Alba Berlin und die Mega-Arena: „Vision, Wille und Möglichkeit sind jetzt da“

Der Plan könnte ambitionierter kaum sein: Alba Berlin, Deutschlands erfolgreichster Basketballverein der vergangenen Jahrzehnte, will einen Sport- und Bildungscampus und zugleich die größte Halle in der deutschen Hauptstadt errichten. Geplant sind neben einer Multifunktionsarena für bis zu 20.000 Zuschauer, etwa bei Konzerten – für Basketball wären es rund 16.000 –, eine Kita mit Bewegungsschwerpunkt für bis zu 100 Plätze, eine zweizügige Sportschule für die Klassen 7 bis 13, ein Internat und ein Leistungszentrum mit weiteren Hallen. Bisher ist die Uber-Arena an der Spree in Friedrichshain mit einer Kapazität von bis zu 17.000 Zuschauern die größte Halle Berlins.

Eine feste Investitionssumme für den Alba-Zukunftscampus, wie er genannt werden soll, steht noch nicht fest. Für viel weniger als eine halbe Milliarde Euro wird es das alles aber nicht geben. Ein Bankenkonsortium stehe bereit, heißt es.

Alba will ab 2031 in der eigenen Halle spielen

Als Standort ist ein sechs Hektar großes freies Grundstück auf dem Gelände der landeseigenen Wissenschaftsstadt Adlershof (Wista) GmbH im Berliner Südosten vorgesehen. Das Areal im Bezirk Treptow-Köpenick soll dem Klub per Erbbaurecht zur Verfügung gestellt werden.

Alba hofft, ab September 2031 in der Halle spielen zu können. Doch noch sind viele Fragen offen. Und es gibt jede Menge Hürden zu bewältigen, aufgestellt von der deutschen Bürokratie im Allgemeinen, zu überwinden in Zusammenarbeit mit der Berliner Verwaltung im Besonderen.

Zunächst einmal jedoch gibt es jede Menge Euphorie. „Wir sind noch ganz am Anfang. Aber Vision, Wille und Möglichkeit sind jetzt da“, sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi vor dem Sportausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, wo er eine Machbarkeitsstudie vorstellte. Und diese Euphorie hat mit strukturellen Veränderungen im europäischen Basketball zu tun.

So ist beschlossen, dass die größte und finanzstärkste Basketballliga der Welt, die nordamerikanische NBA, nach Europa expandiert. Eine NBA Europe soll entstehen, zwölf Lizenzen dafür wollen die Amerikaner fest vergeben – zwei davon nach Deutschland. Ein Standort soll München werden, der andere Berlin. Mit dieser Gewissheit lässt es sich noch ein bisschen leichter das ganz große Rad drehen.

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Eine neue eigene Halle könnte für Alba ein wertvoller Baustein für eine Zukunft in der NBA Europe werden, auch wenn diese bereits ab der Saison 2027/28 beginnen will. Alba würde für eine Übergangsphase seine bisherigen Strukturen in der Uber-Arena und der Max-Schmeling-Halle am Falkplatz in Prenzlauer Berg nutzen müssen. Gleichzeitig ist sich Geschäftsführer Baldi sicher: „Wenn wir ins Rennen gehen können mit einer Aussicht auf eine Arena und einen Campus, der unsere ganzen Qualitäten und Möglichkeiten auf den höchsten Stand bringt, dann hilft es auf jeden Fall auch bei der Bewerbung für die Lizenz.“

Fest verankert in der Stadt

Alba ist dabei weit mehr als der erfolgreiche Basketballverein – der Klub beschäftigt rund 180 Jugend-Coaches, die in Berliner Kitas und Schulen zum Einsatz kommen. Aktuell werden rund 2000 Kinder an fünf Schulen betreut. „Das ist unsere DNA“, sagt Baldi. Er sprach von einer „gegenseitigen Beatmung“, Stadt und Verein profitierten voneinander, seien untrennbar verbunden.

Für die Zukunft und weitere Entwicklung sei jedoch eine Konzentration an einem Ort unerlässlich, so Baldi. Vieles in den Vereinsstrukturen sei dezentral, wodurch viel Energie verloren gehe.

Dazu kommt der Ärger mit der aktuellen Heimspielstätte: Seit 18 Jahren tragen die Basketballer ihre Heimspiele in der Uber-Arena aus. Zuletzt wurde die Zusammenarbeit zunehmend zäher. Alba klagt über hohe Mieten und Terminprobleme. Es hat nicht viel gefehlt und der Klub hätte einige Heimpartien auswärts austragen müssen.

Zuletzt war der Verdruss so groß, dass die Basketballer zusammen mit Senat und Bezirken nach Ausweichstandorten suchten. Doch nichts klappte. Aber jetzt gibt es Adlershof.

Verhandlungen mit dem Senat laufen

Die Alba-Funktionäre sprachen von „guten ersten Gesprächen“ mit Politik und Verwaltung. Mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung arbeite man an einem Letter of Intent, einer gegenseitigen Absichtserklärung. Auch von der Wista GmbH gebe es Unterstützung. Viele weitere Gespräche werden nötig sein, so viel ist sicher.

Aber wird denn jetzt alles gut? Gibt es grünes Licht für das ambitionierte Vorhaben?

Einen Ausblick auf das, was da kommt, gab ein Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Bestehendes Planungsrecht muss geändert werden, sagte er, es bedarf einer „vorhabenbezogenen Bebauungsplanänderung“.

Das ist aufwendig, und ein Blick auf nur ein Detail daran lässt Skeptiker Böses ahnen. So berichteten die Alba-Verantwortlichen von einem Besuch beim 1. FC Union Berlin, einem Sportverein aus dem Bezirk also. Man sei als neuer Nachbar in spe mit offenen Armen empfangen worden, hieß es. Und man habe über Verkehrsplanung gesprochen.

Nadelöhr Verkehrsplanung

Klar, die Lage des Alba-Campus, gelegen zwischen Groß-Berliner Damm und Wagner-Regény-Straße, scheint verkehrlich gut angebunden. Er liegt zwischen den S-Bahnhöfen Johannisthal und Adlershof, eine Tram-Haltestelle steht vor der Tür – die B96 (Adlergestell) und die Autobahn 113 nach Schönefeld sind nahe. Doch was heißt das schon? Eine Verkehrsplanung ist deutlich komplexer.

Die Eisernen aus der millionenschweren Fußball-Bundesliga sind an dieser Planung für den Ausbau der Alten Försterei fast verzweifelt. Inzwischen befindet man sich im achten Jahr des Bebauungsplanverfahrens. Ein wenig Trost für Alba kam vom Vertreter der Stadtentwicklungsverwaltung. „Das wollen wir in diesem Fall natürlich vermeiden“, sagte er. Man könne aber nicht garantieren, dass Albas Zeitvorstellungen aufgehen.


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