Seit einigen Tagen wird auf der Online-Plattform WYLD Germany mit dem Verkauf einzigartiger und exotischer Haustiere geworben – von Kleinbären über Halbaffen bis zu Raubkatzen. Das Angebot soll auch den Verkauf von Löwen und Tigern einschließen, heißt es, „wir sind stolz darauf, die führende Online-Plattform für den Handel mit exotischen Tieren zu sein.“

Dabei geht der Shop erst am Mittwoch, dem 13. September, parallel zu einer Showroom-Eröffnung in Berlin online. Geladen wird um 11 Uhr in die Eisenacher Straße in Schöneberg. Versprochen wird ein einzigartiges Einkaufserlebnis sowie die persönliche Beratung vor Ort, bei der man alle Fragen rund um die Haltung exotischer Haustiere stellen kann.

Aber handelt es sich hierbei nicht eher um einen makabren Scherz? Die Arbeit einer prominenten Tierschutzorganisation, die auf einen Missstand aufmerksam machen will? Oder steckt dahinter tatsächlich eine ernst gemeinte Start-up-Idee?

Denn so abwegig der Gedanke, sich wilde Tiere für den privaten Haushalt zuzulegen, auch sein mag: In Teilen Deutschlands ist das derzeit möglich. Geschuldet ist das einer nicht einheitlichen Gesetzeslage: So müssen nur in neun Bundesländern Privatpersonen einen Nachweis über ihre Eignung als Halterin oder Halter exotischer Tiere erbringen, wenn sie sich ein entsprechendes Haustier zulegen wollen – wohingegen es eine solche Regelung in Brandenburg, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt überhaupt nicht gibt.

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„WYLD entspricht zu 100 % deutschen Gesetzesvorgaben für den Handel mit exotischen Haustieren“, heißt es denn auch auf der Webseite, die in den vergangenen Tagen Aufmerksamkeit erregt hatte, als sich der Meeresbiologe und YouTuber Robert Marc Lehmann der Thematik annahm: Mittlerweile wurde sein Video bereits mehr als 200.000 Mal angeklickt. Lehmann spekuliert, es handele sich eher um den PR-Stunt einer Tierschutzorganisation, die auf eben diese Gesetzeslücke aufmerksam machen wolle.

Bei der Frage um die Validität des Unternehmens herrscht Uneinigkeit. Zwar ist es durchaus möglich, einen Tiger in Brandenburg zu halten, sofern zum Beispiel die Vorgabe eines mindestens 200 Quadratmeter großen Außengeheges erfüllt wird, jedoch scheint die Firma WYLD Deutschland, zu der es noch keinen finalen Eintrag im Handelsregister gibt, eher dubios. Fest steht: Morgen wird es in Berlin-Schöneberg wild. So oder so.

QOSHE - Tiger als Haustier: Ab Mittwoch soll das ein Showroom in Schöneberg möglich machen – oder? - Enno Kramer
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Tiger als Haustier: Ab Mittwoch soll das ein Showroom in Schöneberg möglich machen – oder?

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12.09.2023

Seit einigen Tagen wird auf der Online-Plattform WYLD Germany mit dem Verkauf einzigartiger und exotischer Haustiere geworben – von Kleinbären über Halbaffen bis zu Raubkatzen. Das Angebot soll auch den Verkauf von Löwen und Tigern einschließen, heißt es, „wir sind stolz darauf, die führende Online-Plattform für den Handel mit exotischen Tieren zu sein.“

Dabei geht der Shop erst am Mittwoch, dem 13. September, parallel zu einer Showroom-Eröffnung in Berlin online. Geladen wird um 11 Uhr in die Eisenacher Straße in Schöneberg. Versprochen wird ein einzigartiges Einkaufserlebnis sowie die persönliche Beratung vor Ort, bei der man alle Fragen rund um........

© Berliner Zeitung


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