Markthalle Moabit bleibt unbeheizt – Händler und Kunden frieren: „Frechheit! Wo sind wir denn?“

Der Atem dampft. Fast alle Tische sind leer. Dick eingemummelt stehen Verkäufer hinter ihren Tresen. Und die wenigen Gäste essen mit Mütze und Schal. In der historischen Markthalle Moabit herrscht bittere Kälte. Ein Thermometer im Mittelgang zeigt sechs Grad Celsius. Dabei steht es auf einem Tisch, über dem eine Wärmelampe hängt.

Sechs dieser Infrarotlampen hängen seit einigen Tagen von der hohen Decke. Sie sollen die Sitzplätze an den Tischen punktgenau erwärmen. „Diese Lampen bringen überhaupt nichts“, schimpft ein älterer Stammgast der Fleischerei Wild- und Geflügel-Oase, der hier gewöhnlich zu Mittag isst. Heute nicht. Heute ist es ihm dafür zu kalt.

Es ist der erste Winter seit langer Zeit, in dem die Halle hinter dem Rathaus Tiergarten nicht beheizt wird. Der Stammgast führt das auf die „drastisch kapitalistische Art“ des Besitzers der Halle zurück. So einfach ist es wohl nicht, wie ein Gespräch mit dem Eigentümer zeigen wird. Aber dass die Verkäufer frieren und die Kunden wegbleiben, wird überall in der Halle bestätigt.

Auch von Klaus Paternoga (64), der seit 25 Jahren Wurst und Fleisch in der Oase verkauft. Es gibt auch einen Mittagstisch: Wildgerichte und Gänsekeulen für gut zehn Euro. So kalt wie in diesem Winter war es in der Halle in 25 Jahren nicht, sagt Paternoga. Auch im vergangenen Winter sei alles noch auf wenigstens 13 Grad geheizt worden.

Die Folge sei ein krasser Umsatzeinbruch. Im Schnitt hätten sie über die Jahre im Winter immer um die 170 „Mittagskunden“ gehabt. Zurzeit seien es keine 70 Kunden. „Die kommen rein: ‚Können wir ja gleich draußen essen‘ – und sind gleich wieder weg“, sagt Paternoga. Trotz Schal und Mütze zieht auch ihm die Kälte in die Knochen.

Alle Händler in der Halle erzählen vom Kältehorror. Bei dem einen ist das