Kürzlich ging es in der Kolumne an dieser Stelle um Dinge, die nur Männer machen. Da damals eine Fortsetzung versprochen wurde, kommt sie nun: Berlin-Prenzlauer Berg, morgens kurz vor 10 Uhr, ein riesiger Parkplatz vor einem Baumarkt. Ein Hobbyhandwerker schleppt einen Zementsack zum Auto, seine Frau schiebt einen Einkaufswagen voller Pflanzen hinterher. Aber um diese klischeehafte Arbeitsteilung soll es nicht gehen.

Ein Mann mit Rennrad kommt angeradelt, schlank, höchstens 50 Jahre alt, graue Haare, hochprofessionelles Rad und ebensolches Dress. Er hält mitten auf dem Parkplatz, stellt sein Rad an einen schlanken Baum und pinkelt an den daneben. Zehn Meter entfernt tippt die Frau mit den Blumen den Mann mit dem Zementsack an. Er sieht aus wie jemand, der auch selbst mal am Straßenrand pinkelt. Er zeigt auf das Ende des Parkplatzes und ruft: „Kannste nicht in die Büsche gehen? Du Schwein.“ Der Pinkler schaut nicht mal auf, erledigt in aller Ruhe sein Geschäft, steigt aufs Rad und zeigt dem Zementmann den Stinkefinger.

Weiteres Beispiel gefällig? Bei uns in der Gegend gibt es drei Leute, die glauben, dass sie einen ganz hervorragenden Musikgeschmack haben, mit dem sie alle Welt unbedingt beglücken müssen. Damit es auch alle hören, haben sie sich Boxen ans Fahrrad gebaut. Natürlich sind die drei fahrenden DJs alle Männer.

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Noch ein Beispiel? Bei den Dutzenden Leuten, die morgens durch die Parkaue joggen, laufen wirklich nur Männer mit freiem Oberkörper herum. Am Dienstag zeigten auf dem Alex auch nur Männer ihre blanke Brust. Und neulich saß ein zeigefreudiger Mann vor einem Restaurant im Kiez auf einem Stuhl. Er hatte die Arme ganz entspannt hinter dem Kopf verschränkt und alle sahen seine großflächigen Tattoos überall am Körper. Auf den ersten Blick wirkte es, als sei er völlig nackt, denn seine sehr kleine, kurze Hose passte farblich perfekt zu seinen Tätowierungen.

Noch ein Beispiel?

Ein Handyladen im Ringcenter. Drei, vier Leute stehen am frühen Nachmittag in der Schlange. Darunter auch ein Mann in blauer Arbeitslatzhose. Als er dran ist, tritt er an den Schreibtisch des Beraters. Er setzt sein Basecap ab und nickt höflich. Doch bevor er sich setzt, holt er eine Bierbüchse aus der Hosentasche, öffnet sie und stellt sie auf den Tisch. Dann zeigt er einen Brief und stellt Fragen.

So etwas würden Frauen nie tun. Bestenfalls, wenn ihnen das Personal im Laden einen Prosecco anbietet. Als der Mann aus dem Laden kommt, stellt er die leere Bierbüchse ab, holt eine neue aus der Tasche, rülpst leise, aber hörbar und geht einkaufen.

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Bestimmten Unsinn machen definitiv nur Männer – Teil 2

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24.08.2023

Kürzlich ging es in der Kolumne an dieser Stelle um Dinge, die nur Männer machen. Da damals eine Fortsetzung versprochen wurde, kommt sie nun: Berlin-Prenzlauer Berg, morgens kurz vor 10 Uhr, ein riesiger Parkplatz vor einem Baumarkt. Ein Hobbyhandwerker schleppt einen Zementsack zum Auto, seine Frau schiebt einen Einkaufswagen voller Pflanzen hinterher. Aber um diese klischeehafte Arbeitsteilung soll es nicht gehen.

Ein Mann mit Rennrad kommt angeradelt, schlank, höchstens 50 Jahre alt, graue Haare, hochprofessionelles Rad und ebensolches Dress. Er hält mitten auf dem Parkplatz, stellt sein Rad an einen schlanken Baum und pinkelt an den daneben. Zehn Meter entfernt tippt die........

© Berliner Zeitung


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