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Unicredit Angebot an Commerzbank: „Jetzt zu verkaufen ist nicht attraktiv“

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16.03.2026

Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch sieht die jüngsten Versuch des italienischen Unicredit, weitere Anteile an der Commerzbank zu übernehmen skeptisch. Koch sagte der Berliner Zeitung: „Das Angebot ist in der unfreundlichsten Form erfolgt – ohne vorherige Kommunikation mit der Commerzbank.“ Koch,  als ehemaliger Vorsitzender des Aufsichtsrates der UBS Deutschland und der UBS Europe sowie als Rechtsanwalt ein profunder Kenner des europäischen Bankenmarkts, ordnet das Vorgehen der Italiener ein:  „Der Unicredit setzt seinen Zermürbungskrieg fort, denn angesichts des gebotenen Preises will sie nur wenig kaufen und strategisch verändert das die Lage kaum. Für eine wirkliche Übernahme fehlt das Geld.“ Für Investoren mache „das Angebot überhaupt keinen Sinn“: „Es kommt zu einem Zeitpunkt, da die Kurse wegen des Marktumfelds allgemein niedrig sind. Jetzt zu verkaufen ist nicht attraktiv.“ Koch ist überzeugt, dass der neueste Unicredit-Versuch nicht nachhaltig ist: „Die Commerzbank ist trotz aller Widrigkeiten erfolgreich unterwegs. Investoren können darauf setzen, dass andere Entwicklungen kommen, wo wir deutlich zweistellige Aufschläge bei den Kursen sehen werden.“ Vor allem aus Berlin dürfte den Ambitionen von Unicredit-Chef Andrea Orcel Grenzen aufgezeigt sein: „Die Bundesregierung setzt zu Recht das klare Signal,  dass er die 12,1 Prozent des Bundes nicht bekommen wird“, sagte Koch.Die italienische Großbank Unicredit hatte am Montag ein Angebot zur Übernahme weiterer Anteile an der Commerzbank vorgelegt. Der Unicredit strebt ein Tauschangebot an, um ihre Anteile am Kapital der deutschen Bank auf über 30 Prozent zu steigern, wie sie am Montag mitteilte. Die Bank gehe derzeit nicht davon aus, die Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen.

Der Unicredit  war Ende 2024 in großem Stil bei der Commerzbank eingestiegen. Die Europäische Zentralbank und das Bundeskartellamt gaben seitdem eine Anteilserhöhung auf bis zu 29,9 Prozent frei. Derzeit hält die Unicredit eine direkte Beteiligung von rund 26 Prozent an der Commerzbank sowie eine zusätzliche Beteiligung von etwa vier Prozent über Finanzderivate. Bei Überschreitung der Schwelle von 30 Prozent Anteilen an der Commerzbank ist die Unicredit zu einem öffentlichen Übernahmeangebot verpflichtet. Die Commerzbank-Führung und ihren Beschäftigten sowie auch die Bundesregierung haben sich gegen die Pläne ausgesprochen. Hintergrund der Ablehnung ist die Perspektive, dass die Commerzbank ihre Eigenständigkeit verliert. Außerdem herrscht die Sorge, dass italienische Staatsanleihen in der Bilanz des Unicredit zum Risiko für den deutschen Steuerzahler werden könnten. (mit AFP)


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