„Das Vorgehen dient doch ohnehin nur Marketingzwecken“, mutmaßt eine Kundin, während sie ihre Einkäufe in den Fahrradkorb hievt. Anders ein junger Mann, der wenig später die Lidl-Filiale verlässt und sich freut: „Das ist doch toll! Ich esse gelegentlich Fleisch, aber greife oft auf vegane Ersatzprodukte zurück – besonders wenn diese im Angebot sind.“

Seit vergangenem Mittwoch lohnt sich Lidl für Kunden, die auf Fleisch verzichten möchten, ein bisschen mehr – zumindest lässt das eine Pressemitteilung des Lebensmitteldiscounters vermuten. Unter dem Motto „Gleichberechtigung auf dem Teller“ wird damit geworben, die Preise veganer Ersatzprodukte der Eigenmarke Vemondo zu senken und denen vergleichbarer Produkte tierischen Ursprungs anzugleichen.

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•vor 55 Min.

Ein Impuls, auf den die Konkurrenz nur gewartet zu haben schien. Auch der baden-württembergische Lebensmitteleinzelhändler Kaufland zog am Freitag nach und teilte mit, vegetarische und vegane Ersatzprodukte der Eigenmarke „K-take it veggie“ auf das Preisniveau der entsprechenden Artikel tierischen Ursprungs zu senken. So sollen 250 Gramm veganes Hack nur noch 1,89 Euro statt 2,99 Euro kosten oder vegane Schnitzel statt 2,19 Euro nur noch 1,56 Euro.

Doch entgegen der Hoffnung beider Supermarktketten, mit der Aktion ausschließlich auf Zuspruch zu stoßen, äußerten sich bereits skeptische Stimmen: Während die einen in der Aktion den plumpen Marketingversuch sehen, zeigen sich andere erbost und drohen damit, den Supermarkt ihres Vertrauens von nun an bei der Konkurrenz zu suchen.

Warum sind Ersatzprodukte teurer als Fleisch?

11.10.2023

Fleischer Michael Reiß macht Waschbär zu Wurst: „Ihr Berliner seid schuld!“

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Vor einer Lidl-Filiale an der Prenzlauer Allee am Freitag reagierten die Kunden verhalten: „Ich bin überzeugte Mischköstlerin und mir liegt das Tierwohl seit meiner Kindheit am Herzen. Allerdings werde ich – auch bei gesunkenen Preisen – nicht auf diese Ersatzprodukte zurückgreifen. Wirklich gesund sind diese ganzen Zusatzstoffe darin nämlich nicht“, meint Julia.

Nach eigenen Angaben steckt bei Lidl hinter dem Vorgehen eine größere Vision: Ziel sei es, durch die Preisanpassung eine erhöhte Nachfrage zu generieren, um dazu beizutragen, die Produktionskosten vegetarischer und veganer Produkte zu reduzieren, schrieb das Unternehmen auf Anfrage. Mit der Resonanz auf die Ankündigung, nun auch die Geldbörsen der Vegetarier zu entlasten, sei man sehr zufrieden, fügte der Discounter eilig hinzu. Weitreichend sei diese gewesen, freut man sich.

Anlass zum Handeln gab, so jedenfalls will es die Discounterkette, eine repräsentative Umfrage des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Die verzeichnet einen Trend hin zu mehr Flexitariern – also Menschen, die nur gelegentlich Fleisch essen – in Deutschland. Demnach gaben 43 Prozent der Befragten sogar an, mehr pflanzliche Lebensmittel kaufen zu wollen, sofern diese günstiger angeboten werden.

Zu den 57 Prozent Nichtflexitariern scheint hingegen so mancher Instagram-User zu gehören. Kommentare wie „WAS ist veganes Hack?? Ein Gemisch aus Kunstmaterial, oder was?“ oder „Ein guter Grund zu Edeka zu gehen“ offenbaren das ambivalente Verhältnis, das einige Followerinnen und Follower zu veganen Ersatzprodukten zu haben scheinen.

Große Freude hingegen bei den Menschen, denen Tiere so sehr am Herzen liegen, dass sie sie nicht auf dem Teller haben wollen: „Guter Schritt!!! Endlich macht das jemand!“ oder „Das sind die News, die wir brauchen“. Auch das Deutsche Tierschutzbüro meldet sich zu Wort, begrüßt die News als wichtigen Schritt.

Seit mehr als zwei Jahren führt Lidl mittlerweile Fleischalternativen unter der Eigenmarke Vemondo, möchte aber auch in den nächsten Jahren mehr Kunden zur vegetarischen und veganen Ernährung bewegen. So verfolgt das Unternehmen das Ziel, bis 2030 in deutschen Filialen den Anteil pflanzenbasierter Proteinquellen auf 20 Prozent zu erhöhen – das umfasst sowohl Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen als auch vegane Alternativen für Fleisch-, Eier- und Fischprodukte.

QOSHE - Lidl und Kaufland werden vegetarisch – jedenfalls ein bisschen mehr - Enno Kramer
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Lidl und Kaufland werden vegetarisch – jedenfalls ein bisschen mehr

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16.10.2023

„Das Vorgehen dient doch ohnehin nur Marketingzwecken“, mutmaßt eine Kundin, während sie ihre Einkäufe in den Fahrradkorb hievt. Anders ein junger Mann, der wenig später die Lidl-Filiale verlässt und sich freut: „Das ist doch toll! Ich esse gelegentlich Fleisch, aber greife oft auf vegane Ersatzprodukte zurück – besonders wenn diese im Angebot sind.“

Seit vergangenem Mittwoch lohnt sich Lidl für Kunden, die auf Fleisch verzichten möchten, ein bisschen mehr – zumindest lässt das eine Pressemitteilung des Lebensmitteldiscounters vermuten. Unter dem Motto „Gleichberechtigung auf dem Teller“ wird damit geworben, die Preise veganer Ersatzprodukte der Eigenmarke Vemondo zu senken und denen vergleichbarer Produkte tierischen Ursprungs anzugleichen.

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Ein Impuls, auf den die Konkurrenz nur gewartet zu haben schien. Auch der baden-württembergische Lebensmitteleinzelhändler Kaufland zog am Freitag nach und teilte mit,........

© Berliner Zeitung


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