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In diesem Berliner Brutkasten werden Babys gezeugt

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10.09.2021

Berlin - Das erste Treffen findet in einem grün-weißen Gerät statt, das so aussieht wie ein großer Drucker. Dort findet das Spermium zur reifen Eizelle, gelangt in ihren Zellkern, sie verschmelzen miteinander. Dort begegnen sich die Chromosomen, die Träger der Erbinformation, der weiblichen und männlichen Keimzellen – und führen dazu, dass sich die Eizelle zum ersten Mal teilt. Aus zwei Zellen werden vier, dann acht, dann 16. Und irgendwann eine sogenannte Blastozyste, eine komplexe Zellstruktur, die sich in die Gebärmutter einnisten muss, um weiter wachsen zu können – anfangs ist sie nur ein Bruchteil eines Millimeters groß.

Das grün-weiße Gerät heißt Geri und ist ein hochmoderner Brutschrank, ein sogenannter Time-Lapse-Inkubator, der alle fünf Minuten eine neue Aufnahme von dem sich entwickelnden Embryo macht und in einem Kinderwunschzentrum am Kudamm steht, das Wunschkinder heißt. Aus den automatisch aufgenommen Bildern entsteht ein Zeitraffer, wie ein Schwarz-Weiß-Film mit dem Namen „vom Ei zum Embryo“, der den werdenden Eltern als kleines Geschenk mitgegeben wird.

37 Grad warm ist es in dem Kasten, der pH-Wert und Sauerstoffgehalt der gläsernen Petrischale, auf der die Eizelle sich teilt, stimmt mit dem eines menschlichen Eierstocks überein. Über sechs kleine Inkubationskammern verfügt das Gerät, vier davon sind heute belegt. In ihnen reifen Embryonen heran. „Manchmal werden sie nach vier, manchmal nach fünf Tagen aus dem Inkubator-System herausgenommen und in die Gebärmutter der Patientin implantiert“, sagt eine Labormitarbeiterin.

Bei einem konventionellen Verfahren wird das Embryo aus dem Brutschrank entnommen, um unter einem Mikroskop beobachtet zu werden. Das ist im Time-Lapse-System anders, dort sind die Embryonen keinen Temperaturschwankungen oder anderen Änderungen ausgesetzt und können sich ungestört entwickeln. Die Schwangerschaftsrate würde dadurch um etwa zehn Prozent erhöht, heißt es hier. Außerdem können mögliche Auffälligkeiten in den verschiedenen Zellteilungsphasen festgestellt werden. „Wir können von zu Hause aus auf die Kameras der Kammern zugreifen und die Entwicklungen beobachten“, so die Mitarbeiterin weiter.

Die künstliche Befruchtung – sie ist der letzte Weg, um ungewollt kinderlosen Paaren eine Schwangerschaft zu ermöglichen. „Der Eierstock, der normalerweise nur eine Eizelle bildet, wird stimuliert, damit mehrere Eibläschen heranreifen“, sagt Björn Horstkamp, ärztlicher Leiter der Praxis Wunschkinder. „Dafür müssen sich die Patientinnen acht bis zehn Tage Hormone spritzen.“ Das Paar kommt dann ins Kinderwunschzentrum, der Mann spendet seine Spermien, die Frau dagegen wird in eine Kurznarkose versetzt, damit die Follikelflüssigkeit, in der Eizellen enthalten sind, aus ihrem Eierstock mit einer dünnen Punktionsnadel entnommen werden kann.

In Berlin gibt es mehr als zehn Kinderwunschzentren und auf Reproduktionsmedizin spezialisierte Kinderwunschkliniken. Eine Übersicht gibt es auf der Homepage Kinderwunsch-in-Berlin. Auch das Deutsche IVF-Register listet Berliner Einrichtungen auf.

Außerdem gibt es diverse Selbsthilfegruppen zum Thema, etwa bei Fertility Center Berlin auf dem Gelände des Krankenhaus Westend, jeden letzten Donnerstag im Monat von 19 bis 20 Uhr. Auch........

© Berliner Zeitung


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