Laut Kalender endet der Sommer erst am 23. September, doch schon jetzt machen alarmierende Nachrichten die Runde. Die Uno vermeldet: Dieser Sommer war der heißeste seit Beginn der globalen Aufzeichnungen, also seit 1940. Die Nachricht kam nicht unerwartet: Denn zuvor hatten die Wetter- und Klimabeobachter bereits den Juli zum heißesten je gemessenen Juli erklärt und danach auch den August. So wurde es der heißeste Sommer auf der Nordhalbkugel, denn der dauert meteorologisch von Juni bis August.

Es war ein Sommer der Extreme: die größte Frühlingshitze in Spanien, die es je gab, die größten Waldbrände in Griechenland, die größten Sturzfluten in Slowenien. Und so weiter. Die Häufung solcher Extreme sind Belege für den Klimawandel.

Aber was folgt daraus? Die einen werden rufen: Was ist denn noch nötig, damit die Menschen sich ändern? Andere werden abwinken: Ihr immer mit eurem Klimawandel und den ewigen Horrormeldungen.

Alarmismus gegen Fatalismus. In Umfragen steht die Angst vor den Folgen des Klimawandels derzeit auf Platz vier. 72 Prozent sehen größere Gefahren: die Wirtschaftskrise, den Ukrainekrieg, den Aufstieg der AfD. Und auch der Alltag sieht nicht nach Öko-Wende aus: Im ersten Halbjahr wurden in Berlin 40 Prozent mehr Autos neu zugelassen als in derselben Zeit des Vorjahres.

Blau-grüne Rüstung gegen den Klimawandel: Die Forschung hat Ideen für Berlin

23.08.2023

Gewitter in Berlin, kühler Juli und Hitzewarnung – ist das wirklich Klimawandel?

15.08.2023

gestern

gestern

07.09.2023

Bei dieser Ausgangslage wird die Meldung vom Rekordsommer wohl verpuffen. Denn was wäre die Konsequenz? Eine harte politische Wende? Eine Öko-Revolution? Die sofortige Abschaffung des kapitalistischen Wirtschaftssystems? Weil es – angetrieben von Öl, Diesel und Kohle – auf Wachstum fokussiert ist und auf Konsum und auf Energieverschwendung. Werden deshalb nun die Regierungsgeschäfte an die Räterepublik der Letzten Generation übergeben?

Das wäre weltfremd. Wären die Klimakleber eine Partei, bekäme sie vielleicht 2,1 Prozent der Stimmen. Die AfD steht in Umfragen aber mit 21 Prozent auf Platz 2. Und die AfD ist auch die Partei der Braunkohle, der Rückkehr zur Atomkraft, der Benziner-Fans und auch von jenen, die den menschengemachten Klimawandel leugnen und behaupten: Das Klima hat sich immer wieder geändert, es gab immer Kalt- und Warmzeiten.

Und so stehen sich verhärtete Fronten gegenüber. Die eine Seite ruft: „Ihr Klimawandelleugner, ihr SUV-Fetischisten!“ Die andere Seite ruft: „Ihr Klimahysteriker, ihr Ökofaschisten!“

Es ist ein Grundproblem der Klimadebatte, dass es gar keine Debatte ist, keine Suche nach Antworten. Nur Rechthaberei und Beleidigungen. Ketzerisch ausgedrückt: Oft geht es gar nicht um die Sache, sondern um ideologisches Dominanzgehabe.

Dass sich das Klima ändert, merken alle. Aber die einen sagen: Der Mensch sei der personifizierte Weltuntergang. Die anderen behaupten: Der Klimawandel sei gar nicht menschengemacht. Warum aber wird diese Schuldfrage nicht einfach mal kurz zurückgestellt? Warum verlassen die verfeindeten Seiten nicht ihre Schützengräben und bereiten sich unter dem Stichwort Klimaanpassung wenigstens gemeinsam auf die Bewältigung der nächsten Wetterextreme vor?

Vielleicht ist dies ein viel zu versöhnlerisches Wunschdenken in Zeiten, in denen der Beifall aus der eigenen Bubble für viele wichtiger ist als die gemeinsame Suche nach Lösungen.

QOSHE - Dieser Sommer war also der heißeste aller Zeiten – und nun? - Jens Blankennagel
menu_open
Columnists Actual . Favourites . Archive
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Dieser Sommer war also der heißeste aller Zeiten – und nun?

9 6
09.09.2023

Laut Kalender endet der Sommer erst am 23. September, doch schon jetzt machen alarmierende Nachrichten die Runde. Die Uno vermeldet: Dieser Sommer war der heißeste seit Beginn der globalen Aufzeichnungen, also seit 1940. Die Nachricht kam nicht unerwartet: Denn zuvor hatten die Wetter- und Klimabeobachter bereits den Juli zum heißesten je gemessenen Juli erklärt und danach auch den August. So wurde es der heißeste Sommer auf der Nordhalbkugel, denn der dauert meteorologisch von Juni bis August.

Es war ein Sommer der Extreme: die größte Frühlingshitze in Spanien, die es je gab, die größten Waldbrände in Griechenland, die größten Sturzfluten in Slowenien. Und so weiter. Die Häufung solcher Extreme sind Belege für den Klimawandel.

Aber was folgt daraus? Die einen werden rufen: Was ist denn noch nötig, damit die Menschen sich ändern?........

© Berliner Zeitung


Get it on Google Play