Israel leidet kaum unter den wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs: Woher bezieht das Land seine Energie?
Der Energieschock erschüttert die Welt. Seit dem amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran vor knapp fünf Wochen ist der Tankverkehr durch die Straße von Hormus de facto gesperrt. Für die meisten Staaten in der Region bedeutet das Chaos. Für Israel gilt das nur bedingt.
Gas aus eigenen Quellen
Beim Erdgas ist Israel seit einem Jahrzehnt weitgehend unabhängig. Die Entdeckung des Tamar-Feldes 2009 und des Leviathan-Feldes im darauffolgenden Jahr, beide im Mittelmeer vor der israelischen Küste, hat die Energieversorgung des Landes grundlegend verändert. Nach Angaben des israelischen Energieministeriums fördert Israel heute rund 21 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr. Nach Angaben der IEA deckt Gas mittlerweile rund 70 Prozent der israelischen Stromerzeugung. Der Kohle-Anteil liegt nach ITA-Angaben heute lediglich auf rund 17 Prozent; im Jahr 2013 waren es noch 52 Prozent.
Israel ist mittlerweile auch Gasexporteur. Nach Angaben der israelischen Gasbehörde stiegen die Gasexporte 2024 um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr – über den ägyptischen Pipelineanschluss und weiter zu LNG-Terminals am Mittelmeer. Im August 2025, etwa ein halbes Jahr vor Kriegsbeginn, unterzeichnete das Leviathan-Konsortium nach Angaben derselben Behörde das bislang größte Exportabkommen in der Geschichte des israelischen Gassektors: Lieferungen nach Ägypten im Wert von bis zu 35 Milliarden Dollar.
Die Straße von Hormus spielt für Israels Gasversorgung keine Rolle. Die Felder liegen vor der eigenen Haustür.
Erneuerbare: Viel Sonne, wenig Fortschritt
Zwar hat die gegenwärtige Ölkrise erneut die weltweite Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen offengelegt. Doch viele Länder haben in den vergangenen Jahren begonnen, auf erneuerbare Energien umzusteigen. Israel setzt auf Solarenergie, denn Sonne hat das Land reichlich.
In der Negev-Wüste, rund 35 Kilometer südlich der Stadt Beersheba, steht mit dem Ashalim-Komplex bereits eine der größten Solaranlagen des Landes. Doch der Ausbau kommt nicht schnell genug voran. Nach ITA-Angaben stammen erst 12,5 Prozent des israelischen Stroms aus erneuerbaren Quellen – das selbst gesteckte Ziel von 30 Prozent bis 2030 ist weit entfernt. Gründe hierfür: bürokratische Engpässe, knappes Bauland, zu wenig Stromleitungen und die Tatsache, dass Erdgas Strom zu niedrigeren Kosten produzieren kann als Solaranlagen.
Israels Situation in Sachen Öl ist etwas komplexer. Das Land verfügt nicht über eigenes Öl und ist daher auf Importe angewiesen. Wichtigster Lieferant ist Aserbaidschan. Laut einer im Fachjournal Israel Affairs veröffentlichten Studie besteht die Verbindung bereits seit dem Jahr 2005, als Baku–Tbilisi–Ceyhan-Pipeline ans Netz ging. Rund 46 Prozent der israelischen Rohölimporte stammen aus Aserbaidschan, gefolgt von Kasachstan mit 28 Prozent. Das kasachische Öl wird über russisches Territorium transportiert. Den Rest liefern westafrikanische Länder.
In den Gewässern vor Gaza schlummert ein weiteres Gasvorkommen: das Gaza-Marine-Feld, etwa 36 Kilometer vor der Küste. Es wird auf rund 30 Milliarden Kubikmeter Gas geschätzt und gehört der Palästinensischen Behörde, kann aber ohne Genehmigung Israels faktisch nicht entwickelt werden. Im Juni 2023 erteilte die Regierung von Netanjahu eine vorläufige Genehmigung, dann überfiel die Hamas Israel am 7. Oktober und der Gaza-Krieg begann. Trotz des im Oktober 2025 vereinbarten Waffenstillstands liegt das Projekt weiter auf Eis.
Gaza selbst ist hinsichtlich seiner eigenen Energieversorgung auf Israel angewiesen und bezog nach Angaben des Center for Strategic and International Studies vor dem Krieg rund die Hälfte seines Stroms aus Israel. Durch den Krieg wurde allerdings die Infrastruktur nach Angaben der Gaza Electricity Distribution Company zu 80 Prozent zerstört. Nach Einschätzung des Begin-Sadat Center wäre eine dauerhafte Lösung für Gazas Energieversorgung der Ausbau des Gaza-Marine-Feldes.
