Keine Flops, nur Tops: Deutsches Design auf dem roten Teppich der Berlinale

Wenn auf dem roten Teppich der Berlinale auf einmal auffallend viele deutsche und Berliner Modelabels vertreten sind, dann steckt dahinter vielleicht ein Komplott. Noch wahrscheinlicher: Die Chefin der deutschen Vogue, Kerstin Weng, lud dazu ein, lokales Design auf den roten Teppich der Berlinale zu bringen.

Mit dem Projekt „Red Carpet Connect“, initiiert von Vogue Germany und dem Fashion Council Germany,  führten Kerstin Weng und ihr Team Prominente mit deutschem Design zusammen. Wie das vonstatten ging, enthüllt unser exklusives Interview mit der Chefredakteurin.

Frau Weng, mit Ihrer Initiative „Red Carpet Connect“ haben Sie sich in dieser Saison darum bemüht, die Red-Carpet-Looks deutscher zu machen. Wie ist dieses Projekt entstanden?Die Idee entstand vergangenes Jahr. Ich sprach damals mit der Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer, die mich fragte, ob ich einen Tipp für ihr Outfit beim Deutschen Filmpreis hätte. Ähnliche Gespräche führte ich mit Düzen Tekkal, die oft auf dem roten Teppich und im Fernsehen zu sehen ist.

Dabei wurde klar: Viele Frauen in der Öffentlichkeit arbeiten nicht dauerhaft mit Stylisten und Stylistinnen zusammen und fühlen sich bei der Outfitwahl unsicher. Gleichzeitig hörte ich von deutschen Designern und Designerinnen, wie schwer es ist, Sichtbarkeit zu erlangen und ihre Marken bekannter zu machen.Da dachte ich: Warum schaffen wir nicht ein Forum, das beide Seiten zusammenbringt? Ich sprach mit Scott Lipinski vom Fashion Council Germany und stellte ihm die Idee vor.

Die Fashion Week liegt zeitlich kurz vor der Berlinale – warum das nicht als Auftakt nutzen? Junge Labels könnten so direkt Prominente treffen, die kurz vor der Berlinale überlegen: „Was ziehe ich an?“ Scott war sofort begeistert, und so konnten wir „Red Carpet Connect“ in das bestehende Konzept des FCG Showrooms integrieren.

Wie sah das konkret aus?Wir hatten einen eigenen Raum, in dem unter anderem die Labels Marke, Julia Heuer, Clara Colette Miramon, Stefan Uhr, Nowrubi, Orange Culture, Odeeh, Malaika Raiss, Plaid-à-porter und Maximilian Gedra ausstellten. Uns war wichtig, eine Mischung aus etablierten und aufstrebenden Labels zu zeigen.

Es war schön zu sehen, wie Gespräche entstanden, Interesse geweckt wurde und echte Verbindungen entstanden. Besonders freut es uns, im Nachhinein zu beobachten, wer tatsächlich deutsches Design auf dem roten Teppich trug. Das Projekt wollen wir auf jeden Fall fortsetzen.

Was haben wir von diesen neuen Bekanntschaften nun auf dem Red Carpet gesehen? Anders gefragt: Welche Früchte hat Ihre Arbeit getragen?Da waren zum Beispiel Maria Schrader und Michael Klammer, die Plaid-à-Porter trugen. Auch Lea van Acken wählte ein Bolerojäckchen und Höschen von Plaid-à-Porter, dazu die passende Tasche.

Lou de Bétoly war ebenfalls sehr gefragt. Sogar Charli xcx trug ein Design des Labels – obwohl wir mit ihr keinen direkten Kontakt hatten. Ihr Stylist hatte sich bei Berliner Kolleginnen und Kollegen nach lokalen Labels erkundigt. Sie unterstützt damit gezielt lokales Design – das finde ich ein tolles Signal.

Auch das Berliner Label 032c war stark vertreten: Jannis Niewöhner trug das Label, ebenso Benny O. Arthur. Emilia Schüle wählte für das Armani-Dinner ebenfalls 032c.Wir freuen uns generell über lokales Design auf den Veranstaltungen der Berlinale. Labels wie Boss oder Kaviar Gauche sind hier zum Glück schon länger etabliert. Toll ist, dass auch Marken, die aktuell zu unseren Finalist:innen des FCG/Vogue Germany Fashion Funds gehören, wie Laura Gerte – Stefanie Giesinger und Luise Befort trugen Laura Gerte – oder Lou de Bètoly, stark vertreten waren –, obwohl sie gar nicht explizit Teil unseres Showrooms waren.

Mit welchen Stylistinnen und Stylisten arbeiten Sie für dieses Projekt zusammen?Wir stehen im Austausch mit verschiedenen Stylistinnen und Stylisten, etwa Niki Pauls, Luisa Probst oder Romina Mann. Der Showroom richtete sich primär an Persönlichkeiten ohne feste Styling-Unterstützung, aber wir sehen großes Potenzial darin, die Zusammenarbeit zwischen beiden Bereichen auszubauen. Styling ist ein wichtiger Multiplikator.

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Gab es besondere Begegnungen, bei denen man sofort merkte, dass es klickt?Ja, definitiv. Zum Beispiel bei Vladimir Burlakov und Marke. Zwischen ihm und dem Designer Mario Keine funkte es stilistisch sofort. Vladimir wurde gleich mehrfach fündig und trug später auch noch ein Outfit von Balletshofer.Rabea Schif entschied sich für ein Outfit von Anne Bernecker und Marke. Solche Momente zeigen, wie viel persönlicher Kontakt bewirken kann.

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Kritisch nachgefragt: Verdienen Sie daran etwas?Wir verdienen nichts daran. Es geht uns darum, deutsches Design zu stärken und nachhaltige Strukturen aufzubauen.

Wollen Sie das Projekt weiterführen?Unbedingt. Die Kombination aus Fashion Week und Berlinale war ein idealer Auftakt – auch wenn zwei Wochen Vorlaufzeit knapp sind. Aber es war ein guter Start.Wir sehen „Red Carpet Connect“ als langfristiges Projekt. Gemeinsam mit dem Fashion Council planen wir, das Konzept auf weitere Veranstaltungen auszuweiten, etwa den Deutschen Filmpreis, das Filmfest München und andere Preisverleihungen. Unser Ziel ist es, uns als fester Partner zu etablieren und dauerhaft mehr Sichtbarkeit für lokales Design zu schaffen.


© Berliner Zeitung