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André Maeder: „Wir müssen in Berlin niemanden fürchten“

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02.10.2021

Berlin - Donnerstagabend in Berlin, tief im Westen. Das KaDeWe hat wieder was zu feiern; inmitten der aufwendigen, bereits Jahre andauernden Umbauarbeiten des Stores wird der nächste renovierte Bereich geöffnet. Dieses Mal hat’s die Menswear getroffen, den Designerbereich. Zuständig für die Neugestaltung war das junge Designstudio Ciguë aus Paris: Ein Büro von rund 20 Designerinnen und Designern, die etwa für den Industrial-Style zahlreicher Shops der Pflegemarke Aesop verantwortlich sind.

Dementsprechend ist auch der neugestaltete KaDeWe-Abschnitt ein bisschen klarer, auch härter, weniger elegant als viele andere Ebenen des Hauses geworden: zementgraue Bodenfliesen, gleißend weiße Wände, dazu Neonröhren und eine holzverkleidete Rolltreppe. Auch ein Traditionshaus müsse sich schließlich immer wieder neu erfinden, sagt André Maeder, CEO der KaDeWe Group, im Interview, auch wenn’s ein bisschen länger dauert.

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Herr Maeder, das KaDeWe befindet sich schon seit fünf Jahren im Umbau – klingt irgendwie nach BER im Kleinen! Oder war diese lange Renovierungsphase so geplant?

(lacht) Tatsächlich sind wir im Zeitplan. Wir haben im Februar 2016 angefangen und schon im November darauf die ersten umgebauten Quadranten und Etagen eröffnet. Jetzt im September, genau fünf Jahre später, machen wir die nächsten renovierten 14.000 Quadratmeter über mehrere Etagen auf, darunter auch die neue Rolltreppe als Centerpiece. Das alles war auf diese lange Strecke ausgelegt, auch wenn kleinere Projekte vielleicht 10 Prozent hinter dem eigentlichen Zeitplan liegen. Natürlich gab es durch die Pandemie ein paar Schwierigkeiten, was etwa die Beschaffung von Material angeht oder Bauarbeiter, die daher nicht immer arbeiten konnten. Minimale Verzögerungen, die sich mit dem Flughafen sicher nicht vergleichen lassen.

Gratulation – Pläne einzuhalten scheint gerade in Berlin oft ein Ding der Unmöglichkeit. Wie sieht es denn inhaltlich aus? Haben sich die Umbaupläne, was den Stil betrifft, verändert oder wird alles so, wie von Anfang an gedacht?

Tatsächlich ist es beides: Auf der einen Seite haben wir das klare Konzept der vier Quadranten und der neuen Rolltreppe, das sich überhaupt nicht verändert hat. Wir wollen auf jeder Etage vier Bereiche entsprechend des Würfelkonzepts haben, von denen jeder eine völlig eigene Welt eröffnet. In der Menswear zum Beispiel gehen Sie dann vom Designer-Bereich in den Contemporary-Bereich, von dem in den Casual-Bereich und schließlich in den Classic-Bereich – und jeder einzelne Raum hat einen anderen Boden, ein anderes Licht, andere Warengruppen, ein anderes Gefühl. Das ist für alle sechs Etagen so konzipiert, sodass wir letztlich 24 umgebaute Bereiche haben. Aber wie genau diese einzelnen Bereiche aussehen werden, das wurde eben nicht schon vor sechs Jahren festgelegt. Mit der Eröffnung am Donnerstag haben wir etwa 80 Prozent geschafft. Komplett fertig sind wir im November 2023.

24 neue, hoffentlich überraschende Bereiche: Hört sich ein bisschen nach Adventskalender an.

Voilà! Die Aussage könnte von mir sein. Das ist tatsächlich wie ein Adventskalender, denn Sie wissen nie, was Sie vom nächsten Würfel zu erwarten haben. Ein 60.000-Quadratmeter-Haus bleibt nur dann interessant, wenn es in sich immer wieder neue Räume eröffnet. Vertikal, also von dem Tower her betrachtet, den wir am Donnerstag eröffnet haben, ist das auch so: Der bringt auf jeder Ebene Designer zusammen, im ersten Stock für Herren, im zweiten Stock für Damen, im dritten Accessoires und Brillen, im vierten Kinder und im fünften Interior. Wenn Sie also ein Designer-Kunde sind, dann können Sie in diesem vertikalen Tower bleiben. Wenn Sie aber ein Casual-Kunde sind, also eher der Ralph-Lauren-, der Gant- oder Tommy-Hilfiger-Typ, dann können Sie sich von den Accessoires bis zu den Möbeln im anderen entsprechenden Tower bewegen. Im Prinzip kreieren wir vier Warenhäuser in Form von vier vertikalen Türmen.

Oder aber Sie bewegen sich horizontal durch die Etagen und finden dann als Mann, als Frau, als Kind auf diese Weise das passende Angebot für sich.

Wir haben einen Masterplan, der seinerzeit von Rem Koolhaas entwickelt wurde.

André Maeder

Was hält all diese Bereiche gestalterisch zusammen?

Wir haben einen Masterplan, der seinerzeit von Rem Koolhaas und seinem weltberühmten Architekturbüro OMA entwickelt wurde; beim Projekt selbst ist Ellen van Loon, auch von OMA, federführend. Aber jeder Würfel hat außerdem eine eigene Innenarchitektin oder einen Innenarchitekten. Wir haben jeweils zwei Jahre vor Fertigstellung eine Ausschreibung gemacht, uns drei, vier Designerinnen und Designer näher angeschaut und dann mit unserem Kreativdirektor entschieden, wer den Zuschlag bekommt. Dadurch hat sich das Projekt........

© Berliner Zeitung


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