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Chinas Regierung greift durch: Mehr Kalkül als Chaos

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31.07.2021

Berlin - Als die Stars des chinesischen Aktienmarkts Alibaba, Tencent oder Meituan diese Woche an den Börsen massive Kurseinbrüche verzeichneten, setzte Panik bei den Anlegern an. Alleine Tencent verlor 62 Milliarden Dollar Börsenwert in weniger als 48 Stunden. Was war passiert? In einer konzentrierten Aktion hat die mächtige Staatliche Verwaltung für Marktregulierung und die Cyberspace Administration Chinas zahlreiche Firmen auf die aus ihrer Sicht bestehenden Mängel im Geschäftsmodell hingewiesen. Im Der Vorwurf die Unternehmen verstoßen durch ihr Wirtschaften gegen chinesisches Recht. Die Intervention des chinesischen Staatsapparates dieser Tage erinnert auf den ersten Blick an das Chaos der Kulturrevolution. Damals galt das geflügelte Wort Mao Zedongs: „Es herrscht große Unruhe unter dem Himmel; die Lage ist ausgezeichnet“.

Die vom großen Vorsitzenden der kommunistischen Partei Chinas 1966 angefachte große Säuberungskampagne war zumindest aus seiner Sicht ein voller Erfolg: Kein Stein blieb auf den anderen. Hunderttausende vermeintliche oder tatsächliche Gegner Maos wurden verfolgt. Kinder denunzierten als eifrige Rotgardisten ihre eigenen Eltern. Es folgten zehn chaotische Jahre, in denen es Mao meisterlich verstand, die verschiedenen miteinander im Streit liegenden Fraktionen in Staat und Partei gegeneinander auszuspielen und so zwangsweise auszusöhnen. Beobachtern aus dem Westen fiel es dabei äußerst schwer, die immer neuen Verwerfungen im politischen Gefüge Chinas nachzuvollziehen. Altgediente Parteigenossen verschwanden ohne Erklärungen von der Bildfläche, viele von ihnen mussten in öffentlichen Schauprozessen Selbstkritik üben und als Bauern Schwerstarbeit in einer der entlegenen chinesischen Provinzen leisten. Selbst der spätere Regierungschef und Mao-Vertraute Deng Xiaoping war davon betroffen.

Das Prinzip „Strafe einen, erziehe hundert“ erwies sich als Gebot der Stunde. Der aktuelle Rundumschlag des chinesischen Staates gegen die eigenen, einst hoch gelobten Milliardenkonzerne folgte jetzt einer ähnlichen Logik. Der Technologiekonzern Tencent, das als chinesisches Amazon gepriesene Alibaba und die lokale Shopping- und Lieferdienstplattform Meituan verloren massiv an Wert. Allein Tencent verlor seit Montag mehr als 14 und seit Monatsbeginn mehr als 25 Prozent. Der Hongkonger Hang Seng Index sackte diese Woche binnen 48 Stunden um mehr als 10 Prozent ein.

Dreh- und Angelpunkt der Vorwürfe gegen die chinesischen Internetriesen........

© Berliner Zeitung


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