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Nicht mal warme Kartoffelsuppe: Warum der Senat den Geflüchteten zu wenig hilft

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10.03.2022

Berlin - Am Donnerstag, den 10. März, am 15. Tag des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, ist die Stimmung am Berliner Hauptbahnhof wie gemacht für den Titel dieser Kolumne: Es geht dort einfach sehr brutal und, leider, sehr berlinerisch zu. Beim Eintreten in die untere Bahnhofshalle, die normalerweise zu den Rolltreppen hinunter zur U5 führt, wird man mit einem komischen Geruch konfrontiert, einer Mischung aus Schweiß und lauwarmer Linsensuppe. Die Halle ist überfüllt mit Flüchtlingen aus der Ukraine. Einige ruhen sich noch auf den gespendeten Luftmatratzen und Yogamatten aus, die in einem Teil der Halle ausgelegt sind. Andere stehen für Tee oder heiße Suppe an. Wieder andere laufen verzweifelt umher und fragen die BVG-Sicherheitskräfte, die am Rand der Halle stehen, wo sie eine SIM-Karte bekommen können. Nur wenige der Mitarbeiter können Russisch, die verzweifelte Suche geht weiter.

Diese Szene spielt sich im Geschrei nervöser Kinder und Babys ab. Sie ist zugleich das Begrüßungsszenario für die vielen kriegsgeflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer, die in Berlin am Hauptbahnhof ankommen. Seit mehreren Tagen kommen täglich mehr als 13.000 Menschen in die Hauptstadt an, nicht nur am Hauptbahnhof, sondern auch am ZOB oder am Ostkreuz. An diesen Orten gibt es Dutzende freiwillige Helferinnen und Helfer in gelben, orangenen und blauen Warnwesten, deren Aufgabe es ist, diese Menschen mit Essen, Trinken und Hilfe zu versorgen – ob sie nun in Berlin bleiben wollen oder weiterreisen möchten. In Telegram-Kanälen mit Tausenden Mitgliedern organisieren diese Helfer Spenden, die Weiterfahrt und Unterkünfte für die Flüchtlinge. Sie arbeiten teilweise tagelang ohne Schlaf. Viele sind erschöpft, einige auf Adrenalin. Es ist eine Last, so die immer lauter werdende Kritik, die sie auch deswegen schultern müssen, weil die Berliner Behörden überfordert sind.

Zwischen der Verteilung von Lebensmitteln und FFP2-Masken an Flüchtlingsfamilien am Hauptbahnhof kann die Helferin Charlotte* kaum schnell genug sprechen, um die Situation zu erklären, mit der sie und andere konfrontiert sind. „Es kommen jeden Tag Leute vom Senat, die sagen, morgen, übermorgen kommt Hilfe. Aber........

© Berliner Zeitung


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