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Promi-Fotos, Pleite-Firmen und Zweifel aus dem Umfeld: wer ist Berlins neuer Digitalchef?

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18.03.2026

Auf Facebook und Instagram zeigt sich der Dresdner Digitalunternehmer Matthias Hundt gern in bester Gesellschaft: Politiker, Unternehmer, bekannte Gesichter – dicht nebeneinander auf Empfängen, Events und Branchentreffen. Viele Bilder, ähnliche Perspektiven: Hundt mittendrin, gut positioniert, sichtbar. Die Fotos erzählen von Nähe und Netzwerk. Ob sie auch für tatsächlichen Einfluss stehen, lässt sich daraus nicht belegen.

Fest steht: Hundt soll neuer Chief Digital Officer (CDO) des Landes Berlin werden. Das bestätigte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner. Angesiedelt wird die Position in der Senatskanzlei – mitten im Machtzentrum der Stadt.

Doch während in Berlin ein neuer Hoffnungsträger installiert wird, kommen aus Dresden deutlich kritischere Töne. Ehemalige Geschäftspartner äußern Zweifel – und sprechen davon, dass die Hauptstadt sich womöglich von einem geschickten Selbstdarsteller habe überzeugen lassen.

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Wer ist der Mann, der Berlins Digitalchef werden soll?

Vorweg: Der Wechsel auf die Position erfolgt vor einem politischen Hintergrund, der für Aufmerksamkeit sorgt. Auslöser ist der Abgang von Berlins bisheriger CDO im Range einer Staatssekretärin, Martina Klement, die in Brandenburg zur Wirtschaftsministerin ernannt werden soll. Mit der Vereidigung der neuen Landesregierung in Potsdam wird der Wechsel der CSU-Politikerin offiziell.

Klement galt als enge Vertraute von Kai Wegner, ihr Wechsel nach Potsdam ist dennoch keine Überraschung – dass sie gehen wollte, wusste man seit langem. Als Vermächtnis hinterlässt die 45-Jährige in Berlin eine Verwaltungsreform, die die Strukturen und Zuständigkeiten zwischen Land und Bezirken aufräumen soll. Läuft es wie geplant, soll sie ein Ende der viel beklagten organisierten Verantwortungslosigkeit bringen. Für viele in Berlin nicht weniger als ein kleines Wunder.

Neuer Digitalmanager kommt aus Dresden

Und in diese Schuhe soll nun Matthias Hundt schlüpfen. Er kommt aus Dresden, bewegt sich seit Jahren im Umfeld der Digitalwirtschaft und wird in politischen und wirtschaftlichen Kreisen als gut vernetzt beschrieben. Zugleich gilt er als jemand mit Verbindungen in die sächsische Landespolitik, unter anderem zum Ministerpräsidenten Michael Kretschmer von der CDU.

Hundt ist damit kein klassischer Beamter, sondern kommt aus der Praxis von Digitalisierungsprojekten. In Sachsen trat er bislang als Unternehmer und Projektmanager im Bereich Digitalisierung auf, mit Schwerpunkten auf Infrastruktur, Breitbandausbau und Schuldigitalisierung.

Offiziell leitet er die Sachsen Digital Solutions GmbH

Offiziell leitet er seit 2019 die Sachsen Digital Solutions GmbH. Zuvor war er Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung der Dresden Information.

Sachsen Digital beschreibt sich als Anbieter umfassender Digitalisierungsprojekte, der Transformationsprozesse begleitet, digitale Plattformen bereitstellt und Projekte von der Planung bis zur Umsetzung integriert. Zudem wird betont, man arbeite bundesweit im Bereich der Schuldigitalisierung und unterstütze bei der Einwerbung von Fördermitteln.

Solche Selbstdarstellungen sind im Beratungsumfeld üblich. Sie lassen jedoch nur begrenzt Rückschlüsse auf den tatsächlichen Umfang und die nachhaltige Umsetzung einzelner Projekte zu. Darauf verweisen ehemalige Geschäftspartner. Denn: Als Unternehmer hat Hundt nicht nur Erfolge vorzuweisen.

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Insolvenzverfahren seit November 2025

Die SDC Sachsen Digital Consulting GmbH geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten: Am 25. November 2025 eröffnete das Amtsgericht Dresden (Az. 563n IN 1391/25) ein Insolvenzverfahren über das Unternehmen, nachzulesen im Handelsregister Dresden. Auch im Fall der HuBroCo GmbH, an der Hundt beteiligt war, kam es zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten: Ein Insolvenzantrag wurde mangels Masse abgewiesen.

Neben diesen öffentlich dokumentierten Entwicklungen gibt es kritische Stimmen aus früheren Geschäftsbeziehungen Hundts. Die Berliner Zeitung fragte in Hundts Umfeld in Dresden nach. Ehemalige Partner berichten von Projekten, die mit hohen Erwartungen begonnen hätten, deren Umsetzung jedoch hinter den Ankündigungen zurückgeblieben sei.

Ist Kai Wegner „auf ihn hereingefallen“?

Ein ehemaliger Geschäftspartner aus Dresden formuliert seine Einschätzung zugespitzt und gibt Hundt für den Job in Berlin wenig Vorschusslorbeeren. Er vermutet, Kai Wegner könne „auf ihn hereingefallen sein“. Er solle sich, so heißt es aus Dresden, wohl regelmäßig in die Nähe von wichtigen Menschen bewegt haben, um Eindruck zu schinden, sei aber weder in der sächsischen Wirtschaft noch in der sächsischen Politik jemals angekommen. Stattdessen gelte er als „Dampfplauderer“, der viel verspreche, aber wenig umsetze. Der ehemalige Geschäftspartner fragt sich auch, wie Wegner auf Hundt gekommen sei, und fügt hinzu: „Ein Pleitier und gescheiterter IT-Unternehmer wird oberster Digitalchef von Berlin.“ Die Gerüchteküche in Sachsen brodele daher seit Bekanntwerden der Personalie.

Ob Hundts Sprung von der Privatwirtschaft in die öffentliche Verwaltung und damit auch Politik gelingt, wird sich daher zeigen: Als künftiger Chief Digital Officer Berlins soll Hundt nun Klements Arbeit fortsetzen, koordinieren, Standards vereinheitlichen und die Digitalisierung der Verwaltung vorantreiben. Nach den Planungen des Senats soll der neue Digitalchef insbesondere dazu beitragen, bestehende Digitalisierungsprojekte zu bündeln, strukturelle Hemmnisse zu identifizieren und die Grundlage für eine umfassendere Verwaltungsmodernisierung zu schaffen.


© Berliner Zeitung