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Corona: Gab es nie eine Überlastung der Intensivstationen?

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20.05.2021

Berlin - Neuer Stoff für Debatten rund um Corona: In den sozialen Medien wird unter den Hashtags #DiviGate, #DiviGateGate und #WeltGate schon seit Tagen unermüdlich über das Welt-Interview mit Matthias Schrappe diskutiert. Es beruht auf dem Thesenpapier „zur intensivmedizinischen Versorgung in der SARS-2/CoViD-19-Epidemie“ einer Gruppe von Expertinnen und Experten rund um den Gesundheitsökonom Schrappe, die seit Anfang der Corona-Krise mehrere Ad-hoc-Stellungnahmen zur Pandemie veröffentlicht haben. In dem „brisanten Papier“, so die Welt, wirft die Gruppe Intensivmedizinerinnen und -Medizinern Panikmache vor:

Seit Beginn der Epidemie habe es von politischer Seite, aber auch von Fachverbänden, laute Warnungen vor einer Überlastung der Intensivstationen und vor einer „Triage“ zur intensivmedizinischen Versorgung gegeben, heißt es im Papier. „Implizit wurde damit gedroht, man müsse Patienten ,ersticken lassen'“, schreiben Schrappe et al. Diese Angst-basierte Kampagne habe bei der Durchsetzung der Pandemie-Maßnahmen eine entscheidende Rolle gespielt. „Hinsichtlich ihrer Faktenbasierung lassen sich diese Äußerungen jedoch nicht nachprüfen, zumindest steht der Dramatik der Aussagen ein deutlicher Mangel an verwertbaren Daten gegenüber.“

Was sich ziemlich schnell herausgestellt hat: Der Mangel an verwertbaren Daten liegt Schrappes Positionspapier selbst zugrunde, das durchzogen ist von groben statistischen Fehlern, falschen oder nicht belegten Thesen. Karl Lauterbach spricht von Legenden, die gebildet werden, darüber dass Covid-Infizierte aus Geldgier intensivmedizinisch versorgt worden seien. Man habe Daten manipuliert, um Druck auf Politik zu machen, so die Kritiker. „Das ist unwürdig. 85.000 Menschen sind tot, zu viele. Ohne aufopfernde Leistung der Kliniken wären es noch mehr“, äußerte sich Lauterbach dazu.

Jetzt werden Legenden gebildet, Covid Infizierte wären aus Geldgier intensivmedizinisch versorgt worden. Man habe Daten manipuliert, um Druck auf Politik zu machen. Das ist unwürdig. 85.000 Menschen sind tot, zu viele. Ohne aufopfernde Leistung der Kliniken wären es noch mehr https://t.co/nRblJ6sOwM

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) e.V., der Marburger Bund Bundesverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) e. V. haben die „irreführenden Vorwürfe vom Spiel mit der Angst, der Manipulationen offizieller Statistiken und sogar die Unterstellung, rein aus finanziellem Interesse Patienten intensivmedizinisch zu behandeln“ in einer Pressemitteilung bereits zurückgewiesen. Und die Welt hat seither selbst die Kritikpunkte zum Schrappe-Interview analysiert.

Das sind die zentralen Vorwürfe, die von mehreren Medien und Faktencheckern, wie etwa dem Anti-Fake-news-Blog Volksverpetzer, im Detail entkräftet worden sind.

Zahl der Corona-Patienten in der ersten und zweiten Pandemie-Welle

Im Papier heißt es unter anderem, dass während der ersten Welle der Pandemie 2020 etwa 3000 Menschen intensivmedizinisch wegen Covid-19 behandelt werden mussten, in der zweiten Welle dagegen rund 6000. Das ist falsch. So viele Patientinnen und Patienten wurden........

© Berliner Zeitung


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