Nun ist sie also da, die große Cornflakes-Krise: Nach Rewe hat auch Edeka keinen Frühstückskram von Kellogg’s mehr in den Läden. Die Supermarktkette verkündet tapfer, sie verweigere sich dem Weltkonzern, der mit seiner Marktmacht „exorbitante Preisforderungen“ durchdrücken will. Ganz im Sinne der Kunden: Ein Plus von 45 Prozent sei zu viel. Als Reaktion verfügte Kellogg’s den Lieferstopp. Jetzt tobt der Preiskrieg ganz offen, und auch in Berlin sind die Regale bald Kellogg’s-frei.

Nun könnte gesagt werden: Wen interessiert’s? Cornflakes sind zwar praktisch, aber ungesund, denn die Flocken aus getrocknetem Maisbrei sollen bei Kellogg’s bis zu 40 Prozent Zucker enthalten. Also weg damit. Aber bei dem Streit geht es um viel mehr als das ungesunde Frühstück vieler Kinder.

Grundsätzlich ist es gut, gegen die Dominanz eines Weltkonzerns zu kämpfen, der jedes Jahr zehn Milliarden Dollar umsetzt. Doch die Kämpfe sind auch ein klarer Bruch mit den goldenen Regeln hiesiger Supermärkte. Denn dort sollen die Regale gefälligst immer bis zur letzten Kante gefüllt sein. Das zeugt von reichlich Vorrat und verspricht Sicherheit. Denn wie heißt es so schön: Die westliche Wohlstandswelt ist nur drei warme Mahlzeiten vom nächsten Aufstand entfernt. Gemeint ist: Leere Supermärkte sorgen schnell für Panik und Anarchie.

27.09.2023

27.09.2023

27.09.2023

Die globale Saft-Krise hat auch schon Berlin erreicht

15.09.2023

Deshalb füllen Mitarbeiter ständig die Regale auf. Doch inzwischen lassen Edeka, Rewe, Aldi, Lidl & Co. auch mal ganze Regalwände leer. Dort hängen dann Zettel, auf denen sie verkünden, dass sie die „Preisübertreibungen der Industrie“ boykottieren.

Natürlich gibt es einzelne Rohstoffe, die knapp werden und damit extrem teuer. So sorgte der Klimawandel weltweit für mehrere Missernten bei Orangen, sodass die Lager für Saftkonzentrat leer sind. Der Börsenpreis stieg in Jahresfrist um 80 Prozent.

Doch das ist nicht die Norm. Die Gesamtinflation lag im Juni bei sechs Prozent, doch Lebensmittelpreise stiegen um fast 14 Prozent. Und die Gewinne reicht die Industrie nicht mal an die Landwirte weiter, deren Einkünfte teils massiv sinken.

Einzelne Hersteller erhöhen die Preise auch mal um 100 oder 45 Prozent wie nun Kellogg’s. Von „Gierflation“ ist die Rede, genau wie zuvor bei Nestlé, Mars, Coca Cola, bei Henkel, Jacobs und Haribo.

Aber halt: Kaufland, Netto und Penny erzählen die Geschichte natürlich in der Tradition eines klassischen Märchens mit Gut und Böse. Aber so schwarz-weiß ist es nicht, denn da kämpft nicht die aufrechte Tante Emma gegen Weltkonzerne. Auch im Handel läuft seit Jahren eine extreme Monopolisierung, nicht nur national: Allein Aldi-Süd betreibt 6520 Filialen auf vier Kontinenten.

1,99 Euro statt 99 Cent für eine Gurke: Woher kommt die Preisexplosion?

30.03.2023

Die Händler stilisieren sich nun als Hüter der Preise, doch sie sind nachweislich weder Verbraucherschutzvereine noch Wohlfahrtsverbände. Im Preiskrieg pushen sie einfach ihre Eigenmarken. Und so lautet eine Werbung: „Keine Lust auf Mondpreise von Mars? Dann geh doch zu Netto!“

Den großen Marken wird Wucher vorgeworfen, doch Untersuchungen zeigen: Die Discounter haben die Preise ihrer Billigmarken zuletzt im Schnitt sogar doppelt so stark erhöht wie viele Marken.

Eines scheint im aktuellen Preiskrieg sicher: Irgendwann steht auch Kellogg’s wieder überall im Regal, gleich neben den Eigenmarken. Und beide werden teurer sein.

QOSHE - Edeka verbannt Kellogg’s-Cornflakes – was haben die Kunden von diesem Preiskrieg? - Jens Blankennagel
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Edeka verbannt Kellogg’s-Cornflakes – was haben die Kunden von diesem Preiskrieg?

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29.09.2023

Nun ist sie also da, die große Cornflakes-Krise: Nach Rewe hat auch Edeka keinen Frühstückskram von Kellogg’s mehr in den Läden. Die Supermarktkette verkündet tapfer, sie verweigere sich dem Weltkonzern, der mit seiner Marktmacht „exorbitante Preisforderungen“ durchdrücken will. Ganz im Sinne der Kunden: Ein Plus von 45 Prozent sei zu viel. Als Reaktion verfügte Kellogg’s den Lieferstopp. Jetzt tobt der Preiskrieg ganz offen, und auch in Berlin sind die Regale bald Kellogg’s-frei.

Nun könnte gesagt werden: Wen interessiert’s? Cornflakes sind zwar praktisch, aber ungesund, denn die Flocken aus getrocknetem Maisbrei sollen bei Kellogg’s bis zu 40 Prozent Zucker enthalten. Also weg damit. Aber bei dem Streit geht es um viel mehr als das ungesunde Frühstück vieler Kinder.

Grundsätzlich ist es gut, gegen die Dominanz eines Weltkonzerns zu kämpfen, der jedes........

© Berliner Zeitung


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