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Was bleibt? Ich habe nie gehört, dass Putin selbst einkaufen geht

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25.09.2021

Berlin - In Geschichtsbüchern hat Angela Merkel einen Platz sicher. So oder so, egal, ob man sie mochte, wählte oder aus dem Amt wünschte. Und in 16 Jahren gab es viele Möglichkeiten, ihr nahezukommen. Auf Wahlkampfterminen oder im Supermarkt. Vier Begegnungen mit der Kanzlerin.

Eine Stunde. Länger sollte der Besuch der Bundeskanzlerin nicht dauern. Eine Stunde am Neubrandenburger Sportgymnasium, um sich mit Olympioniken und Leistungssportlerinnen wie der Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch über die bevorstehenden Spiele in Peking zu unterhalten. Nur sechzig kurze Minuten verbrachte Angela Merkel (CDU) an diesem kühlen Apriltag 2008 an meiner damaligen Schule. Ein Besuch im Sinne der Sportförderung, meine Heimatstadt zählt republikweit zu den erfolgreichsten Leistungszentren für Leichtathletik und Kanurennsport. Für Merkel ein Tag wie jeder andere, für mich aber mein letzter Schultag. Der – dank der Bundeskanzlerin – nicht traditionell befeiert werden konnte. Auch dreizehn Jahre später bin ich noch verstimmt.

Nach der zweiten Hofpause, glaube ich, sollte Schluss sein mit unserer Verabschiedung. Acht Jahre Gymnasialzeit mussten in nur vier Unterrichtsstunden besiegelt werden: Statt langem Unterhaltungsprogramm mit Lehrerinnen und Lehrern, anschließenden Unterrichtseinheiten für die Jüngeren und abschließenden Schulhausverwüstungen sollte ab halb 12 Uhr gemeinschaftlich aufgeräumt werden. Von höchster Schulebene wurde die Parole vorgegeben. „Alle packen mit an, damit bis zum Eintreffen der Regierungschefin vor dem Schultor alles wieder ordentlich aussieht“, hieß es damals im lokalen Nordkurier.

Naturgemäß war ich trotzig, wollte als Abiturientin an diesem Tag nirgends „anpacken“, stattdessen lieber die Flucht ergreifen, ein letztes Mal die unbeschwerte Jugend genießen. Was interessierte mich die Politikprominenz aus Berlin, was die saubere Übergabe einer Schule, die bald nicht mehr meine sein sollte? Doch die Schule folgte dem Ruf aus Berlin, ich dem Ruf der Schule; pflichtbewusst fegte ich ein paar Haufen Konfetti zusammen. Fragte mich wütend, wer von meinen Mitschülerinnen und Mitschülern damit nur Stunden zuvor so infantil durch die Gegend........

© Berliner Zeitung


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