Bei der Wahl am 8. Oktober lag der AfD-Kandidat Steffen Korté noch ganz knapp vor dem parteilosen Kandidaten Sven Herzberger. An diesem Sonntag traten die beiden nun bei der Stichwahl gegeneinander an: Es geht um den Posten des Landrates im Kreis Dahme-Spreewald, der an der südöstlichen Berliner Stadtgrenze am Flughafen BER beginnt. Im zweiten Wahlgang am Sonntag lag nach Auszählung von etwas mehr drei Viertel aller Wahlgebiete der parteilose Kandidat vorn. Um 18.45 Uhr hatte Herzberger knapp 62 Prozent der Stimmen, sein Konkurrent 38 Prozent. Doch noch ist der Ausgang offen, weil weiter ausgezählt wird.

Die Wahl wird bundesweit vor allem deshalb beachtet, weil es um die Frage geht, ob die rechtsnationale bis rechtsextreme AfD ihre Erfolge fortsetzen kann. Ganz konkret geht es darum, ob die AfD künftig den Verwaltungschef im erfolgreichsten Landkreis in Ostdeutschland stellt und damit den ersten Landrat im Land Brandenburg. Derzeit ist die AfD bei Umfragen in allen ostdeutschen Ländern auf Platz eins und im Bund nach der CDU die größte Oppositionspartei. Allerdings war sie bei Kommunal- oder Regionalwahlen wie der jetzigen nur selten siegreich. Bislang gewann die AfD einen Landratsposten in Thüringen und einen Bürgermeisterposten in Sachsen-Anhalt.

Im Kreis Dahme-Spreewald stellte die SPD seit dem Ende der DDR alle drei Landräte. Zuletzt wurde die Region von Stephan Loge regiert, der 16 Jahre lang im Amt war und nun in den Ruhestand geht.

Allein gegen die AfD: Die Landratswahl vor den Toren Berlins

10.11.2023

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Am Sonntag hätten 147.000 Wahlberechtigte an die Urnen treten können, doch die Wahlbeteiligung war recht niedrig und lag um 18.27 Uhr nur bei fast 37 Prozent. Bereits beim ersten Wahlgang hatte sie nur bei 50,8 Prozent gelegen. Die Beteiligung ist deshalb wichtig, weil es bei dieser Wahl nicht nur darum geht, dass einer der Kandidaten stärker sein muss als der andere, sondern dass er auch ein sogenanntes Quorum erreichen muss. Der Sieger muss 15 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten auf sich vereinen. Das sind in diesem Fall genau 22.043. Bei der sogenannten Hauptwahl hatte Kotré 25.826 Stimmen und damit 35,3 Prozent der Stimmen eingefahren, bei Herzberger waren es 25.545 Stimmen und damit 39 Prozent. Der Sieger muss also fast so viele Stimmen bekommen wie bei der ersten Wahl – trotz deutlich niedriger Beteiligung.

Der derzeit führende Sven Herzberger ist in Strausberg im heutigen Land Brandenburg geboren, studierte dann Pädagogik und ging im Sommer 1989 über Ungarn in den Westen. Er studierte Jura und wurde Anwalt. Seit fünf Jahren ist er Bürgermeister der Stadt Zeuthen ganz im Norden des Kreises Dahme-Spreewald. Er hatte bereits vor der Wahl ein Bündnis geschmiedet, bei dem ihn die Linke, die CDU, die FDP, die die Freien Wählern und unabhängigen Wählergruppen unterstützten. Im ersten Wahlgang war noch eine SPD-Kandidatin von der SPD dabei gewesen, die aber ausschied. Deshalb unterstützten dann auch die Sozialdemokraten und die Grünen die Wahl von Herzberger, um einen AfD-Landrat zu verhindern.

Das würde im Fall eines Sieges Steffen Kotré sein, der eigentlich im Havelland zu Hause ist, also westlich von Berlin. Er wurde 1971 im Osten Berlins geboren, ist Diplomwirtschaftsingenieur. Seit 2013 ist er in der AfD, davor war er in der FDP. Seit 2017 ist er Bundestagsabgeordneter für die AfD.

QOSHE - Landratswahl in Dahme-Spreewald: Parteiloser liegt bislang klar vor AfD-Kandidat - Jens Blankennagel
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Landratswahl in Dahme-Spreewald: Parteiloser liegt bislang klar vor AfD-Kandidat

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12.11.2023

Bei der Wahl am 8. Oktober lag der AfD-Kandidat Steffen Korté noch ganz knapp vor dem parteilosen Kandidaten Sven Herzberger. An diesem Sonntag traten die beiden nun bei der Stichwahl gegeneinander an: Es geht um den Posten des Landrates im Kreis Dahme-Spreewald, der an der südöstlichen Berliner Stadtgrenze am Flughafen BER beginnt. Im zweiten Wahlgang am Sonntag lag nach Auszählung von etwas mehr drei Viertel aller Wahlgebiete der parteilose Kandidat vorn. Um 18.45 Uhr hatte Herzberger knapp 62 Prozent der Stimmen, sein Konkurrent 38 Prozent. Doch noch ist der Ausgang offen, weil weiter ausgezählt wird.

Die Wahl wird bundesweit vor allem deshalb beachtet, weil es um die Frage geht, ob die rechtsnationale bis rechtsextreme AfD ihre Erfolge fortsetzen kann. Ganz konkret geht es darum, ob die AfD künftig den Verwaltungschef im erfolgreichsten........

© Berliner Zeitung


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