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Eine Tankstelle wird Museum: Hier kann man George-Grosz-Kunst zapfen

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14.05.2022

Auch wenn der legendäre George Grosz uneitel sagte: „Das Getue um das eigene Ich ist völlig belanglos“ – so würde ihm dieser spektakuläre Ort sehr gefallen für seine Bilder aus den Goldenen Zwanzigern, dem „Tanz auf dem Vulkan“. Jetzt, 100 Jahre später, ist die Gegend zwar nicht mehr „Babylon Berlin“, doch erleben wir noch immer harte Alltagsszenen mit den heutigen prekären Milieus im sozialen Brennpunkt Bülowstraße, dem Kiez nahe der Kurfürstenstraße.

Die düsteren und schrillen Szenen von damals, im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik, sind auf Grosz‘ Bildern geronnen zu halb expressiv, halb veristisch zugespitzten Szenerien. Diese Rückreise in die Berliner Geschichte kann sehen, wer durch das weiße Tor Bülowstraße 18 tritt. Dahinter wartet eine kleine Kunstoase, auch wenn die nahe Hochbahn aller paar Minuten rumpelt, der Straßenverkehr lärmt und staubt und der eine oder andere Junkie oder Besoffene die Umwelt lautstark an seinem Rausch teilhaben lässt.

Drinnen gibt es eine Entschleunigung auf dem von Bambus umwucherten Grundstück mit Vogelgezwitscher, Brunnenplätschern und Cappuccino aus dem hauseigenen Café. „Das kleine Grosz-Museum“ lässt uns – zunächst mit einer Probezeit von fünf Jahren – diesen neben dem Schriftsteller Alfred Döblin markantesten Berlin-Beobachter erleben. Grosz würde es wohl auch gefallen, dass seine unter Sammlern verstreuten Werke fortan in dieser einstigen Tankstelle, einem Standardtyp der Shell AG von 1956, zu sehen sind.

Die alte Tanke war jahrelang das Refugium des aus der Schweiz stammenden........

© Berliner Zeitung


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