Etwa zwei Dutzend Menschen stehen am Mittwoch (13. September) vor einem Backsteingebäude in der Eisenacher Straße 74. Hier soll laut Vorabankündigung ein Showroom eröffnen; neben Pressevertretern, Beschäftigten und schaulustigen Passantinnen und Passanten war auch die Polizei anwesend.

Den Grund für die Versammlung hatte die ominöse Website Wyld Germany geliefert, die im Vorfeld damit geworben hatte, exotische Tiere an private Haushalte verkaufen zu wollen – darunter auch Tiger, Löwen oder Affen. Doch wie auch durch die Berliner Zeitung im Vorfeld bereits vermutet, handelte es sich hierbei um die PR-Aktion einer engagierten Tierschutzorganisation.

Denn was zunächst absurd erscheint, liegt in weiten Teilen Deutschlands noch immer im Rahmen des Möglichen: ein Wildtier privat halten. In Brandenburg, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westphalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt lassen sich sogar große Raubkatzen auch ohne einen Nachweis über die Eignung der jeweiligen Halterinnen und Halter zu Hause einquartieren.

10.09.2023

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09.09.2023

„Shops wie Wyld könnten in Deutschland tatsächlich legal agieren und dadurch massive Probleme für Tier-, Arten- und Naturschutz erzeugen“, erklärt David van Gennep, Geschäftsführer der niederländischen Tierschutzorganisation Animal Advocacy and Protection (AAP), die hinter dem Showroom-Fake steckt.

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Ziel der PR-Aktion sei gewesen, auf die bizarre Gesetzeslage in Deutschland aufmerksam zu machen. Ganz nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. „Mittlerweile hat die Website Wyld über 120.000 Aufrufe“, fügt van Gennep stolz hinzu. Die Tierschutzorganisation AAP plädiert für die Einführung einer Liste an exotischen Tieren, die für eine private Haltung explizit und endgültig verboten werden sollen.

„Bereits in zehn europäischen Ländern existiert eine solche Liste. Wie kann es sein, dass hierzulande die Haltung wilder Tiere noch möglich ist?“, fragt van Gennep. Um die dringende Notwendigkeit der Forderung zu unterstreichen, bittet die AAP nun mit einer Petition um Unterstützung.

QOSHE - Werden in Berlin Tiger und Affen verkauft? Wir haben den neuen Wyld-Showroom besucht - Enno Kramer
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Werden in Berlin Tiger und Affen verkauft? Wir haben den neuen Wyld-Showroom besucht

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13.09.2023

Etwa zwei Dutzend Menschen stehen am Mittwoch (13. September) vor einem Backsteingebäude in der Eisenacher Straße 74. Hier soll laut Vorabankündigung ein Showroom eröffnen; neben Pressevertretern, Beschäftigten und schaulustigen Passantinnen und Passanten war auch die Polizei anwesend.

Den Grund für die Versammlung hatte die ominöse Website Wyld Germany geliefert, die im Vorfeld damit geworben hatte, exotische Tiere an private Haushalte verkaufen zu wollen – darunter auch Tiger, Löwen oder Affen. Doch wie auch durch die Berliner Zeitung im Vorfeld bereits vermutet,........

© Berliner Zeitung


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