Rätselraten in Mitte: Wer zieht ins verwaiste Ladenlokal im Memhardblock?
Es ist immer spannend, wenn neue Nachbarn einziehen. Wird man sich mögen? Wird es Ärger geben? Und so weckt es in der Redaktion der Berliner Zeitung natürlich Neugier, wenn direkt neben dem Haus des Berliner Verlags gebaut wird: Am Memhardblock, im Volksmund auch „der Memi“ genannt, stehen seit einiger Zeit Bauzäune und große Blöcke aus weißem Kalksandstein.
Durch die Fenster sind Lichter im Keller zu sehen. Doch wer dort einziehen wird, ist noch ein Rätsel. Lange steht das Ladenlokal mit den großen Bogenfenstern schon leer, was seltsam ist, denn immerhin könnte man vermuten, dass es sich bei den Räumlichkeiten um ein begehrtes Objekt handelt, direkt unterm einstigen Pressecafé, das nun das Steakrestaurant Beast beheimatet. Zudem: Eine Immobilie in Berlin-Mitte, die seit Jahren verwaist ist. Was ist da los?
Besonders anziehend wirkt der klotzige, graue Block aus DDR-Zeiten erst mal nicht. Trotzdem hat der Bau eine Menge Fans – zumindest ist er laut dem Portal „Entwicklungsstadt Berlin“ ein äußerst beliebtes Fotomotiv und musste auch schon als Filmkulisse für den Dauerbrenner „Tatort“ herhalten, weil der „bauliche Verfall des Gebäudes offensichtlich und wohl äußerst spannend ist“. So kann man es auch sagen.
Vor Ewigkeiten gab es dort eine Schlecker-Filiale, erinnern sich einige Kollegen. Ob und was danach kam, das wissen selbst die erfahrensten Redakteure nicht mehr. Im Archiv der Berliner Zeitung findet sich nur ein kurzer Hinweis, dass es hier im August 1994 nach Starkregen wohl zu einem Wasserschaden kam. Ansonsten ist über das leer stehende Ladenlokal nur wenig herauszufinden. Die Drogeriekette Schlecker gibt es auch schon längst nicht mehr.
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Aber jetzt soll endlich jemand neues einziehen in das Ladenlokal. Nur wer? Ein Schild mit Informationen am Bauzaun gibt es nicht. Auch die Bauarbeiter sind auf Nachfrage ratlos. Sie arbeiten dort für eine Baufirma, erklären sie einem Kollegen, weitere Infos dazu, was in den Räumen entstehen soll, haben sie leider nicht.
Direkt neben der Baustelle befindet sich auch das neue Pressecafé, das erst im vergangenen Jahr neu eröffnet wurde. Doch dort ist derzeit alles dunkel. Das Café ist aufgrund „technischer Probleme“ der Lüftungsanlage bis Mitte Januar geschlossen, steht auf einem Zettel an der Eingangstür. Auch hier sind also keine Informationen zu holen. Auch im benachbarten Späti weiß man nichts Genaues. Die These dort: Es soll ein Parteibüro einziehen, sagt der Verkäufer, das habe er irgendwo aufgeschnappt. Von welcher Partei? Keine Ahnung.
Ganz in der Nähe befindet sich noch der Modeladen Platte. Vielleicht weiß man dort mehr über die Baustelle? Doch eine Mitarbeiterin schüttelt auf Nachfrage nur den Kopf. Eines ist aber klar: Die Späti-Theorie stößt auf wenig Begeisterung. „Ein Parteibüro wird es hoffentlich nicht!“, sagt die Verkäuferin.
Ähnlich vage klingt es bei Jennifer Bittner, Restaurantmanagerin des Steakhouse Beast, das sich direkt über dem Pressecafé befindet und damit einer der direkten Nachbarn der rätselhaften Baustelle ist. Sie hat gehört, dass „irgendein Amt“ einziehen soll. Welches, das kann auch sie nicht sagen. Irgendein Amt? Das klingt erst einmal wenig spannend. Doch wer auch immer einzieht: Willkommen in der Nachbarschaft!
