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Steve Bannon: „Ich werde alles tun, um Elon Musk vom Weißen Haus fernzuhalten“

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08.01.2025

„Er ist eine sehr böse Person. Ihn zu stoppen, ist für mich zur persönlichen Angelegenheit geworden. Früher war ich bereit, ihn zu tolerieren, da er so viel Geld aufbrachte. Aber jetzt ist damit Schluss.“

Im Interview mit der italienischen Zeitung Corriere della Sera findet der ehemalige Chefstratege Donald Trumps deutliche Worte gegen den reichsten Mann der Welt, der dem designierten US-Präsidenten nahesteht, obwohl er kein offizielles Mitglied der künftigen Trump-Regierung ist: „Ich werde dafür sorgen, dass Elon Musk bis zur Amtseinführung rausgeschmissen wird. Er wird keinen blauen Pass mit vollem Zugang zum Weißen Haus bekommen. Er wird wie jeder andere behandelt werden“, so Bannon.

Dass Bannon, der Stratege von Trumps Wahlsieg 2016, und mittlerweile Vertreter der radikalen MAGA-Rechten, in Elon Musk einen Feind sieht, ist bekannt. In seinem Podcast „War Room“ drohte er Musk zu Silvester, ihm „den Kopf abzureißen“, und warnte ihn davor, nun „auf die Kanzel steigen und die Leute belehren zu wollen“.

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Zuletzt hatte sich der Streit zwischen den beiden Vertrauten des ehemaligen und designierten US-Präsidenten am Thema Einwanderung entzündet. Kurz vor Weihnachten hatte Musk dafür plädiert, US-Visa der Kategorie H-1B für IT-Fachkräfte auszustellen und damit hoch qualifizierte Migration ins Land zu fördern. Das löste heftige Kritik bei konservativeren Trump-Anhängern und radikalen Migrationsgegnern aus, als deren Sprachrohr sich Bannon versteht.

Unter dieser Gruppe ist die Ablehnung einer Liberalisierung der Visapolitik besonders stark, wie Umfragen zeigen. Die H-1B-Visa, behauptet Bannon im Interview, würden „Techno-Feudalisten“ wie Musk zu ihrem eigenen Vorteil nutzen: „76 Prozent der Ingenieure im Silicon Valley sind keine Amerikaner“, während Afro- und Hispanoamerikaner keinen Zugang zu den Top-Jobs hätten – deshalb seien die Leute sauer und deshalb müsse eine künftige US-Regierung für „die Rückeroberung unserer Wirtschaft“ kämpfen.

Im Interview äußert sich Bannon auch über die zukünftige Rolle Elon Musks in der US-Administration und darüber, was dieser eigentlich in der Politik wolle – dabei ist er sich sicher: „Musks einziges Ziel besteht darin, Billionär zu werden.“ Doch damit nicht genug: „Er sollte zurück nach Südafrika gehen“, fordert Bannon, „warum haben wir weiße Südafrikaner, die rassistischsten Menschen der Welt, die alles kommentieren, was in den USA passiert?“

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Eine Frage, die sich viele derzeit auch in Europa stellen. Bannons Theorie dazu lautet, dass Musk, nachdem er in der Visa-Debatte angeblich eine Niederlage erlitten habe, nun unter anderem mit seinen Attacken Vertreter europäischer Regierungen wie in Deutschland und Großbritannien einfach nur das Thema wechseln wolle – „wie ein kleines Kind“. Doch auch in Trumps Umfeld habe Musk laut Bannon an Glaubwürdigkeit verloren: „Wir haben gesehen, wie aufdringlich er ist, wie wenig er von den wirklichen Problemen versteht und wie sehr er nur sich selbst unterstützt.“ Musk werde alles tun, um sicherzustellen, dass jedes seiner Unternehmen mehr Geld verdient. „Die amerikanischen Arbeitnehmer werden das nicht hinnehmen“, ist Bannon überzeugt.

Er unterstütze zwar Musks Engagement für rechte Bewegungen in Europa, „was nicht gut ist, ist, dass er plötzlich versucht, seine unausgegorenen Vorstellungen von der Einführung des Techno-Feudalismus auf globaler Ebene umzusetzen.“ Auf die Frage, ob er in irgendeiner Form im Gespräch mit Musk sei, antwortet Bannon: „Ich habe Elon Musk 2017 jeden Tag 30 Tage hintereinander aus dem Weißen Haus geworfen, als er versuchte, Subventionen zu bekommen, die von amerikanischen Arbeitern bezahlt werden – im Grunde Steuern von Menschen, die 35.000 Dollar im Jahr verdienen – für die Neuentwicklung der Tesla-Software. Ich brauche nicht mit Elon Musk zu reden, ich weiß, worauf er abzielt.“

Ungewöhnlich: Der Tech-Milliardär, der sonst immer auf der ihm gehörenden Plattform X kommentiert, hat sich zum Interview noch nicht geäußert. Ob sich der Streit zwischen den MAGA-Rechten und den liberaleren „Tech Bros“, wie das Umfeld um Elon Musk genannt wird, zu einer Spaltung innerhalb der amerikanischen Konservativen entwickeln wird, bleibt weiterhin offen.


© Berliner Zeitung