Als Sven Herzberger vor einigen Monaten seine Kandidatur für den Posten des Landrats im Kreis Dahme-Spreewald bekannt gab, hatte er sicher nicht geahnt, dass er von fast allen Parteien zum Retter der Demokratie ausgerufen würde. Wie gesagt: von fast allen Parteien, von der CDU bis zur Linken. Ausdrücklich aber nicht von der AfD, denn gegen deren Kandidaten soll Herzberg am 12. November die Stichwahl gewinnen.

Es geht um das Amt des Landrates im Kreis Dahme-Spreewald, der beim BER in Schönefeld an Berlin angrenzt. Dort fand am Sonntag der erste Wahlgang statt, und Herzberger lag ein halbes Prozent hinter Steffen Kotré, dem Sieger von der AfD.

Herzberger, ein 54-jähriger studierter Pädagoge und Jurist, soll und will bei der Stichwahl den ersten Landrat der AfD in Brandenburg und den zweiten in ganz Deutschland verhindern. Dem gebürtigen Strausberger ist seine Unabhängigkeit wichtig, das zeigt sich daran, dass Herzberger als Bürgermeister der Stadt Zeuthen zwar ein erfolgreicher Kommunalpolitiker ist, aber keiner Partei angehört. Er sieht sich bewusst als überparteilicher Kandidat.

Vor den Toren Berlins: Extreme Bündnisse gegen die AfD

•vor 4 Std.

LIVE

Israel-Newsblog: Luftalarm und Explosionen in Jerusalem, Israel riegelt Gazastreifen ab

•vor 10 Min.

•vor 8 Std.

gestern

05.10.2023

Sein Konkurrent Steffen Kotré ist energiepolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, ein klarer Fan von Gas und Öl, aber auch von Kernkraft. Der gebürtige Ost-Berliner war einst in der FDP. Ihm wird vorgeworfen, dass vor Jahren mehrere Gedichte mit völkisch-radikalen Inhalten auf verschiedenen einschlägigen Neonazi-Seiten im Netz veröffentlicht wurden, die mit seinem Namen unterzeichnet sind. Er soll auch ein Solidaritätsschreiben für den verurteilten Holocaust-Leugner Horst Mahler unterzeichnet haben, der bei einem Haftantritt den Hitlergruß gezeigt haben soll. Kotré schweigt zu den Vorwürfen.

Sein Gegenkandidat Herzberger klingt lebensnah, ernsthaft, aber auch fröhlich. Er ist mit einem Mann verheiratet, betont gern seine ostdeutsche Herkunft, aber vor allem seine Erfahrung als Verwaltungschef von 900 Leuten in einem Großkonzern. Und er ist beliebt: Die Wahl zum Bürgermeister gewann er gleich im ersten Wahlgang mit 63 Prozent.

Eigentlich hatte er bei dieser Wahl ein ganz anderes politisches Ziel. Als volksnaher Kandidat wollte er endlich die Vorherrschaft der SPD im Kreis Dahme-Spreewald brechen, die dort seit 33 Jahren den Landrat stellt. Die SPD ist raus. Nun setzen die Genossen, aber auch die anderen Parteien darauf, dass Herzberger den AfD-Kandidaten schlägt.

QOSHE - Allein gegen die AfD: Ein Einzelkämpfer mit sehr vielen Unterstützern - Jens Blankennagel
menu_open
Columnists Actual . Favourites . Archive
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Allein gegen die AfD: Ein Einzelkämpfer mit sehr vielen Unterstützern

8 0
09.10.2023

Als Sven Herzberger vor einigen Monaten seine Kandidatur für den Posten des Landrats im Kreis Dahme-Spreewald bekannt gab, hatte er sicher nicht geahnt, dass er von fast allen Parteien zum Retter der Demokratie ausgerufen würde. Wie gesagt: von fast allen Parteien, von der CDU bis zur Linken. Ausdrücklich aber nicht von der AfD, denn gegen deren Kandidaten soll Herzberg am 12. November die Stichwahl gewinnen.

Es geht um das Amt des Landrates im Kreis Dahme-Spreewald, der beim BER in Schönefeld an Berlin angrenzt. Dort fand am Sonntag der erste Wahlgang statt, und Herzberger lag ein halbes Prozent hinter Steffen Kotré, dem Sieger von........

© Berliner Zeitung


Get it on Google Play