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„Grotesk, dass die Bundesregierung sich nicht an ihr Beratungsgremium hält“

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27.05.2021

Berlin - Forschende, Pädagogen, Kinderärztinnen und Politiker streiten seit Wochen über die Frage, ob Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gegen Sars-CoV-2 geimpft werden sollen. Noch ist kein Mittel in Europa zugelassen, auch eine Impfempfehlung durch die Ständige Impfkommission aus (Stiko) steht aus. Trotzdem spricht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von einem Impfangebot und kündigte bereits eine Corona-Impfung für Heranwachsende bundesweit bis Ende August an. Der Berliner Kinderarzt Jakob Maske findet es grotesk, dass die Bundesregierung beim Thema so vorausprescht und sich von der Stiko, also ihrem eigenen Beratungsgremium, loslöst.

Berliner Zeitung: Herr Maske, Sie haben in Berlin-Schönberg eine Kinderarztpraxis. Fragen Eltern bei Ihnen vermehrt wegen einer Corona-Impfung für ihre Kinder nach?

Jakob Maske: Wir erhalten von Eltern von 12- bis 15-Jährigen schon zahlreiche Anfragen, ob eine Corona-Impfung für ihre Kinder sinnvoll ist. Da sagen wir ganz klipp und klar, dass wir auf die Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde und auf die generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission warten, die beide noch ausstehen. Individualentscheidungen können wir nichtsdestotrotz treffen. Wir hatten beispielsweise einen Jugendlichen aus der zehnten Klasse, der jetzt ein Auslandsjahr in den USA machen wird und für diesen Aufenthalt eine Covid-Impfung braucht. Die werden wir ihm natürlich nicht verweigern, sobald eine Empfehlung der EMA da ist. Da werden wir nicht auf die Stiko-Empfehlungen warten. Solche Dinge muss man abwägen, mit den Eltern und den Jugendlichen selbst.

Nutzen und Risiko von ImpfungenSoll man Kinder gegen Corona impfen? Was die Wissenschaft dazu sagt

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© Berliner Zeitung


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