Trumps Republikaner schwach, Demokraten schwächer: „Niemand wird ihn herausfordern“ |
Gut sieben Monate vor den Zwischenwahlen in den USA am 3. November 2026 steht die Republikanische Partei vor einem Dilemma, das sie selbst geschaffen hat. Der Iran-Krieg ist in der Bevölkerung äußerst unpopulär, die Zustimmungswerte für Präsident Donald Trump sind auf einen neuen Tiefstand gefallen, und innerhalb der MAGA-Bewegung („Make America Great Again“) zeichnen sich Risse ab, die bislang vor allem entlang von Generationengrenzen und Medienmilieus verlaufen.
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Gleichzeitig bleibt Trumps Griff auf die eigene Partei so fest, dass offener Widerspruch für republikanische Abgeordnete einem politischen Selbstmord gleichkommen kann. Die Demokraten profitieren von der Gegenstimmung, kämpfen aber mit eigenen Schwächen: fehlender Führung, Spendermüdigkeit und einer Parteimarke, die bei Wählerinnen und Wählern kaum besser abschneidet als die der Republikaner.
Zustimmung für Trump auf dem Tiefpunkt
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Laut einer Reuters/Ipsos-Erhebung vom 20. bis 23. März 2026 liegt die Zustimmungsrate für Trump bei nur noch 36 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seiner zweiten Amtszeit. Besonders schlecht schneidet der Präsident beim Thema Lebenshaltungskosten ab. Nur 25 Prozent der Befragten bewerten seine Arbeit in diesem Bereich positiv. Eine deutliche Mehrheit hält die Entwicklung des Landes für falsch.
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Im sogenannten Generic Congressional Ballot – einer Standardmessung, die fragt, welche Partei Wähler bei den Kongresswahlen bevorzugen würden – liegen die Demokraten im Durchschnitt der Erhebungen von RealClearPolling bei rund sechs Punkten vorn. Eine AP-NORC-Umfrage aus demselben Zeitraum zeigt, dass eine Mehrheit der Amerikaner die Militärschläge gegen Iran als „zu weitgehend“ betrachtet und den Einsatz von Bodentruppen ablehnt.
Grafik: BLZ. Quelle: Reuters und Ipsos Core Political Survey
Padraig Ryan, ein in Washington gut vernetzter Politikanalyst, ordnet die Lage gegenüber der Berliner Zeitung nüchtern ein. „Die Militäraktion gegen Iran ist in den USA sehr, sehr unpopulär.“ Zugleich warnt er davor, die Sonderwahlen und niedrig frequentierten Abstimmungen der vergangenen Monate zu überbewerten. „Sonderwahlen haben eine niedrige Wahlbeteiligung, und die Dynamik dort überträgt sich nicht immer auf die Zwischenwahlen“, sagt Ryan. Bei den Midterms selbst werde die republikanische Basis deutlich stärker mobilisiert sein.
„Pay to Play“: Trumps Machtmechanik
Dass Trump die Republikanische Partei weiterhin kontrolliert, liegt nach Ryans Analyse an einem Zusammenspiel aus institutionellem Druck, medialer Dominanz und finanzieller Macht. „Trump hat das Weiße Haus zu einer ‚Pay to Play‘-Operation gemacht“, sagt Ryan. Wer Geld gebe und sich loyal verhalte, könne auf wohlwollende Behandlung bei Fusionsgenehmigungen, Zollentscheidungen und anderen Regierungshandlungen rechnen. Wer sich dagegen kritisch äußere, riskiere, dass Trump einen Gegenkandidaten in der parteiinternen Vorwahl unterstütze und die aktivistische Medienmaschine gegen den Abweichler in Stellung bringe.
Ryan nennt konkrete Beispiele. Der texanische Abgeordnete Dan Crenshaw, ein dekorierter Kriegsveteran, verlor seine Vorwahl im März 2026, nachdem er Trumps Ukraine-Politik kritisiert hatte. Der Senator Thom Tillis aus North Carolina kündigte bereits 2025 an, nicht erneut anzutreten – nach anhaltenden Attacken aus dem Trump-Lager. Die Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska hat öffentlich darüber gesprochen, dass Morddrohungen und Druck auf Familienangehörige zum Alltag gehörten, wenn man sich gegen Trump stelle.
„Seine Kontrolle über die Partei ist im Moment ziemlich absolut“, fasst Ryan zusammen. „Niemand wird ihn herausfordern. Aber wir werden sehen, was nach den Midterms passiert.“
Iran-Krieg: Generationenriss in der MAGA-Bewegung
Der im Februar 2026 begonnene koordinierte Militäreinsatz gegen den Iran – unter dem Operationsnamen „Epic Fury“ – trifft die MAGA-Koalition an einer Sollbruchstelle. „America First“ lässt sich sowohl als harte Abschreckungspolitik lesen als auch als Ablehnung von Auslandseinsätzen. Beide Interpretationen haben innerhalb der Bewegung überzeugte Anhänger.
Von der Conservative Political Action Conference (CPAC) Ende März 2026 berichteten Reuters und die Associated Press übereinstimmend von einem ausgeprägten Generationenkonflikt. Jüngere Konservative kritisierten die Iran-Schläge als Verrat am „America First“-Versprechen, während ältere Teilnehmer sie als notwendige Reaktion verteidigten. In diesem Zusammenhang trat Joe Kent, einst republikanischer Kandidat für den US-Kongress im Bundesstaat Washington und zuletzt Direktor des National Counterterrorism Center, von seinem Amt zurück und erhob öffentlich Vorwürfe gegen die Informationspolitik der Regierung, wie auch die Berliner Zeitung im Kontext der Tucker-Carlson-Debatte berichtete.
Institutionell bleibt die Parteidisziplin allerdings weitgehend intakt. Im Repräsentantenhaus scheiterte eine sogenannte War Powers Resolution, die den Einsatz ohne Kongressautorisierung begrenzen sollte, mit 219 zu 212 Stimmen – überwiegend entlang der Parteilinien. Auch im Senat scheiterten entsprechende Vorstöße. Der libertäre Senator Rand Paul blieb der auffälligste republikanische Abweichler, was eher für eine Randerscheinung als für eine breite parteiinterne Rebellion spricht.
Ryan sieht die ideologischen Unterschiede innerhalb der Partei als real, aber derzeit nicht als handlungsrelevant an. „Es gibt einen stärker isolationistischen außenpolitischen Flügel, es gibt den wirtschaftsnationalistischen und protektionistischen Teil der Partei um Leute wie Steve Bannon, der sich als Sprachrohr der arbeitenden Blue-Collar-Amerikaner im industriell geprägten Rust Belt versteht, und dann gibt es traditionelle Republikaner, die sich in die MAGA-Bewegung eingefügt haben. Aber sie sind alle loyal gegenüber Trump.“
Grafik: BLZ. Quelle: AP-NORC-Umfrage, durchgeführt vom 19. bis 23. März 2026 unter 1150 Erwachsenen ab 18 Jahren in den USA
Vizepräsident JD Vance agiert in der Iran-Frage als Loyalist mit kalkulierter Begrenzungsrhetorik. Er argumentiert öffentlich, Trump werde keinen langen Krieg zulassen – eine Botschaft, die die skeptische MAGA-Teilöffentlichkeit adressiert, ohne die Regierungspolitik offen zu kritisieren. Parallel baut Vance systematisch Parteiinfrastruktur auf. Reuters berichtete bereits 2025, dass er eine zentrale Rolle im Fundraising der Partei übernommen hat, mit hochpreisigen Spendenveranstaltungen unter anderem in Texas.
Als Indikator für seine Positionierung in der Nachfolgedebatte gilt die CPAC Straw Poll. Vance liegt bei 53 Prozent, Außenminister Marco Rubio bei 35 Prozent. Reuters rahmt den Iran-Krieg explizit als „Talenttest“ für beide: Ein schneller Ausstieg begünstige den „Krisenmanager“ Rubio, ein langer Konflikt stärke denjenigen, der glaubhaft Zurückhaltung verkörpere – also Vance.
Die außenpolitische Krise wirkt vor allem über einen innenpolitischen Kanal: die Preise. Reuters berichtet, dass die Benzinpreise seit Kriegsbeginn um rund 30 Prozent gestiegen sind und sich der Marke von vier Dollar pro Gallone nähern. Das Verbrauchervertrauen fiel laut der University of Michigan im März auf 53,3 Punkte – ein kriegs- und preisgetriebener Einbruch. Selbst die US-Notenbank Federal Reserve kommuniziert eine abwartende Haltung; Notenbankchef Jerome Powell verwies auf die unsichere Wirkung von Öl- und Kriegsschocks.
Ryan bringt die politische Logik auf den Punkt: Außenpolitik werde für amerikanische Wähler dann zum Thema, „wenn zwei Dinge passieren: Benzinpreise steigen stark und amerikanische Soldaten kommen in Leichensäcken zurück“. Bei Ölpreisen von 200 Dollar pro Barrel werde das „auch ein Thema“.
Bereits während des Shutdowns im Herbst 2025 war in politischen Kreisen in Washington die Einschätzung verbreitet, Trump profitiere nicht trotz der Krise, sondern gerade durch sie: weil sich Ausnahmelagen nutzen lassen, um Macht zu konzentrieren, Institutionen umzubauen und Loyalität zu sichern.
In Gesprächen mit der Berliner Zeitung war zudem darauf hingewiesen worden, dass der Eindruck eines blockierten und überforderten Systems das Vertrauen vieler Bürger in die politische Handlungsfähigkeit insgesamt untergraben könnte. Verstärkt werde dieser Eindruck durch die permanenten Kulturkämpfe von Republikanern und Demokraten, die zugleich den Ruf nach einer starken Persönlichkeit befördern könnten. Mit dem Iran-Krieg und den neuen Budgetkonflikten gewinnt diese Deutung erneut an Aktualität.
Demokraten: Schwach trotz Schwäche des Gegners
Die Demokraten befinden sich in einer paradoxen Lage. Sie profitieren von der Gegenstimmung, haben aber als Partei selbst massive Glaubwürdigkeitsprobleme. Laut der AP-NORC-Umfrage vom März 2026 haben nur noch rund sieben von zehn Demokraten eine positive Sicht auf die eigene Partei. Das sind deutlich weniger als in früheren Jahren.
Ryan beschreibt die Situation schonungslos. „Wenn man sich die Umfragen anschaut, hat die Demokratische Partei immer noch die schlechtesten Zustimmungswerte – schlechter als Donald Trump selbst oder die Republikanische Partei.“ Es gebe derzeit „keinen echten Anführer der Demokratischen Partei“, und die Spenderbasis sei nach dem teuren und erfolglosen Wahlkampf von Kamala Harris 2024 erschöpft. „Die Harris-Kampagne hat eineinhalb Milliarden Dollar eingesammelt und trotzdem furchtbar abgeschnitten. Viele demokratische Spender erinnern sich daran.“
Hinzu kommt ein strategisches Dilemma. In den frühen Vorwahlen zeigt sich ein Richtungsstreit zwischen denjenigen, die einen konfrontativen Anti-Trump-Kurs fahren wollen, und Pragmatikern, die breitere Koalitionen anstreben. Reuters interpretiert die texanische Senatsvorwahl, in der der moderate James Talarico gegen die kämpferische Jasmine Crockett gewann, als Signal zugunsten der Koalitionslogik – ohne dass der Anti-Trump-Ton verschwinde.
Strukturell haben die Demokraten im Repräsentantenhaus eine realistische Chance. Die Republikaner halten dort nur eine knappe Mehrheit von einem Sitz. Doch Ryan relativiert: „Es gibt nur eine Handvoll Sitze, die tatsächlich umkämpft sind. Die Wahlkreise sind so zugeschnitten – das nennt man Gerrymandering, also das gezielte Ziehen von Wahlkreisgrenzen zugunsten einer Partei –, dass jeder Bezirk bereits stark demokratisch oder stark republikanisch ist.“
Grafik: BLZ. Quelle: AP-NORC Center for Public Affairs Research
Im Senat sei die Lage für die Demokraten noch schwieriger, weil die geografische Verteilung der Wählerschaft die Republikaner strukturell begünstige. „Ich würde den Demokraten eine ordentliche Chance geben, das Repräsentantenhaus zu gewinnen, aber ich würde sie nicht favorisieren, den Senat zu gewinnen.“
Küste gegen Heartland: Ein Rahmen mit Grenzen
Die häufig bemühte Gegenüberstellung von liberalen Küstenmetropolen und konservativem Hinterland bleibt als Kurzformel nützlich, greift analytisch aber zu kurz. Ryan, der selbst in Washington lebt, illustriert die Extreme: „Washington D.C. wählt zu etwa 95 Prozent demokratisch. In San Francisco schneidet die Grüne Partei in der Regel besser ab als die Republikanische Partei. Auf der anderen Seite stehen ländliche Gemeinden, die sich als Verlierer der Globalisierung sehen.“
Die politisch relevantere Trennlinie verlaufe jedoch entlang von Siedlungsdichte, Bildungsstruktur und wirtschaftlicher Orientierung. Das Pew Research Center zeigt, dass urbane Bezirke mehrheitlich demokratisch wählen, ländliche zunehmend republikanisch – während die Vorstädte das eigentliche Schlachtfeld bleiben. Die Brookings Institution warnt, dass die Rhetorik des Stadt-Land-Gegensatzes häufig Mythen verstärke und die ökonomische Vielfalt innerhalb beider Kategorien verdecke.
Ryan verweist auf den ökonomischen Kern. „Die Städte profitieren wirklich von der globalisierten, wissensbasierten Wirtschaft. Dort gibt es Ingenieure, die sehr, sehr gut verdienen. Sie haben eine völlig andere Weltsicht als viele Gemeinden im Heartland, die sich als Verlierer der Globalisierung sehen.“ Kulturelle Konflikte – Religion, Einwanderung, Geschlechterrollen – verstärkten diese Kluft zusätzlich.
China als innenpolitischer Strukturgegner
In der gegenwärtigen amerikanischen Debatte fungiert China weniger als rein außenpolitischer Rivale denn als innenpolitisch verwertbarer Gegner, der Handels-, Industrie- und Sicherheitsnarrative verbindet. Das Amt des US-Handelsbeauftragten (USTR) leitete am 11. März 2026 neue Untersuchungen nach Section 301 gegen chinesische Überkapazitäten ein – ausdrücklich gerahmt als Schutz amerikanischer Arbeitsplätze und Lieferketten. China reagierte mit Gegenuntersuchungen.
Ryan zufolge sieht der durchschnittliche amerikanische Wähler das Reich der Mitte immer noch als ein Land, in das viele gut bezahlte Industriearbeitsplätze verlagert wurden. Ob diese Wahrnehmung in jedem Detail zutreffe, sei politisch weniger relevant als die Tatsache, dass sie tief verankert sei. Eine Anti-China-Stimmung sei mittlerweile parteiübergreifend: „Trump hat diesen Konsens nicht allein geschaffen, aber er hat ihn intensiviert und popularisiert.“
Strategisch verschränkt sich die China-Frage mit dem Iran-Krieg. Trump plant übereinstimmenden Medienberichten zufolge für Mitte Mai einen Besuch in Peking. Chinas Rolle als großer Abnehmer iranischen Öls belastet die Beziehungen zusätzlich. Innenpolitisch bedeute das, China werde gleichzeitig als wirtschaftlicher Hebel und als strategischer Akteur politisiert – ein Multiplikator für Debatten über Versorgungssicherheit und Reindustrialisierung im Wahljahr.
Ausblick: Selbstläufer für niemanden
Die historische Regel besagt, dass die Partei des Präsidenten bei den ersten Zwischenwahlen Sitze verliert. Trump verstärkt dieses Muster, indem er seine Gegner mobilisiert – durchbricht es aber teilweise, weil er auch seine eigene Basis in einem Maß aktiviert, das für andere Präsidenten untypisch wäre.
Ryan fasst das Paradox zusammen: „Wenn es etwas Besonderes an Trump gibt, dann, dass er seine Opposition energetisiert. Die Demokraten sind wirklich wütend, sie wollen eine Botschaft senden. Aber er mobilisiert auch eine sehr treue Kerngruppe von Unterstützern.“
Abgelenkt vom Iran: Verlieren Putin und Trump das Interesse am Frieden in der Ukraine?
Angriffe auf „Kraftwerke, Ölquellen und die Insel Kharg“: Trump droht Iran erneut
Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Iran-Krieg die Benzinpreise weiter nach oben treibt, ob die Demokraten ihre Spendenprobleme lösen können und ob die latenten Risse in der MAGA-Bewegung zu offenen Brüchen werden. Die Vorwahlen laufen bis in den Spätsommer, die entscheidenden Schlachtfelder – darunter North Carolina, Georgia, Michigan und Maine im Senat sowie eine Handvoll Swing-Distrikte im Repräsentantenhaus – werden erst im Herbst ihre volle Dynamik entfalten. Sicher ist nur, dass beide Seiten mit erheblichen Schwächen in diesen Wahlkampf gehen.