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„Ich bin Deutsche“ – Nein, bist du nicht!

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06.09.2021

Berlin - In jedem zweiten Gespräch mit mir noch nicht bekannten Menschen werde ich gefragt, woher ich komme. Nicht wegen meines Aussehens, sondern wegen meines Namens. „Miray – das ist aber nicht deutsch, oder?“, heißt die Überleitung oft, bis der darauffolgenden Satz konkreter wird. Meine Antwort lautet bis heute ausnahmslos: „Meine Eltern kommen aus Istanbul.“

Ich weiß, dass ich aus einer sehr privilegierten Stellung heraus schreibe. Diskriminierende Erfahrungen habe auch ich machen müssen, aber nicht so oft und nicht so krass wie viele andere meiner Mitmenschen aus Einwandererfamilien. Vielleicht ist mein gefühltes Privileg der Grund, dass ich mich über die „Woher kommst du“-Frage auch nie geärgert – und sie auch nie kritisch hinterfragt habe. Das liegt vor allem daran, dass ich mich durch die Frage nicht angegriffen fühle. Ich erkenne nur selten eine böse Absicht, wenn ich zum Beispiel merke, dass mein Gegenüber versucht, mich zwanghaft in ein Raster zu stecken, wenn die vermeintlichen........

© Berliner Zeitung


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