Anfassen und ausprobieren – das ist doch oft der eigentliche Sinn einer Messe. Nicht unbedingt bei der Internationalen Tourismusbörse ITB, aber ganz sicher bei der IFA, der Internationalen Funkausstellung, die am Freitag auf dem Messegelände unterm Funkturm in Berlin beginnt. Es ist die größte Elektronik-Messe der Welt und die globale Leitmesse, bei der die Branche die allerneuesten Trends präsentiert: von Handys über Fernsehgeräte und Waschmaschinen bis zu Mixern. Noch im Herbst war nicht sicher, ob diese Messe in Berlin bleibt, aber nun laufen die Verträge für weitere zehn Jahre.

Auch die IFA soll zeigen, dass die Messebranche wieder eine Zukunft hat. Denn die stand in der Pandemie vor dem Aus und konnte nur durch staatliches Hilfsgeld überleben. Vor der Pandemie zog die IFA bis zu 240.000 Besucher an – nun hoffen die Macher, dass 180.000 Besucher bis Dienstag für volle Hallen sorgen. Im Vorjahr wurden 161.000 Gäste gezählt.

„Die IFA wird auch in diesem Jahr die bedeutendsten Trends der Produkte und Lösungen aufzeigen und den internationalen Märkten positive Impulse geben“, sagte Sara Warneke, Geschäftsführerin der Firma GFU, die die IFA veranstalten lässt. „Nirgendwo sonst gibt es die Möglichkeit, Markenwelten und Innovationen so eindrucksvoll zu erleben.

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Die Situation der Branche ist schwierig: Im ersten Halbjahr ging der Umsatz bei Heimelektronik auf 21,3 Milliarden Euro zurück – ein Minus von 6,4 Prozent. Doch das ist immer eine Frage der Perspektive: Die Zahlen liegen wiederum elf Prozent über jenen im ersten Halbjahr vor Corona. Der Grund ist schnell erklärt: In der Pandemie mussten sehr viele sehr lange zu Hause bleiben, durften keine Reisen machen, nicht in Restaurants gehen und investierten, wenn sie es sich leisten konnte, oft in die Ausstattung der Wohnungen – auch in Elektronik.

Auch wegen der Krise ist die Branche nun auf der IFA in voller Breite präsent: 2059 Aussteller aus 48 Ländern präsentieren Produkte von mehr als 2000 Markenunternehmen. Es sind 900 Aussteller mehr als im Vorjahr. Damals durften die Chinesen wegen der Corona-Bestimmungen nicht ausreisen. Nun sind sie zurück – als Aussteller und als Fachpublikum.

Die neuesten Trends des Elektronikmarktes passen zu den gesamtgesellschaftlichen Trends: Da ist etwa der Bereich der Künstlichen Intelligenz, und die IFA präsentiert die neuesten Roboter, die mit KI gesteuert werden. Dazu geht es viel um Nachhaltigkeit: Gemeint sind energiesparende Geräte – die wegen der Klimakrise und der kriegsbedingt gestiegenen Strompreise nachgefragt werden. Aber es geht auch darum, Elektromüll zu vermeiden und die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Es soll ein Repair-Café geben, in dem Gäste nach Voranmeldung alte Geräte reparieren lassen können.

Ein weiterer Trend ist die „Premiumisierung.“ IFA-Chefin Sara Warneke sagte: „Es werden vermehrt hohe Preise für hochwertige Produkte gezahlt. Die Konsumenten erkennen einen Mehrwert, und das kommt gut an.“

Die landeseigene Messe Berlin veranstaltete bislang fünf weltweite Leitmessen, also die jeweils größten ihrer Branche: die Grüne Woche, die ITB, die Fruit Logistica, die Innotrans und die IFA. Doch die wird nun nicht mehr von der Messegesellschaft organisiert. Die ist nur noch der Vermieter der Flächen. Die Messe wird von einer neuen Gesellschaft betrieben.

Die IFA ist eine Art Gastveranstaltung auf dem Messegelände. Auch diese Entwicklung zeigt die schwere Krise, in der die Branche steckt. Mit den Veranstaltungsverboten der Pandemiezeit war die Branche stehend k.o. Etwa 70 Prozent der knapp 800 Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. Berlin gewährte aber Darlehen von etwa 180 Millionen Euro. „Wir haben aufgrund von Darlehen des Landes Berlin als Eigentümer überlebt“, sagte Messesprecher Emanuel Höger der Berliner Zeitung. „Und nun schauen wir, wie schnell wir wieder den Weg in die Profitabilität finden.“

In der Pandemie waren die Prognosen für die Messebranche sehr düster gewesen. Manche behaupteten, das gesamte Konzept solcher Vor-Ort-Veranstaltungen habe sich überlebt. Denn fast drei Jahre lang wurden viele Messen notgedrungen von Publikumsveranstaltungen zu virtuellen Präsentationen im Internet. Es gab auch Stimmen, die sagten, es sei ökologischer und effektiver, wenn für ein paar Tage Messe nicht mehr gigantische Mengen an Material und Menschen durch die Welt bugsiert werden. Aber der Trend zu Vor-Ort-Messen mit Anfassen und Ausprobieren scheint ungebrochen.

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Die Messegesellschaft gibt sich optimistisch: 2022 lag der Umsatz bei 354 Millionen Euro. Dabei begann das Geschäft erst wieder richtig ab April, weil vorher noch vieles coronabedingt verboten war und die Publikumsmagneten Grüne Woche und ITB ohne Publikum stattfanden. Vor Corona lag der Umsatz bei 347 Millionen Euro.

Oft wird vergessen, dass Messen kein Selbstzweck oder reine Werbung für bestimmte Branchen sind, sondern für massive Umsatzschübe in den Städten sorgen. Deshalb hat auch Berlin eine eigene Messegesellschaft. Denn jeder Euro, der bei Messen ausgegeben wird, sorgt für weitere sechs Euro Umsatz irgendwo in Berlin.

Ein Tourist gibt im Schnitt 205 Euro pro Tag aus für Übernachtungen, Essen, Mitbringsel, Bahnfahrten oder Flugtickets. Bei Messebesuchern sind es 246 Euro. Damit sorgten die Messebesucher jährlich für mehr als vier Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz in Berlin.

Nun ziehen die Besucherzahlen wieder an, die Untergangsstimmung ist vorbei. „Wir sind noch nicht bei den Zahlen von vor der Pandemie“, sagte Höger. „Aber wir sind auf einem überraschend guten Weg, wenn man bedenkt, wie düster die Prognosen waren.“

Er sagt auch: „Die Zahlen bei den Besuchern und Ausstellern sind wieder bei etwa 80 Prozent der Zahlen vor Corona.“ Bei den Zahlen der Kongresse und Veranstaltungen, die als Teil der jeweiligen Messen stattfinden, sei schon wieder das Vor-Krisen-Niveau erreicht.

Nun hoffen die Macher auf einen Erfolg der IFA. Da ihr Verbleib für zehn Jahre vereinbart ist, haben die Organisatoren längst mit der Vorbereitung für 2024 begonnen. Dann findet die 100. IFA statt.

QOSHE - Die IFA zeigt die neuesten Handys und Roboter mit Künstlicher Intelligenz - Jens Blankennagel
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Die IFA zeigt die neuesten Handys und Roboter mit Künstlicher Intelligenz

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30.08.2023

Anfassen und ausprobieren – das ist doch oft der eigentliche Sinn einer Messe. Nicht unbedingt bei der Internationalen Tourismusbörse ITB, aber ganz sicher bei der IFA, der Internationalen Funkausstellung, die am Freitag auf dem Messegelände unterm Funkturm in Berlin beginnt. Es ist die größte Elektronik-Messe der Welt und die globale Leitmesse, bei der die Branche die allerneuesten Trends präsentiert: von Handys über Fernsehgeräte und Waschmaschinen bis zu Mixern. Noch im Herbst war nicht sicher, ob diese Messe in Berlin bleibt, aber nun laufen die Verträge für weitere zehn Jahre.

Auch die IFA soll zeigen, dass die Messebranche wieder eine Zukunft hat. Denn die stand in der Pandemie vor dem Aus und konnte nur durch staatliches Hilfsgeld überleben. Vor der Pandemie zog die IFA bis zu 240.000 Besucher an – nun hoffen die Macher, dass 180.000 Besucher bis Dienstag für volle Hallen sorgen. Im Vorjahr wurden 161.000 Gäste gezählt.

„Die IFA wird auch in diesem Jahr die bedeutendsten Trends der Produkte und Lösungen aufzeigen und den internationalen Märkten positive Impulse geben“, sagte Sara Warneke, Geschäftsführerin der Firma GFU, die die IFA veranstalten lässt. „Nirgendwo sonst gibt es die Möglichkeit, Markenwelten und Innovationen so eindrucksvoll zu erleben.

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