CPAC in Ungarn: Wie die internationale Rechte in Budapest für Orbán mobilisiert

Die CPAC Hungary in Budapest stand in diesem Jahr im Zeichen des ungarischen Wahlkampfs. Internationale Gastredner von Alice Weidel bis Javier Milei stellten sich hinter Ministerpräsident Viktor Orbán und unterstrichen die politische Bedeutung der bevorstehenden Parlamentswahl.

Vor dem Hintergrund eines offeneren Wahlausgangs als in den vergangenen Jahren war die Stimmung unter den Teilnehmern spürbar angespannt.

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Zum fünften Mal hat die Conservative Political Action Conference (CPAC) in Budapest stattgefunden. Anders als in den vergangenen Jahren wurde sie nicht im Mai, sondern bereits am vergangenen Samstag abgehalten. Sie fand damit nur drei Wochen vor der Parlamentswahl am 12. April statt. Der Austragungsort war diesmal die MTK-Sporthalle nahe dem Stadion Puskás Ferenc, eine große, funktionale Location, die eine hohe Teilnehmerzahl ermöglichte und den Charakter einer großen politischen Zusammenkunft unterstrich. Wenige Wochen vor der Wahl wurde das Treffen damit sichtbar in den ungarischen Wahlkampf eingebunden.

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In einer großen Halle trat über Stunden ein internationales politisches Personal auf. Die Bühne war aufwendig gestaltet, mit großen Schriftzügen und klar inszenierten Auftritten. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „On to Victory“ und richtete sich erkennbar nicht nur an ein internationales Publikum, sondern vor allem an die Wähler im eigenen Land.

Das Treffen war damit auch ein weiterer Schritt in der Entwicklung des Formats. Nach Angaben der Veranstalter kamen Teilnehmer aus 51 Ländern zusammen, darunter rund 45 Redner sowie mehr als 180 Journalisten.

Organisiert wurde die Konferenz vom regierungsnahen Center for Fundamental Rights. Sie wurde als internationales Forum politischer Kräfte präsentiert, die sich gegen eine stärkere Zentralisierung innerhalb der Europäischen Union positionieren.

Zum Programm gehörten neben den Hauptreden auch Panels zu Themen wie Souveränität, Migration und Medien. Es begann mit Grußworten und einer Eröffnung durch den Direktor des Center for Fundamental Rights, Miklós Szánthó, sowie CPAC-Vertreter aus den USA. Die Veranstaltung wurde zudem live gestreamt und erreichte so ein internationales Publikum.

Auch Teilnehmer aus dem Umfeld konservativer Medien und politischer Netzwerke betonten die internationale Bedeutung des Treffens. Der amerikanische politische Kommentator Joey Mannarino erklärte, die CPAC Hungary sei eine der wichtigsten Plattformen für konservative Akteure weltweit, um sich zu vernetzen und Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Die wachsende Teilnehmerzahl zeige, dass die Bewegung zunehmend an Einfluss gewinne.

We’re here at CPAC Hungary getting ready for the biggest year yet!Just saw the venue with the one and only @MiklosSzantho! pic.twitter.com/3w2uDnQlnj— Joey Mannarino 🇺🇸 (@JoeyMannarino) March 20, 2026

We’re here at CPAC Hungary getting ready for the biggest year yet!Just saw the venue with the one and only @MiklosSzantho! pic.twitter.com/3w2uDnQlnj

Schon zu Beginn machte Orbán deutlich, worum es aus seiner Sicht geht. In seiner Rede zeichnete der ungarische Regierungschef ein konfliktgeprägtes Bild der derzeitigen politischen Lage. Er warf europäischen Institutionen vor, politischen Druck auf Ungarn auszuüben, unter anderem durch zurückgehaltene Fördermittel. Auch die Energiepolitik im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg stellte er als Herausforderung für das Land dar.

Zugleich beschrieb er die Auseinandersetzung als grundsätzlichen politischen Konflikt. Mehrfach sprach er von einem Kampf um die „Seele“ der westlichen Welt und stellte Ungarn als wichtigen Akteur innerhalb dieser Entwicklung dar.

Die anstehende Wahl sei keine gewöhnliche Abstimmung über einen Regierungswechsel, sondern eine Entscheidung über die politische Ausrichtung Ungarns. In seiner Eröffnungsrede verwies er auf Konflikte mit Brüssel, sprach von äußeren Einflüssen auf die ungarische Politik und stellte die Wahl als richtungsweisend dar. Zugleich betonte er, dass über die Zukunft des Landes die ungarischen Wähler selbst entscheiden würden.

Auf der Bühne versammelte sich ein breites internationales Netzwerk politischer Verbündeter. Zu den Rednern gehörten unter anderen der österreichische FPÖ-Vorsitzende Herbert Kickl, der niederländische Politiker Geert Wilders, der spanische VOX-Chef Santiago Abascal, die AfD-Vorsitzende Alice Weidel sowie Argentiniens Präsident Javier Milei. Auch Polens Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki trat auf. Der georgische Ministerpräsident Irakli Kobachidse hielt eine Keynote. Aus den USA waren unter anderem die Kongressabgeordneten Andy Harris und Russ Fulcher vor Ort.

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Zusätzlich kam Unterstützung aus den Vereinigten Staaten. In seiner Videobotschaft sprach sich US-Präsident Donald Trump für eine Wiederwahl Orbáns aus und bezeichnete ihn als starken politischen Führer.

Kommentatoren wie Eva Vlaardingerbroek und Dave Rubin betonten in ihren Beiträgen die Rolle der sozialen Medien bei der Verbreitung konservativer Positionen. Yair Netanjahu, Sohn des israelischen Ministerpräsidenten, sprach über gemeinsame Werte in der Verteidigung nationaler Identität.

Internationale rechte Allianzen im Fokus

Die Konferenz unterschied sich in ihrer Atmosphäre spürbar von früheren Ausgaben. Beobachter beschrieben die Stimmung als weniger gelöst und stärker von politischer Spannung geprägt.

Während die CPAC in den vergangenen Jahren auch als Ort der Vernetzung diente, stand diesmal erkennbar der Wahlkampf im Vordergrund. Das internationale Aufgebot an Rednern unterstrich die Bedeutung des Wahlkampfs. Orbán steht dabei stärker unter Druck als in früheren Jahren. Sein Herausforderer Péter Magyar und dessen Partei Tisza haben realistische Chancen, die Regierungspartei Fidesz abzulösen.

Das Publikum reagierte mit starkem Applaus auf die Reden, insbesondere auf die der internationalen Gäste. Die enge Terminierung zur Wahl machte das Treffen zu einem sichtbaren Mobilisierungsmoment. Diese Verschiebung zeigte sich auch in den Inhalten. Viele Redner stellten die Wahl in Ungarn als richtungsweisend für Europa dar. Mehrfach wurde betont, dass der Ausgang über die zukünftige politische Entwicklung innerhalb der EU mitentscheide.

Inhaltlich verband die Beiträge ein ähnliches Muster. Nationale Souveränität spielte eine zentrale Rolle, ebenso die Kritik an europäischen Institutionen und an politischem Einfluss aus Brüssel. Migration wurde wiederholt als sicherheitspolitische Herausforderung beschrieben. Internationale Konflikte wurden als Risiko für die Stabilität europäischer Staaten dargestellt.

In vielen Beiträgen wurde ein Wahlsieg Orbáns als richtungsweisend für die weitere politische Entwicklung dargestellt. Dabei ging es vor allem um Fragen der Grenzpolitik, der nationalen Souveränität und das Verhältnis zur Europäischen Union.

Orbán griff diese Unterstützung in seiner Eröffnungsrede auf und bedankte sich bei politischen Verbündeten aus dem Ausland. Bundeskanzler Friedrich Merz wurde in diesem Zusammenhang nicht erwähnt.

Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel hob Orbán dagegen ausdrücklich hervor und würdigte sie als zentrale politische Figur. In ihrer eigenen Rede sprach Weidel von einem Scheideweg für Europa und stellte Ungarn als Beispiel für einen alternativen politischen Kurs dar. Sie kritisierte die EU, insbesondere in der Migrationspolitik und im Umgang mit dem Ukraine-Krieg, und betonte die Bedeutung des Nationalstaats als politischer Ordnungsrahmen.

Der niederländische Politiker Geert Wilders sowie der österreichische FPÖ-Vorsitzende Herbert Kickl knüpften an diese Argumentation an. Beide hoben die Bedeutung nationaler Entscheidungsfähigkeit hervor und stellten die Entwicklungen in Ungarn in einen größeren europäischen Zusammenhang. Wilders bezeichnete Orbán als „Löwen in einem Kontinent, der von Schafen geführt wird“.

Auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Jan Nolte verwies auf eine zunehmende Vernetzung konservativer Kräfte in Europa. Die „Brandmauer“ in Deutschland werde patriotische Politik nicht aufhalten können. Der Einfluss entsprechender Parteien wachse in vielen Ländern. Ziel sei es, die Migrationspolitik grundlegend zu verändern. Santiago Abascal beschrieb Ungarn als Beispiel für einen politischen Kurs, der sich gegen Einfluss aus Brüssel richtet. Die bevorstehende Wahl bezeichnete er als entscheidend für die Zukunft Europas.

Zum Abschluss trat Argentiniens Präsident Javier Milei auf. Er stellte Ungarn in einen globalen Kontext und sprach von einer Phase politischer Neuorientierung. Europa müsse stärker auf eigene politische und wirtschaftliche Grundlagen setzen, Ungarn könne dabei eine besondere Rolle spielen.

Viele Teilnehmer betonten diese internationale Ausrichtung. Bryan E. Leib, Senior Fellow beim Center for Fundamental Rights, erklärte, es habe sich erneut gezeigt, dass Budapest ein zentraler Treffpunkt der konservativen Bewegung in Europa sei. In einer Phase politischer Unsicherheit gewännen aus seiner Sicht nationale Souveränität, traditionelle Werte und starke politische Führung an Bedeutung. Die Entwicklung hin zu stärker national geprägter Politik habe bereits begonnen, so Leib.

Unterschiede zwischen den Rednern traten weitgehend in den Hintergrund. Stattdessen entstand der Eindruck politisch nah beieinanderliegender Positionen mit ähnlichen Themen und Argumenten.

Dies setzte sich auch im weiteren Verlauf der Veranstaltung fort. Wiederkehrender Applaus, Fahnen und klar formulierte politische Botschaften prägten das Bild. Viele Beiträge griffen ähnliche Themen auf und verstärkten die Argumentationslinien, die bereits in den Reden der ungarischen Regierung angelegt waren. Dabei ging es vor allem um Fragen nationaler Souveränität, Migration und die Rolle europäischer Institutionen. Die Reden der internationalen Gäste ergänzten diese Linie. Während Orbán in seiner Eröffnungsrede den politischen Rahmen setzte, griffen andere Redner zentrale Punkte auf und stellten sie in einen internationalen Zusammenhang. Auch Beiträge von politischen Kommentatoren wurden gezielt eingesetzt, um die Inhalte über soziale Netzwerke weiter zu verbreiten und ein breiteres Publikum zu erreichen.

Mobilisierung über Grenzen hinweg

Auch jüngere Vertreter konservativer Netzwerke betonten die internationale Dimension des Treffens. Stefano Loudaros Forte, Präsident der New Yorker Young Republicans, erklärte, es sei eine Ehre gewesen, an der CPAC Hungary teilzunehmen.

Der Erfolg der Bewegung hänge davon ab, solche Orte des Austauschs und der Zusammenarbeit zu schaffen. Nur gemeinsam könne man bestehen, während Spaltung zum Scheitern führe. Staaten, die ihre Souveränität bewahren wollten, müssten Allianzen bilden, um sich gegen politische Entwicklungen wie Migration, kulturellen Wandel und den Verlust religiöser Bindung zu behaupten.

Die internationale Rechte, sagte Forte, organisiere sich zunehmend und werde daher erfolgreich sein. Die CPAC positioniert sich damit weiter als zentraler Treffpunkt für patriotisch-konservative Kräfte in Europa und darüber hinaus. Im Vergleich zu früheren Ausgaben fiel diesmal die starke Betonung der unmittelbar bevorstehenden Wahl auf, was sie noch enger mit der gegenwärtigen politischen Dynamik in Ungarn verknüpfte.

Beobachter sehen die CPAC Hungary daher weniger als Plattform für Debatten, sondern als Teil der politischen Mobilisierung im Vorfeld der Wahl. Die Veranstaltung bündelte Unterstützung, griff zentrale Botschaften immer wieder auf und rückte den ungarischen Wahlkampf stärker in den Fokus. Ungarn wurde dabei mehrfach als Beispiel für einen politischen Kurs dargestellt, der auf nationale Souveränität setzt und sich kritisch gegenüber der Europäischen Union positioniert. Diese Funktion ergibt sich aus der derzeitigen politischen Lage im Land. Nach 15 Jahren an der Macht steht Orbáns Regierung vor einer ungewohnt offenen Situation. In dieser Zeit hat sich ein politisches System herausgebildet, das von Änderungen im Wahlrecht, institutionellen Umbauten sowie einem engen Netzwerk aus Politik, Wirtschaft und Medien getragen wird.

Neu ist vor allem die Stärke der Konkurrenz. Mit Péter Magyar ist ein Herausforderer entstanden, der auch über das klassische Oppositionslager hinaus Wähler ansprechen kann. Seine Partei Tisza richtet sich gezielt gegen bestehende Machtstrukturen und spricht auch ehemalige Unterstützer der Regierung an.

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Darin zeigt sich eine veränderte politische Dynamik. Anders als in früheren Wahlkämpfen erscheint der Ausgang diesmal offen, zum Teil wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. Die diesjährige Konferenz wird in diesem Zusammenhang zu einem sichtbaren Element der innenpolitischen Auseinandersetzung. Gleichzeitig bleibt der Konflikt mit der Europäischen Union ein zentraler Faktor. Milliarden an Fördergeldern sind eingefroren und an rechtsstaatliche Auflagen gebunden. Während die ungarische Regierung dies als politischen Druck bewertet, verweisen europäische Institutionen auf die Einhaltung gemeinsamer Standards.

Vor diesem Hintergrund erhält die Konferenz zusätzliche Bedeutung. Sie bündelt internationale Unterstützung, verstärkt politische Botschaften und überträgt Aufmerksamkeit aus dem Ausland auf den ungarischen Wahlkampf.

Der Ausgang der Wahl am 12. April wird daher nicht nur in Ungarn aufmerksam verfolgt. Auch in anderen europäischen Hauptstädten gilt die Abstimmung als Signal für die politische Entwicklung innerhalb der EU.

Sollte Orbán gewinnen, dürfte dies seinen politischen Kurs weiter festigen und die bestehenden Konfliktlinien mit Brüssel fortführen. Ein Sieg Magyars hingegen könnte eine politische Neuorientierung einleiten und Auswirkungen über Ungarn hinaus haben. Entsprechend aufmerksam wird die Entwicklung auch von politischen Akteuren in anderen EU-Staaten verfolgt.

Zum Autor: Filip Gašpar ist Mitarbeiter eines AfD-Bundestagsabgeordneten, politischer Berater und Essayist kroatischer Abstammung aus Bosnien und Herzegowina.


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