We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Kinder und ihre Angst vor Corona: Berliner Experten schlagen Alarm

5 25 23
21.09.2021

Berlin - Nach den Sommerferien wurde es schlimmer. Der Achtjährige klagte ständig über Müdigkeit, andere Warnsignale kamen hinzu: Wutausbrüche, Verstimmungen, im Wechsel und unerklärlich. Als ihn zuletzt das Gesundheitsamt in eine zweiwöchige Quarantäne schickte, weil er Kontakt zu einem an Covid-19 erkrankten Lehrer hatte, war es ganz vorbei. Ein paar Tage wieder im Unterricht, und die Schule rief bei den Eltern an, bat darum, dass sie ihren Sohn abholen. Es blieb nicht bei diesem einen Mal. Die Lichtenberger Familie bemüht sich um einen Termin bei einem Psychotherapeuten.

Die Corona-Pandemie befindet sich in ihrer vierten Welle. Die akuten Belastungen für Mensch und Gesellschaft stehen im Fokus der Politik, der Öffentlichkeit. Schon jetzt aber ist klar, dass das Virus nachwirken wird, auch auf die Seele, und es zeichnet sich ab, was aktuell bereits gilt: Schwächere werden auch langfristig stärker die Auswirkungen zu spüren bekommen. Kinder und Jugendliche zum Beispiel. Erste Untersuchungen geben eine Tendenz vor. „Die Datenlage zu den psychischen Folgen von Covid-19 hat sich stark verdichtet“, sagt Gebhard Hentschel, Bundesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV). „Vor allem die Zahlen zu Kindern und Jugendlichen sind alarmierend.“

Gesundheitspolitik im WahlprogrammWas hat die Politik aus der Pandemie gelernt?

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) befragte zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 mehr als 1000 Elf- bis Siebzehnjährige zu ihrem seelischen Befinden. Einbezogen in die sogenannte Copsy-Studie wurden 1500 Eltern. Ergebnis: Vier von fünf Kindern und Jugendlichen fühlten sich durch die Pandemie belastet. Ängste und Sorgen nahmen deutlich zu, ebenso depressive Verstimmungen und psychosomatische Beschwerden wie Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen.

Eine Analyse vom Sommer 2020 stütze sich auf Aussagen von mehr als 150 Kinderärzten. Sie förderte zutage, dass bei 89 Prozent der Patienten verstärkt seelische Probleme auftraten. Etwa die Hälfte litt unter Antriebslosigkeit oder Angststörungen, Schlaflosigkeit oder erhöhter Aggression. Teilweise erkannten die Mediziner sogar Hinweise auf eine verzögerte Entwicklung. „Der Anteil der Kinder mit psychischen Auffälligkeiten ist in der Pandemie von 20 Prozent auf fast ein Drittel gestiegen“, sagt DPtV-Präsident Hentschel und bezieht sich dabei auf den „Report Psychotherapie 2021“.

Die nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, erwartet in einer Stellungnahme „einen erhöhten........

© Berliner Zeitung


Get it on Google Play