Der Sieg ist dem Sieger am Tag danach anzuhören. Sven Herzberger hat am Sonntag überraschend klar die Landratswahl im Kreis Dahme-Spreewald gewonnen: Der parteilose Kandidat kam bei der Stichwahl auf 64,8 Prozent. Sein Konkurrent Steffen Kotré von der AfD schaffte nur 35,2 Prozent. Im ersten Wahlgang im Oktober hatte der Kandidat der rechtsnationalen bis rechtsextremistischen Partei noch knapp vorn gelegen – mit 317 Stimmen. Daraus wurde nun ein Rückstand von 20.660 Stimmen.

Am Tag nach dem Sieg klingt die Stimme von Herzberger etwas heiser. Er hatte am Sonntagabend in Zeuthen, wo er seit 2018 Bürgermeister ist, zur Wahlparty geladen, die zur Siegesfeier wurde. Deshalb die belegte Stimme am Morgen danach. „Ich freue mich, dass die Wählerschaft in unserem Landkreis so eindeutig und klar für Weltoffenheit gestimmt hat, für Toleranz und Demokratie.“

Parteiloser Kandidat Sven Herzberger verhindert ersten AfD-Landrat in Brandenburg

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11.11.2023

11.11.2023

Dass Herzberger als Parteiloser gewinnen konnte, liegt auch daran, dass ihn im zweiten Wahlgang alle Parteien außer der AfD unterstützt hatten. Auch SPD und Grüne, die beim ersten Mal noch nicht zu seiner Wahl aufgerufen hatten.

Herzberger hebt die hohe Wahlbeteiligung hervor, die bei fast 48 Prozent lag und damit nur zwei Prozent niedriger als im ersten Wahlgang. „Oft liegt die Beteiligung bei Landratswahlen nicht viel höher als 30 Prozent“, sagt er. Dann kann es eng werden, weil die Kontrahenten in einer Stichwahl nicht nur die Mehrheit bekommen, sondern auch ein Quorum erfüllen müssen. Das heißt: Sie müssen mindestens 15 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten erreichen. Das waren dieses Mal 22.043 Stimmen, Herzberger schaffte 45.265.

Gleichzeitig sieht der künftige Landrat die Wahl als eine Art Warnung für das gesamte Land Brandenburg. „Bei aller Freude darf nicht übersehen werden, dass die AfD auf 35 Prozent gekommen ist.“ Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie stabil ihre Wählerschaft ist: Im ersten Wahlgang kam die AfD auf 25.862 Stimmen, im zweiten Wahlgang auf 24.605.

Im nächsten Herbst finden in Brandenburg Landtagswahlen statt. Dafür steht die AfD in Umfragen derzeit mit 35 Prozent klar auf Platz eins. Aber im Frühjahr sind auch Kommunalwahlen. „Und da besteht die reale Gefahr, dass die AfD flächendeckend in die Gemeindevertretungen, Stadtverordnetenversammlungen und Kreistage einzieht“, sagt Herzberger.

Das Problem ist grundsätzlich, dass die meisten Parteien immer weniger Kandidaten für diese meist ehrenamtlichen Posten bekommen. Bislang war auch die AfD auf kommunaler Ebene oft schwach. Herzberger hat ein Beispiel aus seiner Heimatstadt Zeuthen. Dort hatte die AfD bei der letzten Wahl nur eine Liste mit drei Kandidaten, zwei kamen in das Stadtparlament. Die beiden zogen später weg. „Doch wenn die AfD bei der Kommunalwahl ihr Ergebnis von dieser Wahl wiederholen könnte, wären sie vielleicht sogar stärkste Fraktion.“

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Deshalb sollten nun die Parteien nach Kandidaten suchen und es sollte auch um parteilose Kandidaten geworben werden – wie er einer ist. „Auf der kommunalen Ebene kommt es nun mal auf die Persönlichkeit der Kandidaten an“, sagt Herzberger, der am Tag nach der Wahl noch Urlaub hat. „Wenn die Personen überzeugend sind, werden sie gewählt, egal ob oder in welcher Partei sie sind.“

Doch am Dienstag arbeitet er als Bürgermeister weiter. An dem Tag beginnen die Haushaltsverhandlungen – immer ein harter Kampf ums Geld und darum, wie es verteilt wird. Den Posten als Landrat tritt er erst am 1. März an. Zuvor muss seine Nachfolge geregelt und eine Bürgermeisterwahl organisiert werden.

Wie es heißt, will ein Vertreter der Linken antreten und wohl auch jemand von der CDU. Ausgerechnet von jenen Parteien, die Herzberger im Wahlkampf unterstützt haben. Bei der Besetzung seiner Nachfolge sind sie nun Konkurrenten.

QOSHE - Wahlgewinner in Dahme-Spreewald: Der Sieg über die AfD ist auch eine Warnung - Jens Blankennagel
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Wahlgewinner in Dahme-Spreewald: Der Sieg über die AfD ist auch eine Warnung

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13.11.2023

Der Sieg ist dem Sieger am Tag danach anzuhören. Sven Herzberger hat am Sonntag überraschend klar die Landratswahl im Kreis Dahme-Spreewald gewonnen: Der parteilose Kandidat kam bei der Stichwahl auf 64,8 Prozent. Sein Konkurrent Steffen Kotré von der AfD schaffte nur 35,2 Prozent. Im ersten Wahlgang im Oktober hatte der Kandidat der rechtsnationalen bis rechtsextremistischen Partei noch knapp vorn gelegen – mit 317 Stimmen. Daraus wurde nun ein Rückstand von 20.660 Stimmen.

Am Tag nach dem Sieg klingt die Stimme von Herzberger etwas heiser. Er hatte am Sonntagabend in Zeuthen, wo er seit 2018 Bürgermeister ist, zur Wahlparty geladen, die zur Siegesfeier wurde. Deshalb die belegte Stimme am Morgen danach. „Ich freue mich, dass die Wählerschaft in unserem Landkreis so eindeutig und klar für Weltoffenheit gestimmt hat, für Toleranz und Demokratie.“

Parteiloser Kandidat Sven Herzberger verhindert ersten AfD-Landrat in........

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