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Ex-Putin-Berater Gromyko: „Der Westen benutzt die Ukrainer als Kanonenfutter“

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26.04.2022

Alexej Gromyko (53) ist Leiter des Europa-Instituts an der Russischen Akademie der Wissenschaften und Enkel des berühmten sowjetischen Außenministers Andrei Gromyko (aka „Mr. Njet“), der unter anderem für den Satz bekannt ist: „Zehn Jahre Verhandlungen sind immer besser als ein Tag Krieg“. Anfang März hatte Gromyko eine internationale Expertenerklärung unterzeichnet, die in einer ihrer Klauseln alle Kriegsparteien auffordert, das Feuer ohne Vorbedingungen einzustellen und einen Verhandlungsprozess einzuleiten.

In Russland ist so eine Erklärung für einen namhaften Regierungsberater zu vergleichen mit dem Schritt, sich öffentlich gegen den Krieg zu positionieren. Ende März schloss Präsident Wladimir Putin Gromyko aus dem Expertenrat beim Sicherheitsrat der Russischen Föderation aus, einer Art Politbüro 2.0, ohne Erklärung von Gründen. Gromyko vermutet, dass die russischen Behörden die Empfehlungen der Sachverständigen ohnehin nicht beherzigt hätten. Nun warnt Gromyko in einem Gespräch mit der Berliner Zeitung die Bundesregierung vor unvorsichtigen Schritten in der Ukraine.

Alexei Anatoljewitsch Gromyko wurde am 20. April 1969 geboren. Er ist ein russischer Historiker. Außerdem ist er Direktor am Europainstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften, RAS-Professor (2015) und Vorsitzender des Koordinationsrats der RAS-Professoren (2016–2018), korrespondierendes Mitglied der RAS (gewählt im Oktober 2016). Gromyko ist der Enkel des ehemaligen sowjetischen Staatsoberhauptes und Außenministers Andrei Andrejewitsch Gromyko. Sein Vater war der Diplomat Anatoli Andrejewitsch Gromyko (1932–2017), ebenfalls Historiker und Mitglied der russischen Akademie.

Berliner Zeitung: Herr Gromyko, Sie haben zuletzt wieder ein Expertentreffen zwischen Russland und der Nato mit ehemaligen Diplomaten, Militärs und Meinungsmachern aus den USA und der EU mit organisiert. Nach einem ähnlichen Online-Treffen Anfang März haben Sie alle Konfliktparteien schriftlich aufgefordert, sofort und bedingungslos die Waffen niederzulegen. Was sagen Sie und Ihre Kollegen jetzt?

Gromyko: Unser Diskussionsformat findet immer hinter verschlossenen Türen statt. Ich kann die Positionen der Sachverständigen nicht preisgeben. Wir diskutieren da aber nicht die Geschehnisse in der Ukraine konkret, sondern die militärischen Risiken........

© Berliner Zeitung


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