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„Und dann kam der Ehrgeiz, es wurde immer mehr“

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01.08.2020

Berlin-Prenzlauer BergTreffpunkt Leisepark in Prenzlauer Berg macht seinem Namen alle Ehre. Tobias Langhoff, 57, ist Schauspieler, aber in diesem Gespräch, morgens um 9 Uhr auf einer Parkbank, geht es um seine zweite Leidenschaft: das Laufen. Es geht um die Chancen und Risiken, die in dem Ausdauersport stecken.

Berliner Zeitung: Eine Grundsatzfrage am Morgen, Herr Langhoff: Warum laufen Sie?

Tobias Langhoff: Das habe ich mich heute früh erst wieder gefragt. Je länger ich laufe, desto absurder erscheint mir die Frage. Ich würde fragen: Warum laufe ich nicht? Laufen gehört zu meinem Leben. Das ist wie Hygiene, wie Zähneputzen.

Wann haben Sie mit dem Laufen angefangen?

Ich bin ja Schauspieler. Und Schauspieler ist ein sehr gefährdeter Beruf.

Gefährdet?

Wegen der Drogen. Damals war es so, dass nach den Vorstellungen in der Kantine gesessen wurde: noch ein Bier, noch ein Wein. Erst ist es ja immer nur ein Glas, dann werden es zwei. Irgendwann fand ich das sehr uninspirierend.

Und dann fingen Sie an, zu laufen?

Ja, das war in Wien, ich war am Burgtheater. Ich bin nachts gelaufen: vom Theater zurück erst mal nur. Das war cool, in der Nacht durch die Stadt.

Einfach losgelaufen?

Ich war vorgeprägt. Ich habe in der DDR Leistungssport gemacht, Judo, war auf der Sportschule, habe aber aufgehört, hatte dann wie viele ehemalige Leistungssportler eine Phase, in der ich ganz schön auf die Pauke gehauen habe. Dann musste ich für eine Rolle 20 Kilo abnehmen. Ich spielte in einer Anna-Seghers-Verfilmung, „Aufstand der Fischer von Santa Barbara“. Das war ein Defa-Film, ich spielte einen ausgemergelten Fischerjungen. Das Laufen hat mir geholfen, schnell Gewicht zu verlieren.

Prägt Leistungssport in der Kindheit einen Menschen?

Ich bin davon überzeugt. Ich habe mein Laufpensum jedenfalls immer weiter gesteigert und schließlich darüber nachgedacht, einen Wettkampf zu bestreiten. Volkslauf, hieß das damals noch.

In der DDR?

In den 80er-Jahren, ’87 oder ’88. Mein erster Volkslauf war im Friedrichshain, werde ich nie vergessen: zehn Kilometer. Da bin ich gleich 37 Minuten gelaufen. Und dann kam der Ehrgeiz,........

© Berliner Zeitung