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Ostbeauftrage wendet sich gegen den Stopp des Leipziger Bibliotheks-Gebäudes

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14.03.2026

Die Deutsche Nationalbibliothek erfüllt ihre Aufgaben für die gesamte Bundesrepublik. Es ist aber die Ostbeauftrage Elisabeth Kaiser, die sich ihrem Regierungs-Kollegen Wolfram Weimer nun entgegenstellt, weil er einen Eingriff in die Zukunft dieser Einrichtung vornimmt. Die Nationalbibliothek, an den Stadorten Leipzig und Frankfurt am Main zu Hause, hat öffentlich gemacht, dass der Kulturstaatsminister den dringend benötigten Magazin-Neubau in Leipzig streichen will. Kaiser nennt das „unverständlich“.

Elisabeth Kaiser, 39 Jahre alt, in Gera geboren und aufgewachsen, Politik- und Verwaltungswissenschaftlerin, wurde 2017 zum ersten Mal in den Deutschen Bundestag gewählt. Sie wolle sich für ihre Heimat Ostthüringen einsetzen, teilte die SPD-Politikerin ihren Wählerinnen und Wählern damals mit. Sie kam in den Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen, außerdem in jenen für Inneres und Heimat. Von 2023 bis 2025 war sie Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.

Das ist mehr als Heimatgefühl

Wenn diese Politikerin über einen Neubau spricht, dem ein Planungs- und Wettbewerbsverfahren vorausgegangenen ist, dann steht dahinter also nicht nur ein Heimatgefühl als Ostdeutsche oder der politische Impuls, sich für die Region einzusetzen. Sie steckt im Stoff.

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Seit Mai 2025 ist Elisabeth Kaiser Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland. Ihre Funktion ist nicht mehr direkt beim Kanzleramt angesiedelt (wie die des Kulturstaatsministers); sie ist Staatsministerin beim Bundesminister der Finanzen.

So wird sie durchaus auch das Geld im Blick haben. Sieben bereits für die Planung ausgegebene Millionen Euro wären in den Sand gesetzt, wenn der Bau auf Weimers Entschluss hin gestrichen würde. Wie Johannes Neuer, Direktor der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, am Wochenende in der Leipziger Volkszeitung sagt, sollten die Baukosten 100 Millionen Euro umfassen, „30 Millionen Euro weniger, als anfangs geschätzt wurden“.

In Leipzig wurde die Nationalbibliothek einst gegründet. Als Ostbeauftragte wolle sie das Sprachrohr der Ostdeutschen in Berlin sein, erklärte Kaiser zum Amtsantritt. Diese Rolle nimmt sie wahr und sagt in Hinblick auf Weimers Entscheidung: „Auch vor dem Hintergrund der Diskussion zur Verleihung des Buchhandlungspreises wünsche ich mir, dass die Werte, die Literatur vermittelt, wieder ein stärkeres Gewicht bekommen und das Erbe der Buchstadt Leipzig mehr gewürdigt wird.“


© Berliner Zeitung