Atomkraftwerke auf dem Mond: Elon Musk will mit Artemis noch viel weiter |
Nach dem Countdown ein erfolgreicher Lift-off: Die Rakete der „Artemis 2“-Mission hob am 1. April von Cape Canaveral in Florida ab. Vier Astronauten sollen zehn Tage lang in der Orion-Kapsel den Mond umrunden – der erste bemannte Flug Richtung Mond seit der Landung von Apollo 17 im Jahr 1972. Doch „Artemis“ ist nur ein kleiner Erkundungsflug, ein kleiner Schritt in einem irren Projekt, das Science-Fiction Realität werden lässt: die Kolonialisierung des Mars.
Sonnenklar, dass hier auch Tausendsassa Elon Musk mitmischt – mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX. Und Musk hat beim „Artemis“-Projekt einen mächtigen Verbündeten: So war es US-Präsident Donald Trump, der in seiner ersten Amtszeit mit der Space Policy Directive 1 am 11. Dezember 2017 die Reise zu Mond und Mars zum Staatsziel erklärte. Trump verkündete damals zur avisierten Mondlandung: „Dieses Mal werden wir nicht nur unsere Flagge hissen und unsere Spuren hinterlassen, sondern auch den Grundstein für eine künftige Mission zum Mars und vielleicht eines Tages zu vielen Welten darüber hinaus legen.“
Geld für den Mars: Elon Musks SpaceX geht an die Börse
Trump erinnerte im Pathos hier stark an Captain Kirk, doch den Worten folgten Taten: Bereits vor vier Jahren legte die erste „Artemis“-Mission erfolgreich den Grundstein des Projekts. „Artemis 2“ ist nun der zweite Erkundungsflug der Raumpatrouille Orion. Doch das Orion-Raumschiff gelangt jetzt noch mit der Einweg-Rakete SLS der Nasa ins All. Nachdem sie Orion im Orbit ausklinkt, verglüht die SLS-Hardware im Wert von zwei Milliarden Dollar in der Atmosphäre zu Staub. Hier kommt Elon Musk als Innovator und Kostensenker ins Spiel: Seine Raumfähre Starship soll perspektivisch als dauerhafter Transporter zwischen Erdumlaufbahn und Mondoberfläche dienen. Und irgendwann sollen auch wiederverwendbare Raketen die schwere Orion-Kapsel in den Orbit bringen.
Erste bemannte Mondmission seit 1972 erfolgreich gestartet
KI und ihre Folgen: Elon Musk verspricht Überfluss – doch wem wird er gehören?
Doch als Zwischenschritt nimmt Elon Musk mit seiner Weltraumfirma SpaceX erst einmal Kurs auf die Börse. Bereits im Juni könnte Musk mit SpaceX-Aktien eine Menge Geld für sein gigantisches Mondprojekt einsammeln. Von Rekorderlösen von bis zu 75 Milliarden Dollar ist die Rede – das wäre der größte Börsengang der Geschichte. Für die Nasa und das amerikanische Raumfahrtprogramm spielt SpaceX mit seinen Raketen, dem Satelliten-Internetdienst Starlink und der KI-Abteilung xAI eine Schlüsselrolle. Doch Raumfahrt ist extrem kostspielig.
Solar, Atomkraft, Wasserstoff: Energie für Mond und Mars
Das Geld der Aktionäre will Elon Musk dann in seine Riesenrakete Starship stecken, die bereits elf erfolgreiche Testflüge hinter sich hat. Die Starship-Mondlandefähre soll der zentrale Baustein für die nächsten beiden Mondmissionen der Nasa werden. Die USA wollen am Südpol des Mondes bis 2033 eine dauerhafte Basisstation errichten und so ausbauen, dass man sie als Abschussrampe für viel entferntere Ziele im Weltraum nutzen kann. Elon Musks futuristisches Ziel ist schließlich eine Mars-Kolonie.
Den Südpol haben die USA deswegen als geeigneten Mond-Standort auserkoren, weil es hier in den Kratern Eis gibt. Das Wasser und den darin enthaltenen Wasserstoff benötigen die Mondsiedler dann auch als Treibstoff. Die Energieversorgung der Mondbasis sollen Solaranlagen sicherstellen – und kleine Kernreaktoren. Diese kleinen Fission-Surface-Power-Systeme mit 40 Kilowatt Leistung sollen zuverlässig und unabhängig von Sonnenlicht ununterbrochen Strom für Basis, Rover und Bergbau auf dem Mond liefern – und später auf dem Mars.
Jeff Bezos und Elon Musk: Konkurrenz belebt das Geschäft
Da SpaceX in den vergangenen Jahren einige Verzögerungen bei der Entwicklung seines Starships erlebte und den Zeitplan der Nasa durcheinanderbrachte, mischt nun auch noch ein anderer Tech-Gigant mit: Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seiner Weltraumfirma Blue Origin. Auch Bezos soll nach Wunsch der Nasa am Projekt der Mondbesiedelung mitarbeiten. Clever nutzt die Nasa so die persönliche Rivalität zwischen Musk und Bezos aus, um Preise zu senken und Innovation zu pushen. Beide Firmen sollen mehr Speed in das „Artemis“-Programm bringen. Das ist auch Donald Trump wichtig. Denn die Zeit drängt.
Auch China will den Mond erobern. Und auch die Chinesen sind auf einem guten Weg dorthin. Laut dem neuen Fünfjahresplan hat das Thema Monderoberung höchste Priorität für das kommunistische Reich der Mitte. 2030 sollen die ersten Taikonauten auf dem Mond landen und bis 2035 die Mondstation errichten. Auch die International Lunar Research Station (ILRS) Chinas soll am Südpol entstehen und mit Solar und Atomkraft betrieben werden. Russland hilft hier mit. Der so erzeugte Strom soll intelligente Roboterschwärme antreiben, die dann die ILRS weiter aufbauen. Mit den vier Mondmissionen Chang’e-3–6 landeten in den letzten Jahren bereits mehrere unbemannte Sonden.
Astrostrategie: Wettlauf zwischen China und den USA
Und natürlich geht es beim Wettlauf zum Mond zwischen China und den USA nicht nur um wissenschaftliche Erkenntnis und astronomische Grundlagenforschung: Der geostrategische Kampf um die Vorherrschaft der beiden Systeme setzt sich im All fort. Auch China will den Mond zum militärischen Stützpunkt ausbauen, um sozusagen astrostrategisch nicht ins Hintertreffen zu geratenen. Für Weltraumverteidigung und neue Raketenprogramme will China so wie Elon Musks SpaceX ein Satellitennetzwerk im Orbit mit Tausenden Computern aufbauen. Dazu: Anti-Satelliten-Waffen mit Abfangraketen, Satelliten mit Roboterarmen, bodengestützte Laser und elektronische Störsender. Elon Musk will mit seinen humanoiden Optimus-Robotern auf dem Mond dagegenhalten.
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Neue Folgen von „Star Wars“ werden also gerade in Peking und Washington gedreht. Die Laserschwerter könnten sich am Mond-Südpol dann an den Kratern Shackleton, Haworth und Nobile erstmals kreuzen. Beide Länder haben die drei Krater als optimale Standorte für eine Mondstation identifiziert: An den Rändern ist genügend Sonnenlicht und im eiskalten Kraterdunkel vermutet man neben Wasser auch die wichtigen Grundstoffe Methan, Kohlendioxid und Ammoniak. Der ehemalige Nasa-Direktor Bill Nelson erklärte daher vor drei Jahren das „Space Race“ zwischen China und den USA für eröffnet.
Und die EU? Die Europäische Weltraumorganisation Esa ist lediglich Juniorpartner der Nasa. Firmen aus zehn EU-Staaten lieferten zwar gut 20.000 Einzelteile für die sechs Servicemodule der Orion, die dann Airbus in Bremen zusammenbaute. Aber wie bei den europäisch-amerikanischen Beziehungen im Handel und bei der Verteidigung gilt auch bei der Raumfahrt: Die Abhängigkeit der Europäer von den USA ist wesentlich größer als umgekehrt. Und warum sollten sich Trump, Musk und Bezos in Zukunft den Multi-Billionen-Markt Raumfahrt mit der EU teilen?