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Frühjahrsfarben 2026: Die wichtigsten Trendfarben und wie man sie jetzt stylt

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Ursprünglich sah das Jahr ganz langweilig aus: „Cloud Dancer“ – ein wolkig-zartes Weiß – wurde vergangenen Dezember vom Farbinstitut Pantone als Farbe des Jahres 2026 angekündigt. Der Ton stehe für „Leichtigkeit, Ruhe und Optimismus“ und solle in einer von Krisen geprägten Zeit symbolisch Licht ins Dunkel bringen – ein Blick nach oben, Richtung Wolken.

Mit dieser Auffassung gab sich allerdings nicht jeder d’accord. Kritiker interpretierten den Weißton als Ausdruck der Kapitulation, als Symbol für politische Passivität – oder einfach als langweilig. Was man in den Wolken sieht, ist bekanntlich eine individuelle Frage. Es zeigt aber, wie schwer es im Moment ist, überhaupt irgendwelche Prophezeiungen über die Welt – und die Mode – abzugeben.

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Für alle, die es gerne bunt treiben, haben die Farbexperten des Pantone Color Institute für Frühling und Sommer 2026 zum Glück noch ein paar spannendere Nuancen parat. Sie finden sich auch in den Kollektionen für Frühjahr/Sommer 2026 – und zwar mit deutlich mehr Entschlossenheit als noch in der Sommersaison im Jahr zuvor.

Laut dem Modesuch-Portal „Tagwalk“ gab es auf den Laufstegen 108 Prozent mehr Lila, 81 Prozent mehr Rot, 63 Prozent mehr Blau, 48 Prozent mehr Gelb und 39 Prozent mehr Orange. Falls Sie nun Lust bekommen, es bunt zu treiben, haben wir gleich die passenden Shoppingtipps für Sie parat.

Rot ist immer da, wenn es um die großen Gefühle geht: Liebe und Wut, Leidenschaft und Dramatik. Auch auf den Laufstegen zeigten sich diese Facetten in eindrucksvollen Interpretationen: Chanel präsentierte einen eleganten, charakteristischen Tweed-Zweiteiler, der klassische Pariser Raffinesse ausstrahlt, während Saint Laurent mit einer wallenden Rüschenrobe zeigte, wie der ganz große Auftritt geht.

Ob zeitlose Eleganz oder dramatische Geste – für welche Variante man sich auch entscheidet: In Rot gekleidet geht es diesen Sommer modisch heiß her.

Als leuchtende Signalfarbe sendet Orange eine klare Botschaft: Wer diesen Ton trägt, sagt modisch: „Ich bin da.“ Gleichzeitig wirkt die Farbe luftig und leicht – sie weckt Assoziationen an saftige Zitrusfrüchte, an Sonnenuntergänge an der Riviera und an einen Aperitif in der Sonne.

Auf den Laufstegen zeigte sich der Farbtrend in ganz unterschiedlichen Facetten: Dior präsentierte Orange in einer raffinierten, organisch anmutenden Kleidvariation mit floralen Applikationen, während Akris die Farbe im Ton-in-Ton-Ensemble inszenierte, das zugleich sportlich und stilvoll wirkte. Diese Looks zeigen: Orange ist nicht nur ein Hingucker, sondern verleiht der sommerlichen Garderobe eine frische Note.

Schwarz, Weiß, Beige: Auf diese Nichtfarben kann man verlässlich zurückgreifen. Dazu gesellen sich Blautöne als sichere Ergänzung – schließlich lassen sie sich mühelos als Akzent einsetzen und signalisieren ein Bekenntnis zur Farbe, ohne allzu dominant in den Vordergrund zu treten.

Für alle, denen Zitrusorange oder kräftiges Rot eine Spur zu farb-euphorisch erscheint, kommt dieser Trendton wie gerufen: In ihren Frühjahr/Sommer-Kollektionen setzten etwa Victoria Beckham und Dior auf ein unterkühltes, helles Blau, das Ruhe ausstrahlt und sich fast so bedenkenlos wie monochromatische Töne kombinieren lässt.

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Mehr Mut, mehr Ausdruck: Warum das kommende Jahr modisch wieder auffälliger wird

Das zurückhaltende Buttergelb war in der vergangenen Saison die Farbe schlechthin – leicht einzusetzen, ob als Kleidungsstück oder als frischer Akzent auf den Fingern. In dieser Saison wird das Gelb jedoch deutlich intensiver, knalliger, auffälliger. Vielleicht sogar ein wenig widerspenstiger?

Prägnante Gelbtöne, wie sie etwa bei Ferragamo, Maison Margiela oder auch Saint Laurent in den jeweiligen Frühjahr/Sommer-Kollektionen zu sehen waren, zeigen sich weniger kompatibel: Statt sich mühelos zu integrieren, verlangt es der Trägerin oder dem Träger ab, das gesamte Outfit bewusst darum herum zu planen. Der sonnige Ton wird damit unweigerlich zum Mittelpunkt eines jeden Looks.

Immer cool bleiben: Dank Violett bekommt die Sommergarderobe eine kühle Eleganz. Seit jeher gilt die Farbe als feminin und geheimnisvoll, wirkt zugleich ruhig, modern und klar. Dieses Spannungsfeld zeigte sich auch auf den Laufstegen. So ließ Jil Sander das Violett mit einem einfarbigen Kleid mit geometrischer Silhouette ganz pur für sich stehen. Bei Prada bekam der Ton mit A-Linie und Faltenrock einen spielerischen Charakter.

Auffallen um jeden Preis? Das hat Violett nicht nötig. Es glänzt mit selbstbewusster Zurückhaltung. Damit ist Violett die vielleicht eleganteste Antwort auf einen Sommer voller starker Farben. Nur Mut!


© Berliner Zeitung