Es ist selten, dass die Taten von ein paar Kriminellen zum Rücktritt einer Gesundheitsministerin führen. In diesem Fall war es so: Am 28. August 2018 musste Diana Golze von der Linken in Potsdam von ihrem Amt zurücktreten. Der Grund: Der 43-Jährigen wurde vorgeworfen, dass die Brandenburger Gesundheitsbehörden bereits seit 2016 von einem besonders schweren Fall von Handel mit gestohlenen oder gefälschten Krebsmedikamenten wussten, aber erst im Jahr 2018 einschritten. Nun, fünf Jahre später, hat dieser Fall auch für die Tatverdächtigen juristische Konsequenzen. Ab Mittwoch müssen sich zwei Angeklagte vor dem Landgericht Potsdam für den größten Medikamentenskandal im Land Brandenburg verantworten.

Es geht um die Firma Lunapharm, damals ansässig in Blankenfelde-Mahlow vor den südlichen Toren Berlins. Die Taten, die den Verdächtigen nun vorgeworfen werden, ereigneten sich von Mai 2017 bis Juli 2018. Der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft lautet: Vergehen gegen das Arzneimittelgesetz.

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08.10.2023

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Angeklagt ist die frühere Geschäftsführerin des in Mahlow ansässigen Pharmagroßhandels. Sie soll gemeinsam mit dem Angeklagten H. gehandelt haben. Der Mann soll in Griechenland eine Apotheke betrieben haben, die gar nicht für den Großhandel berechtigt war, die aber trotzdem dafür genutzt wurde. Es geht um unerlaubten Arzneimittelhandel, bei dem gefälschte Arzneimittel meist aus China nach Deutschland gebracht wurden. Dabei soll es sich auch um unwirksame Krebsmedikamente gehandelt haben.

Das Perfide daran: Als die Sache aufflog und von den Behörden verboten wurde, haben die beiden einfach in Zypern weitergemacht in einer Firma eines anderen Mannes. Das Unternehmen der Angeklagten soll so Einnahmen von insgesamt etwa 1,1 Millionen Euro erzielt haben.

Dass die Anklage erst fünf Jahre nach den Taten erfolgt, begründet die Staatsanwaltschaft damit, dass sehr aufwändige Ermittlungen nötig waren wegen der Komplexität des Falles und der internationalen Verstrickungen.

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Brandenburgs größter Medikamentenskandal kommt vor Gericht – fünf Jahre später

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10.10.2023

Es ist selten, dass die Taten von ein paar Kriminellen zum Rücktritt einer Gesundheitsministerin führen. In diesem Fall war es so: Am 28. August 2018 musste Diana Golze von der Linken in Potsdam von ihrem Amt zurücktreten. Der Grund: Der 43-Jährigen wurde vorgeworfen, dass die Brandenburger Gesundheitsbehörden bereits seit 2016 von einem besonders schweren Fall von Handel mit gestohlenen oder gefälschten Krebsmedikamenten wussten, aber erst im Jahr 2018 einschritten. Nun, fünf Jahre später, hat dieser Fall........

© Berliner Zeitung


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