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Wahlvorsteherin über die Berlinwahl: „Es war eine völlige Fehlplanung“

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01.10.2021

Berlin - Das war’s. Für Zeynem Ramadan ist die Wahl am Sonntag ihre letzte als Wahlhelferin gewesen. Freiwillig helfen, das möchte sie auch nach den Erlebnissen dieser „Pannenwahl“ nicht mehr. Es war ihr drittes Mal als Wahlhelferin, an diesem Superwahlsonntag war sie sogar Wahlvorsteherin ihres Wahllokals. Drei Wahlen, doch dies war wohl die verrückteste, die anstrengendste. „Es ist ein Berliner Phänomen, Wahlen nicht organisieren zu können“, fasst die Lichtenbergerin zusammen.

Sie, die am vergangenen Wochenende in einer Grundschule in Friedrichshain aushalf, muss es wissen. Bei der Bundestagswahl 2009 war Ramadan noch in Baden-Württemberg im Einsatz, da habe alles reibungslos funktioniert. Dann vor zwei Jahren das erste Mal in der Hauptstadt, zur Europawahl. Da sei das größte Problem noch gewesen, dass komplette Wohnhäuser gar keine Benachrichtigung bekommen hätten. Bewohnerinnen und Bewohner hätten damals selbstständig Aushänge in ihren Hauseingängen angeklebt, um andere über den Wahltag, vor allem aber das zugeteilte Wahllokal zu informieren. Nach den Erfahrungen des Wochenendes fast keine große Sache mehr. Denn am vergangenen Wahlsonntag ging mehr schief, es fehlten nicht nur Wahlbenachrichtigungen, sondern auch Wahlscheine. Dazu Unruhe bei ungeduldigen Wählerinnen und Wählern, die Stimmung sei „am Brennen“ gewesen, regelrecht deeskalierend habe ihr Team arbeiten müssen. Ein Berliner Wahlchaos.

Schon die ersten Meldungen am Sonntag schockierten selbst unerschütterliche Berlinerinnen und Berliner: falsche Stimmzettel, zu wenige Stimmzettel, lange Schlangen, karg ausgestattete Wahllokale. In einigen wurde noch weit nach 18 Uhr gewählt – auch lange nach den ersten Prognosen konnten Geduldige ihre Stimmen abgeben. Einfluss auf die Ergebnisse hatten die verlängerten Öffnungszeiten der Wahllokale aber wohl nicht, zu klein die Menge der Spätwählenden.

Leserinnen- und Leser-AufrufChaos bei den Wahlen in Berlin: Was haben Sie erlebt?

Wahl 2021Chaos am Super-Wahltag in Berlin: Muss die Wahl wiederholt werden?

Die Landeswahlleitung, und mit ihr Landeswahlleiterin Petra Michaelis, unterschätzten ganz offensichtlich diesen Superwahltag – drei Wahlen in Berlin, ein Volksentscheid, dazu der Marathon. Diese Fülle organisationsreicher Ereignisse sah die Landeswahlleiterin im Vorfeld durchaus kritisch, besonders der Marathon war ihr ein Dorn im Auge. Doch der Senat verweigerte dessen Absage, die Landeswahlleitung hingegen eine Aufteilung der Berlin- und Bundestagswahlen auf verschiedene Wochenenden. So fielen alle Großereignisse auf einen einzigen Tag.

Doch die Organisation der umfangreichsten Wahl in der Geschichte der Hauptstadt gelang der Landeswahlleiterin ganz offensichtlich nicht. Die seit 2011 amtierende Michaelis gab zu: „Wir haben die Herausforderungen alle unterschätzt.“ Nach auffällig vielen ungültigen........

© Berliner Zeitung


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