erhalten hat. Das zeigt: Kostbare militärische Ressourcen werden immer knapper. Und das hat unmittelbare Konsequenzen für die Ukraine.

Welche Rolle spielt Europa?Wenn die USA ihre Unterstützung für die Ukraine reduzieren, wird Europa deutlich stärker gefordert sein. Möglicherweise muss dann die EU sogar den Großteil der Last tragen. Das Problem ist: Europa hat bislang nicht gezeigt, dass es die notwendigen Kapazitäten schnell genug aufbauen kann, um diese Rolle vollständig zu übernehmen.

Wie stellt sich die strategische Lage aus russischer Sicht dar?Russland profitiert aktuell von der Lage. Wirtschaftlich insbesondere durch den Ölverkauf über Indien oder China etwa. Während Russland am Beginn des Jahres mit etwa 60 Dollar pro Barrel kalkuliert hat, liegen die Preise heute teils deutlich darüber. Das spült Geld in die Staatskasse und stabilisiert die Kriegsführung. Zusammen mit der sinkenden internationalen Aufmerksamkeit für die Ukraine ergibt sich daraus ein strategischer Vorteil für Russland – auch im Zusammenspiel mit China.

Kommen wir zur operativen Ebene: Wie sieht die Lage entlang der Front konkret aus?Die Front ist enorm lang – etwa 1300 bis 1400 Kilometer. Um das für Ihre Leserinnen und Leser greifbar zu machen: Das entspricht in Europa einer gedachten Linie von Berlin über Prag und Wien bis nach Mailand. Das ist wichtig zu verstehen, weil einzelne Ereignisse an einem Frontabschnitt oft überinterpretiert werden. Was an einem Punkt passiert, lässt sich nicht automatisch auf die gesamte Front übertragen.

Gibt es denn aktuell wichtige Entwicklungen an einzelnen Abschnitten?Ja. Die Ukraine konnte beispielsweise in bestimmten Bereichen – etwa bei Pokrowsk im Südabschnitt – in sogenannte Grauzonen vorstoßen. Gleichzeitig gab es aber auch russische Fortschritte, etwa im Raum Siwersk. Dort ist es Russland gelungen, wichtige Positionen........

© Berliner Zeitung