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Fan-Sprecherin im Interview:  „Ohne soziale und körperliche Nähe geht es nicht“

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16.09.2020

BerlinHelen Breit, 1. Vorsitzende in dem Zusammenschluss von Fanorganisationen „Unsere Kurve“, spricht über erschreckende Erkenntnisse in der Corona-Krise, eine gerechtere Verteilung der Fernsehgelder und eine neue Luxussteuer in der Bundesliga.

Frau Breit, wann waren Sie zuletzt bei einem Fußballspiel im Stadion?

Beim Heimspiel des SC Freiburg gegen Union Berlin, Anfang März vor der Unterbrechung.

Wie sehr haben Sie persönlich den Fußball vermisst?

Das fühlt sich für mich wie eine endlose Sommerpause an. Ich habe danach zwar einige Geisterspiele im Fernsehen geschaut, aber das ersetzt nicht das Stadionerlebnis: in Menschenmassen zu stehen, die Mannschaft zu unterstützen in Verbindung mit sozialen Erfahrungen. Ein Fußballspiel für einen aktiven Fan funktioniert nicht ohne soziale und körperliche Nähe.

Die Fangruppierungen haben sich in der Corona-Krise mehrfach kritisch zu Wort gemeldet. Hat es sogar geholfen, mit Abstand auf die schönste Nebensache der Welt zu blicken?

Ich glaube, dass die Zwangspause für viele dazu geführt hat, einen Schritt zurückzugehen. Wir haben ansonsten im Fan-Alltag eher mit punktuellen Themen zu tun – nun konnten wir viel besser auf die Zusammenhänge blicken. Dass dann auf einmal mehrere Vereine wegen fehlender Rücklagen von der Insolvenz bedroht sind, hat uns ob der im Umlauf befindlichen Summen dann schon erschreckt. Das war ein Weckruf für viele Fans, die sonst nicht so kritisch auf den Fußball blicken – und ein Zeichen, dass etwas grundsätzlich schiefläuft.

Auf Initiative von „Unsere Kurve“ wurde dafür im Juni das Projekt „Zukunft Profifußball“ gegründet.

Genau. Ziel ist es, auf Grundlage der Erklärung von „Unser Fußball“ Konzepte für Reformen im Profifußball auszuarbeiten. Wir finden es legitim, dass Fans mitreden und mitgestalten wollen. Wir haben nie gesagt, dass wir alleine den Profifußball verändern wollen, aber es kann nicht sein, dass die Anhänger, die dieses System zu weiten Teilen finanzieren, weil sie für Tickets, Fanartikel oder Pay-TV bezahlen und dem Profifußball seine gesellschaftliche Bedeutung verleihen, von der Mitbestimmung ausgeschlossen sind. Sie müssen auch als Stakeholder – so würde man ja in........

© Berliner Zeitung


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