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Helga Rabl-Stadler: „Die Künstler sind so glücklich, dass sie spielen können“

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01.08.2020

Berlin„Ich sehe uns als Hoffnungsträger, nicht als Risikoträger“, sagt Helga Rabl-Stadler. Die Präsidentin der Salzburger Festspiele weiß, dass die Kulturwelt von diesem Samstag an nach Salzburg schaut – mehr denn je. Und dass es ein Wagnis ist, die Festspiele stattfinden zu lassen, unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen zwar und in abgespeckter Form – aber vor einem vergleichsweise großen Publikum. Geht alles gut, wäre der Bann gebrochen – und auch anderswo könnten die Säle bald wieder Zuschauer empfangen.

Frau Präsidentin, wie ist Ihre Gefühlslage so unmittelbar vor den Festspielen, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiern, aber aufgrund der Pandemie nicht so sein können, wie man es sich vorgestellt hat?

Ich komme gerade aus der Generalprobe von „Così fan tutte“, und nach zwei Generalproben, die Hoffnung auf ganz besondere Opernabende geben, bin ich natürlich freudig erwartungsvoll. Aber die Angst schwingt immer mit. Wir versuchen, alles zu unternehmen, damit uns das Virus nicht dazwischenfunkt bei den Festspielen, wir tragen Masken, wir halten Abstand, wir tun alles, um das Risiko zu minimieren, und ich hoffe, dass sich auch die Menschen dessen bewusst sind, was hier auf dem Spiel steht, und entsprechend eigenverantwortlich handeln.

Bayreuth, Bregenz, all die anderen großen Sommerfestivals wurden abgeblasen. Kam das für Salzburg nie infrage?

Eine Absage der Festspiele stand nicht zur Debatte. Sehen Sie, wir sind ja von einem Extrem ins andere gekommen. Die Jubiläumsfestspiele waren vorbereitet, und der Intendant Markus Hinterhäuser und ich sind drei Monate auf drei Kontinenten unterwegs gewesen, um das Jubiläumsprogramm vorzustellen. Wir sind dabei auf großes Interesse, auf große Zuneigung gestoßen, was sich dann auch im Kartenverkauf niederschlug. Im Februar hatten wir bereits 180.000 Karten im Wert von 24,5 Millionen Euro verkauft. Und dann kam Corona. Salzburg wurde zur Geisterstadt, die Osterfestspiele mussten abgesagt werden, die Pfingstfestspiele mussten abgesagt werden. Aber dass die Sommerfestspiele ausfallen würden, war nie eine Option.

Auch im härtesten Lockdown haben Sie nie mal drüber nachgedacht?

Selbstverständlich haben wir über Alternativen nachgedacht, was also im........

© Berliner Zeitung