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Impfen, Mannose, Antibiotika – Was bei Blasenentzündung wirklich hilft

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18.08.2021

Berlin - Es gibt nicht genug Worte, um die Beschwerden zu beschreiben, die mit einer Harnwegsinfektion einhergehen können: ein brennendes, stechendes Gefühl beim Pinkeln. Druck im unteren Bauchbereich, Urin, der getrübt ist und unangenehm riecht, Übelkeit und Unwohlsein – und ein ätzendes Bedürfnis, ständig aufs Klo gehen zu müssen, auch wenn es beim Wasserlassen letztlich nur tröpfelt. Als würde der Unterleib, über mehrere Tage hinweg, einen schmerzvollen Kampf gegen den eigenen Körper führen.

Der Harnwegsinfekt ist die häufigste Infektionskrankheit bei Frauen. Unterschieden wird dabei zwischen Zystitis, der Blasenentzündung, Urethritis, der Harnröhrenentzündung, und Urozystitis, einer gemeinsamen Entzündung von Blase und Harnröhre. „Die Krankheitserreger sind in aller Regel solche, die ohnehin im Intimbereich vorhanden sind, meist aus dem Darm kommen und sich dort zum Beispiel auch durch falsche Hygiene übermäßig vermehren können“, erklärt Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF). Außerdem gibt es noch die interstitielle Zystitis, eine hochschmerzhafte, chronische Blasenentzündung, bei der keine Keime nachgewiesen werden können. „Wahrscheinlich werden die Symptome dadurch ausgelöst, dass die Blasenwand sich nicht ausreichend gegen den Urin schützen kann“, sagt er.

Laut der aktuellen Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) sind die häufigsten Erreger unkomplizierter Harnwegsinfektionen das Bakterium Escherichia coli und Enterokokken, gefolgt von den Bakterien Staphylococcus saprophyticus, Klebsiella pneumoniae und Proteus mirabilis. Die Erreger, die also im Darm natürlich vorkommen und dort keinen Krankheitswert besitzen, gelangen vom Darmausgang zur Harnröhre, infizieren die Zellen, die die Harnröhrenwand auskleiden, bilden sogenannte intrazelluläre Bakteriengemeinschaften, und steigen nach oben, in die Blase auf.

Häufig sei auch das bakterielle Gleichgewicht in der Vagina gestört, in der normalerweise sogenannte Laktobazillen, also Milchsäurebakterien, die abgeschilferte Hautzellen auflösen und daraus Milchsäure gewinnen, sagt Albring. Dieses saure Milieu, die auch den Eingang der Harnröhre schützt, hemmt krankmachende Keime. „Fehlt dieser Schutz, dann bereitet das nicht nur Infektionen der Vagina den Boden, sondern auch Infekten der Harnwege“, so Albring weiter. Ein wichtiger Schutz der Harnröhre sei auch die innere Schleimhautschicht, die normalerweise das Lumen fest verschließen und abdichten soll. Diese reagiere empfindlich auf Kälte und Nässe und verliere dabei ihre schützende Funktion.

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Ein weiterer Grund: Mangel an Östrogen. Nach den Wechseljahren fehle dem Epithel in der Vagina, aber auch in der Harnröhre, das Östrogen, das die Haut aufbaue. Die Schleimhaut wird dadurch durchlässiger und somit anfälliger. Auch Diabetes, Stress, Rauchen, körperliche Belastung sowie schwere Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem angreifen oder die Östrogen-Produktion des Körpers blocken, würden das Risiko für Harnwegsinfekte erhöhen, so der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, der in Hannover eine Praxis hat. Menschen, die........

© Berliner Zeitung


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