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Was Gaddafis Kalaschnikow mit dem Wasserbecken der Berliner Polizei zu tun hat

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09.07.2021

Berlin - Sie wollen die Kriminellen da draußen nicht unbedingt schlauer machen. Außerdem hat sich die Terrorlage in den vergangenen Jahren verschärft. Deshalb sind die Waffenexperten der Berliner Kriminaltechnik ziemlich verschwiegen.

Aber womit sie aufräumen möchten, das sind einige Klischees. Zum Beispiel das des Helden, der auf der Flucht ins Wasser springt und ans andere Ufer taucht, während die Geschosse an ihm vorbei pfeifen. Das ist Quatsch - und auch der Grund, warum Klaus Geppert und seine Kollegen über solche Actionfilme und Krimis nur müde lächeln.

Serie über die KriminaltechnikTatort Berlin: Wie Wissenschaftler Spuren „zum Sprechen“ bringen

Klaus Geppert ist Erster Polizeihauptkommissar und Forensischer Sachverständiger für Waffen, Munition und Schusswaffenspuren. Der 58-Jährige leitet den Fachbereich „Waffen/Munition/Ballistik“ im Kriminaltechnischen Institut der Berliner Polizei. Die elf Sachverständigen sind Dienstleister für andere Polizeidienststellen, der Mordkommission zum Beispiel. Sie erstellen Gutachten, die dabei helfen, den Hergang von Straftaten zu rekonstruieren - wenn sich wieder einmal Clans auf der Straße beschossen haben. Wenn jemand aus nächster Nähe erschossen wurde. Oder auch, wenn ein Polizist seine Dienstwaffe eingesetzt hat.

Geppert und seine Kolleginnen und Kollegen müssen dann unter anderem herausfinden, ob eine gefundene Waffe als Tatwaffe in Frage kommt und wie sich ihr Gebrauch auf das Strafmaß eines Beschuldigten auswirkt. Zuvor haben andere Abteilungen der Kriminaltechnik an der Waffe schon Fingerabdrücke, DNA, Blut- und Gewebespuren des Opfers gesichert.

Für ihre Untersuchungen bekommen die Forensiker nur die nötigsten Informationen. Sie erfahren oft nichts über das Motiv, warum ein Abzug gedrückt wurde. „So wird sichergestellt, dass wir neutral und nicht voreingenommen herangehen“, sagt Geppert. Die Waffensachverständigen können Pistolen, Revolver oder Gewehre als Tatwaffen identifizieren oder eben ausschließen - und zwar anhand verfeuerter Munitionsteile wie Hülsen und Geschosse. Unter dem Vergleichsmikroskop erkennen sie dies unter anderem an der Eindruckspur, die der Schlagbolzen oder der Auswerfer verursacht haben oder an den Spuren, die der Lauf am Geschoss hinterlässt. Viele Teile einer Waffe erzeugen winzige unverwechselbare Spuren auf Munitionsteilen - den sogenannten ballistischen Fingerabdruck.

Hülsen und Geschosse, die an einem Tatort gefunden wurden, werden dem Schusswaffenerkennungsdienst........

© Berliner Zeitung


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