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Russische Musiker abgestraft: Legitimer Boykott oder falsche Freund-Feind-Logik?

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06.03.2022

Berlin - Beim Eurovision Song Contest heißt es eigentlich immer: Das hier hat nichts mit Politik zu tun. „Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur sind während des Contests untersagt“, heißt es im Regelwerk. Trotzdem entschied sich die Europäische Rundfunkunion am vergangenen Freitag, es könne im diesjährigen Wettbewerb keinen Platz für Russland geben. Andernfalls würden die russische Invasion und das Bombardement der Ukraine den Wettbewerb überschatten und „die Werte des Wettbewerbs in Verruf“ geraten.

Aus ähnlichen Gründen werden jetzt auch keine russischen oder belarussischen Sportsmänner und -frauen an den Paralympischen Spielen in Peking teilnehmen. Nach einer Woche, in der in der Ukraine bis zu 2000 Zivilisten getötet wurden, wächst langsam das Gefühl, dass auch die kulturellen Veranstaltungen, bei denen Konflikte und politische Fragen der realen Welt oft außen vor bleiben, nicht mehr unpolitisch bleiben können, wenn Russland dabei ist.

Auch in Deutschland sehen sich einige der renommiertesten Musikinstitutionen jetzt zum Handeln gezwungen. Am Dienstag wurde Walery Gergijew, russischer Star-Dirigent und langjähriger Verteidiger und Freund Wladimir Putins, als Chefdirigent der Münchner Philharmonie entlassen. Die Begründung? Gergijew habe nicht auf eine Aufforderung der Stadt reagiert, sich „eindeutig und unmissverständlich“ von dem Krieg zu distanzieren, so Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Ebenfalls in der Kritik steht die russisch-österreichische Sopranistin Anna Netrebko, die kürzlich ihren 50. Geburtstag mit einem Galakonzert im Kreml mit Putin gefeiert hatte. Ihre Stellungnahme, sie wünsche sich ein Ende des Krieges, sei aber „keine Expertin für Politik“, kam nicht gut an, auch nicht bei dem ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, der zum Boykott eines Konzerts aufrief, das sie am Mittwoch in der Hamburger Elbphilharmonie geben sollte. Nun werden alle ihre geplanten Auftritte dort und an der Bayrischen Staatsoper ausfallen – ein Schicksal, das sie mit Gergijew teilt.

Ein solch........

© Berliner Zeitung


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