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Wie wird der zweite Corona-Sommer in Berlin? Das sind die Prognosen der Experten

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18.05.2021

Berlin - Einerseits sieht es so aus, als wären wir im Mai 2021 nicht viel weiter als ein Jahr zuvor. Ob der gebuchte Sommerurlaub klappt, ist noch ungewiss. Dass in den kommenden Monaten Strandbadbesuche, Sport in Gruppen oder gar Familienfeiern möglich sein werden, wagt man noch gar nicht zu glauben. Und eine neue Corona-Welle im Herbst scheint durchaus möglich.

Andererseits sind wir einige wichtige Schritte weiter als im Mai 2020. Selbsttests und Schnelltests sind breit verfügbar. Medizinische Masken zu tragen, ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Und: Es wird geimpft. Mehr als ein Drittel der Menschen in Deutschland hat bereits eine erste Dosis erhalten, gut elf Prozent sind vollständig geimpft – vor allem die besonders von schweren Covid-Verläufen bedrohten Über-80-Jährigen. Und im Juni sollen sich die Quoten durch weitere Lieferungen und Ende der Priorisierung nochmals stark erhöhen. Ist der Sommer also gerettet? Wir haben Wissenschaftler gefragt, was in den nächsten Monaten möglich sein wird – und was nicht.

„Ich bin unverbesserlicher Optimist“, sagt Friedemann Weber, Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Gießen. „Der Sommer wird relativ entspannt – vorausgesetzt, die Impfbereitschaft lässt nicht nach und es tauchen nicht plötzlich neue Virusvarianten auf, gegen die die Impfstoffe nicht so gut helfen.“ Urlaub in Mitteleuropa hält er für durchaus möglich.

Was ist im Sommer anders?

Seine Zuversicht gründet der Forscher zum einen auf den Effekt der Saisonalität, auch wenn diese bei Sars-CoV-2 nicht so ganz eindeutig ist. Denn anders als die Influenzaviren ist offensichtlich, dass sich das neuartige Coronavirus auch in der warmen Jahreszeit und in südlicheren Breitengraden verbreitet. „Etwas schwerer hat es das Virus bei höheren Temperaturen aber durchaus. Und dieser Effekt kommt jetzt, wo schon ein Teil der Bevölkerung immun gegen das Virus ist, stärker zum Tragen“, sagt Weber. Noch dazu würden viele Infektionen schlicht dadurch verhindert, dass sich in den Sommermonaten ein großer Teil des Lebens draußen abspielt – wo das Infektionsrisiko aufgrund der Luftbewegung nachweislich deutlich reduziert ist.

„Ich bin sehr dafür, dass zum Beispiel die Außengastronomie wieder geöffnet wird – natürlich mit Vorsichtsmaßnahmen“, sagt der Virologie-Professor. Freiluft-Veranstaltungen mit größeren Menschenmengen, Konzerten etwa, sind ihm diesen Sommer aber noch zu heikel. Insgesamt ist er dafür, die Lockerungen mit Bedacht und unter Beibehaltung der Abstands- und Hygieneregeln vorzunehmen. „Wenn wir jetzt wild lockern, dann verspielen wir das mühsam Erreichte und erleben dann womöglich eine quälerische Pendelei der Inzidenzen zwischen 100 und 150. Das wäre in keiner Hinsicht........

© Berliner Zeitung


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